1. Kriegskunst und Kriegswesen bei den Völkern germ. Abstammung etc. 41
lieferten ihm einen verzweifelten Kampf. Vorher aber verrichteten sie einGebet und wurden durch eine Rede ihres Fürsten oder des Geistlichen(Iniam) entflammt. Die Tapfersten von ihnen warfen sich zuerst mit demlauten Ruf: Allah ist Gott und Mahomet sein Prophet in dieSchlacht. Ihrem Beispiele folgten die Uebrigen und endlich das ganzeHeer, wobei das Hauptbestreben dahin ging, den Feind zu umfassen unddurch die numerische Uebermacht zu erdrücken. Siegten sie, so ver-folgten sie den Feind bis aufs Aeusserste, indem sie Alles niedermachtenwas in ihre Hände fiel. Im Fall einer ersten Niederlage erneuerten siebisweilen am nächsten Tage oder auch mehrere Tage später den Kampfmit ungewöhnlicher Zähigkeit und Hartnäckigkeit, suchten denselben biszum Abend auszudehnen, um den Gegner zu schwächen und zu ermüden,und nach Sonnenuntergang, — der Zeit, wo namentlich der Prophet zusiegen liebte, führten sie dann einen allgemeinen gleichzeitigen undentscheidenden Angriff aus, um den Feind zu überwältigen , was ihnenauch in der Regel gelang. Ihre Heere theilten sie gewöhnlich in mehreregrosse Heerhaufen (Corps) und Linien, welche, der Eigenthümlichkeitder arabischen Sprache entsprechend, ihre eigenen Benennungen hatten,wie z. B.: die 1. Linie— der Morgen des Hundegebells, die 2.— Tag der Hülfe, die 3. —Abend des Erbebens (der Erschüt-terung) u. s. w. Die Hauptkraft ihres Heeres bildete die ausgezeich-nete leichte Reiterei (weshalb sie auch hauptsächlich iu Ebenen kämpften ,aber auch Fussvolk war da, das in tiefen geschlossenen Massen focht.Die auserlesenen Schaaren der AI Muchadscher (Reisegefährten)Mahomet's, und der AI Ansari (Helfer) bildeten die Reserve undhüteten die Hauptfahne des Propheten (Sandschak-Scherif).Hinter ihnen befanden sich die Familien, Fahrzeuge und Heerden, undselbst die Weiber nahmen nicht selten an der Schlacht Theil, ja ent-schieden bisweilen sogar den Sieg. Diese Art der Kriegführung und desKämpfens, die den Arabern eigentümliche Massigkeit im Essen undTrinken, ihr kriegerischer Sinn, ihre Unerschrockenheit, Tapferkeit, undbesonders ihr religiöser Fanatismus und Glaube waren hauptsächlich dieUrsachen ihrer ungewöhnlichen Waffenerfolge und ihrer ungeheurenEroberungen während des 1. Jahrhunderts. Es ist aber bemerkens-werth, dass die Araber sich vor allen früheren und gleichzeitigen asiati-schen Eroberungsvölkern durch ihre Mässigung und Milde in Behandlungder besiegten und unterworfenen Völker auszeichneten. Von diesenerhielten alle diejenigen, welche zum Islam oder Mohamedanismusübertraten, die gleichen Rechte und Vorrechte mit den Arabern, dieübrigen behielten ihre Religionsfreiheit, ihre Organisation und Ver-waltung, blieben bei ihren früheren Beschäftigungen u. s. w., wurdennur arabischen Statthaltern unterstellt und bezahlten massige Abgaben.