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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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1. Kriegskunst und Kriegswesen bei den Völkern gerni. Abstammung etc. 33

Kriegskunst bei ihnen entlehnten, und befand sich im Allgemeinen aufeinem niedrigen und rohen Standpunkte, fast ohne irgend welche Spurvon Kunst. Einige Vervollkommnungen verdankte es hauptsächlich denFranken (s. u.).

§.2.Bei den Franken im Besondern.

Von allen Völkern germanischen Stammes, welche sich in den Pro-vinzen des früheren weströmischen Reiches niedergelassen hatten, warenes besonders die Franken, wo dieAllodial- und Feudal-Kriegsorganisationund das Kriegswesen unter den Merowingern und namentlich unterden Carolin gern und deren hauptsächlichstem Repräsentanten,Karl d. Gr. zur Entwickelung gelangte.

Nach Eroberung von Gallien und Theilung von dessen Gebiet untersich, nach Art der übrigen Völker in den andern Ländern (s. oben), hattendie Franken nicht nur sich äusserer Kriegsunternehmungen nicht enthal-ten, sondern sogar ihre ganze Thätigkeit darauf gerichtet.' Die Folge davonwar die Ausbreitung ihrer Macht durch Waffengewalt über alle in Gal-lien und später über die jenseits des Rheins und der Alpen wohnendenVölker. Lange Zeit hindurch vermischten sie sich nicht mit den Unter-worfenen, in der Folge aber begannen sie dieselben in den Verband ihresHeerbannes (arriere-ban) oder Volksaufgebotes aufzunehmen. Da sieaber Allodial-Herren waren, so bildeten sie die herrschende, freieKriegerklasse und die reichsten und vornehmsten von ihnen die obersteKlasse (aus welcher dann der Adel, die Aristokratie, hervorging). Dasganze von ihnen gegründete Reich unter der obersten Herrschaft des Kö-nigs aus der ersten Dynastie derMerowinger Nachkommen undNach-folger von Meroväus oder Merwig) war in grössere und kleinereProvinzen getheilt, welche durch die von den Königen dafür ernanntenHerzöge und Grafen verwaltet wurden. Auf öffentlichen Versammlungen(Reichstagen; im März jedes Jahres fchamps de Mars) unter Vorsitz desKönigs wurden die wichtigeren Staats- und öffentlichen Angelegenheitenentschieden, Heerschau abgehalten, kriegerische Spiele, Scheinmanöverausgeführt u. s. w.. Im Fall eines Krieges rief der König den Heerbannauf, zu welchem sowohl die eigenen königlichen 'Haus-)Truppen, wiealle Allodial-Herren mit ihren Untergebenen in Waffen und kriegerischerAusrüstung, nämlich mit Proviant auf drei Monate, und mit Waffen undKleidung auf 6 Monate, gehörten fworaus hervorgeht, dass die gewöhn-liche Dauer des Dienstes 6 Monate betrug, vom Frühling bis zum Herbste).Chlodwig hielt auf strenge Ordnung im Heere, bei seinen NachfolgernHess sie aber nach, die Truppen der Franken neigten sich zu Eigen-

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. L. 3