Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

2. Kriege dieser Periode. ' 47

(der, nach Angabe französischer Chronisten, etwa 400,000 Mann starkgewesen sein und davon 375,000 Mann eingebüsst haben soll). DieTrümmer der geschlagenen Mauren sammelten sich am Fusse der Pyre-näen, wo Karl ihnen einen letzten Vernichtungsstoss geben wollte, alser durch einen Aufstand der Friesen, Burgunder und des Herzogs vonAquitanien nach Norden abgezogen wurde. Nachdem er die Einen zurRuhe gebracht, die Andern unterworfen hatte, belagerte Karl MartellNarbonne, die einzige noch in den Händen der Mauren verbliebene fran-zösische Stadt. Die hispanischen Mauren schickten auf einer Flotte einHeer der Stadt Narbonne zur Hülfe, welches zwischen Narbonne undLeucate in der Mündung des Flusses Berre landete. Karl Hess vor Nar-bonne nur die zum Schutze der begonnenen Belagerungsarbeiten erforder-lichen Truppen zurück, mit der Hauptmacht griff er selbst die landendenAraber an, schlug sie und rieb sie fast gänzlich auf, wobei er sich auchnoch ihrer Schiffe bemächtigte. Dann entriss er den Mauren den gröss-ten Theil von Septimanien; über das Schicksal von Narbonne sind dieChronisten nicht einig, die älteren schweigen darüber gänzlich. Durchseine nun folgenden Operationen (738741j zwang Karl Martell dieMauren, ganz über die Pyrenäen zurückzugehen, er nahm Avignon undMarseille, unterwarf die Provence und den grössten Theil von Septimanienund vereinigte sie mit Frankreich.

§9.Die Kriege Pipin's des Kleinen (751768).

Die Kriege Pipin's des Kleinen sind ebenso wie die Chlod-wig's und KarlMartell's bemerkenswert!! durch die Schnelligkeitund Entschiedenheit, mit welcher er gegen die Völker operirte, welcheden Franken botinässig oder benachbart waren und sich fortwährend em-pörten oder in Frankreich einfielen. So wurden die Alemannen, Bava-ren, Sachsen, Aquitanier, Bretonen mehrmals von ihm besiegt, die inNarbonne von ihm eingeschlossenen Mauren endlich vollständig ausFrankreich vertrieben. Bald danach ergriff Pipi n die Partei des Pap-stes Stephan IL gegen Astolph (oder Ais tu lf), König der Longo-barden. Die Drohungen Pipin's bewogen Astolph zur Aufhebungder Belagerung von Rom, aber die Friedensunterhandlungen zwischenihnen blieben erfolglos und beide Gegner zogen gleichzeitig zu dem Passvon Susa, in der Absicht einander daselbst zuvorzukommen. In demEngpass selbst entspann sich ein Kampf (754), in welchem die Longo-barden durch die Franken, vorn, hinten und von den Seiten von denBergen herab angegriffen, besiegt wurden. Aistulf schloss mit denUeberbleibseln seiner Truppen sich in Pavia ein, woPipin ihn belagerte