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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
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32 I- Bis zum Tode Karl's d. Gr. (814).

brauche, Unruhen und Unordnungen im Gefolge. Die königliche Macht,nicht gestärkt, sondern durch die zu freigebige Vertheilung von Lehnennur geschwächt, kam mehr und mehr unter denEinfluss des vornehmstenAdels, der seinerseits erheblich an Macht zunahm. Die Optimaten unddie königlichen Vasallen begannen sich dem für sie beschwerlichen undkostspieligen Dienste in den königlichen Truppen zu entziehen und ihreLehen zu erblichen zu machen. Die Optimaten namentlich, welche aufihren Besitzungen und in ihren Provinzen lebten, suchten durch Be-drückungen aller Art die weniger mächtigen und bedeutenden Allodial-und Feudalherren, denen von der weit entfernten und schwachen könig-lichen Macht kein Schutz gewährt ward, in ihr eigenes Comitatus(Gefolge) zu drängen und sie zu ihren Vasallen zu machen. Die schwäch-sten aber von diesen Letztern und ebenso die Nachkommen der eigent-lichen Ureinwohner wurden sogar Dienstleute (Servientes, Ministrais,Dienstmannen, Hörige), nicht selten sogar Leibeigene (Colones, gens depoest, Knechte) der Optimaten. Vergebens strebten die Könige dem ent-gegenzuwirken durch Vermehrung der Macht und des Einflusses derGeistlichkeit, oder durch Uebertragung der Verwaltung des Staates anihre M aj o r d o m u s (Majores, Maires du palais, Haus-Mayer), welche denköniglichen Hof halt wie das fiscalische Eigenthum verwalteten. DieGeistlichkeit, selbst im Besitze grossen Eigenthums, trat entweder aufdie Seite der Optimaten, oder wurde von diesen bedrückt, und dieMajor-domi brachten, die Ohnmacht der Könige benutzend, die oberste Ge-walt ganz in ihre Hände.

Dies waren, im Allgemeinen, nach ihren Hauptgrundlagen und Zügender Anfang und allmähliche Fortgang, die Entwicklung und die Folgender Allodial- und Feudal-Organisation des Öffentlichen und des Kriegs-wesens in den von Völkern germanischen Stammes in den eroberten Pro-vinzen des ehemaligen weströmischen Reiches gegründeten Staaten. Ineinzelnen Details waren sie nicht überall gleich, nach Zeit und Beschaffen-heit hatten sie sich in einzelnen Staaten früher oder mehr entwickelt,als in anderen, in jedem unter Besonderheiten, welche den örtlichen Be-dingungen entsprachen, Vor allen aber am meisten, wichtigsten, inter-essantesten und einflussreichsten bei den Franken, wie sogleich weiterausgeführt werden soll.

Was das eigentliche Kriegswesen bei den Völkern germanischenStammes in West-Europa um diese Zeit anbelangt, so bewahrte es, imAllgemeinen betrachtet, mehr oder weniger dieselben Hauptzüge wie im3., 4. und 5. Jahrhundert bis zum Untergange des weströmischen Reiches(s. Allg. K.-G. d. Alterth. 3., 4. u. 5. Theil, Kapitel von den Germa-nen). Es war eine Mischung von altgermanischen Gewohnheiten undOrdnungen mit den von den Römern in der letzten Zeit des Verfalls der