40 I- Bis zum Tode Karl's d. Gr. (814).
raums von 10 Jahren mit Waffengewalt über ganz. Arabien ausgebreitet,bei den Anhängern seiner Lehre einen ungeheuren Fanatismus erweckt,und stürzte sich nun mit diesen seinen Arabern auf das byzantinischeReich, vernichtete dessen griechisches Heer und hätte sich fast Constan-tinopels bemächtigt, starb aber im J. 632. Sein Schwiegervater, zugleichsein Nachfolger, erster K h a 1 i f oder Statthalter, A b u B e k r, eroberteSyrien und Mesopotamien, und dessen Nachfolger Phönicien, Palästina,Aegypten, Nubien, Persien, West-Asien und ganz Nord-Africa bis zumatlantischen Ocean. Zu Anfang des 8. Jahrhunderts war das ausgedehnteund mächtige arabische Reich für Süd-Europa bereits eine grosse Gefahr,und seine zahlreichen Streitmittel zur See und zu Lande richteten sicheinerseits gegen das byzantinische Reich und Constantinopel, andrerseitsvon Afrika aus nach Hispanien, um sich dann in Rom wieder zu vereini-gen. Von Constantinopel aus wurden sie durch griechisches Feuer ver-trieben, in Hispanien aber zerstörten sie das Königreich derWest-Gothen,drangen über die Pyrenäen gegen Frankreich vor, wurden aber vonKarl Martell im J. 732 bei Tours (oder Poitiers) geschlagen unddadurch von weiteren Einfällen in West-Europa abgeschreckt. Danachbegannen in dem gewaltigen arabischen Khalifat, dessen Hauptstadt zuerstDamaskus, dann Bagdad war, Civilisation und Bildung aufzuleben,Wissenschaften und Künste emporzublühen, besonders unter Harun alRaschid (786—808), dem Zeitgenossen Karl's d. Gr., mit welchem erfreundschaftliche Beziehungen unterhielt. Aber noch vor diesem hatte imJ. 755 Abel ur Rahm an ein selbständiges hispanisches Khalifat gegrün-det, in welchem, namentlich in dessen Hauptstadt Corduba (h. Cordova),gleichfalls Künste und Wissenschaften sich entfalteten. In Nord-Afrikaaber gründete der arabische Feldherr Edrisi im J. 782 ein neues unab-hängiges afrikanisches Khalifat, welches indessen weder dem zu Bagdadnoch dem in Hispanien an Macht und Bildung gleich kam.
So hatten in einem Jahrhundert von 632 an bis zur Mitte des8. Jahrhunderts die Araber halb Asien, ganz Nord-Afrika und Hispa-nien erobert und sich aus einem nomadisirenden, wilden und rohen Er-oberungsvolke in ein sesshaftes verwandelt, das gegen Ende des S.Jahr-hunderts einen höheren Grad von Bildung besass, als alle übrigen VölkerWest-Europa's.
Ihre ursprüngliche Kriegsorganisation und ihr Heerwesen befand sichnatürlicherweise auf der niedrigsten Stufe und war von der einfachstenprimitiven Form. Mit verschiedenartigen einfachen Waffen ausgerüstet,brachen die ersten Araber auf ihren ausgezeichneten Wüstenrossen mitihren Familien und Heerden, wie alle Nomadenvölker, rasch, unerwartetund ungestüm in der Richtung der grossen Strassen direkt in das Innereder fremden Länder ein, griffen den Feind an, wo sie ihn fanden, und