2. Kriege dieser Periode. 49
Longobarden aus, welcher in Rom den Papst Hadrian I belagerte. InEilmärschen zog er über den Rhein zu den Alpen und theilte sein Heerin 2 Theile: mit dem einen schickte er seinen Oheim Bernhard überden Mons Jovis 'h. St. Bernhardt mit dem andern ging er selbst überden Mont-Cenis. Die Longobarden, welche beide Pässe nur mit einemTheil ihrer Kräfte nachlässig bewachten, mit der Hauptmacht aber denAusgängen derselben jenseits der Alpen gegenüber standen, geriethen inBestürzung über den kühnen Marsch der beiden Abtheilungen der Fran-ken über das Gebirge und lösten sich auf, Desiderius hob die Belage-rung von Rom auf und schloss sich mit seinen Verbündeten und Gefährtenin Pavia und Verona ein. Die nach fünfmonatlicher (Herbst und Winter)Belagerung erfolgende Einnahme des standhaft vertheidigten Pavia'sdurch Karl machte der Selbständigkeit des longobardischen Reichesein Ende, das mit dem Frankenreiche vereinigt wurde. Aus Italien zogKarl an den Rhein gegen die in das Frankenreich eingefallenen Sach-sen, umschloss sie, indem er sein Heer in 3 Theile theilte, und drängtesie über Rhein und Weser zurück, nachdem er sie zwei Mal aufsHaupt geschlagen hatte (774—775). Vom Rhein ging Karl aufs Neuenach Italien (776). zersprengte durch sein unerwartetes Erscheinen dasdaselbst zum Zwecke einer Wiederherstellung des Longobarden-Reichesentstandene Bündniss, wandte sich dann abermals gegen die Sachsenund zwang sie zum Frieden (777). Im folgenden Jahre (778) unternahmKarl einen Zug nach Spanien unter dem Vorwande einer Unterstützungdes einen der aufständischen Vasallen Abd-ur-Rahman's. Bei Casse-neuil (im heutigen Departement Lot et Garonne) sammelte er sein Heer,theilte es in 2 Abtheilungen und ging mit der einen selbst durch Gas-cogne undNavarra, die andere schickte er über Narbonne undRoussillon.Nach Ueberschreitung der Pyrenäen belagerte und eroberte er Pamplona,bemächtigte sich Saragossa's, vereinigte sich hier mit dem andern Theileseines Heeres und kehrte, nachdem er Navarra, Arragonien und Catalo-nien unterworfen, über die Pyrenäen nach Frankreich zurück. Beidieser Gelegenheit wurde seine Nachhut, welche sein Verwandter Ro-land befehligte, im Gebirgspass bei Roncesvalles durch die Truppen desHerzogs Lupus von Gascogne eingeschlossen und niedergemacht, dessenBesitzungen zur Strafe für diesen Verrath verheert wurden; er selbstwurde aufgehenkt. Inzwischen hatten die Sachsen, von ihrem FürstenWittekind aufgereizt, sich erhoben und das ganze Land zwischenWeser "und Rhein in Besitz genommen. Karl wandte sich gegen sie undführte 6 Jahre lang zwischen Rhein und Weser und in ihrem eigenen Landezwischen Weser und Elbe einen ununterbrochenen erbitterten Krieg. Durchdie baltischen und westlichen Slawen unterstützt, schlugen die Sachsennabe der Weser am Fusse des Süntel-Gebirges einen Feldherrn Karl's
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 1. 4