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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 1 (1880) Von 476 bis zur Erfindung des Pulvers, 1350
Entstehung
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6 Einleitung.

hand behalten und die letzteren zurückgedrängt werden. Dies sprichtsich mit besonderer Schärfe in der Aufstellung der Truppen aus, welcheeine immer tiefere wird, und in der vorzugsweisen Anwendung derblanken Handwaffen (Lanze und Schwert), trotz des offenbarenWiderspruches, in welchem sie zu der Einführung der Feuerwaffen: Ge-schütze und Maschinen, steht, welche allerdings noch ebenso unvollkom-men sind, wie deren Handhabung. Genau dieselbe wunderbare Mischungvon Altem und Neuem zeigen auch die Truppengattungen, sowohl inihrer Bewaffnung, wie in ihrer Formation und Kampfweise. Bei alledemist doch ein langsames, aber bestimmtes Entwickeln und Vervollkomm-nen in den Formen und dem neuen Geiste sowohl bei der Kriegskunstim Allgemeinen, als bei deren verschiedenen Zweigen im Besonderender Taktik in Frankreich und den Niederlanden der Fortification, An-griff und Verteidigung von Festungen besonders in den Niederlanden im16. Jahrhundert unverkennbar.

Während aber in Polen, Litthauen und Wengrien die Kriegskunstdenselben Gang nimmt, schlägt sie im östlichen Russland seit dem 13.und 14. Jahrhundert eine ganz andere Richtung ein. Zu Anfang bewahrtnoch die Herrschaft der Mongolen einen mehr asiatischen als europäischenCharakter, dann aber, mit der Befreiung Russlands vom Joche der Ta-taren zu Ende des 15. Jahrhunderts, bildet sich, unter dem doppeltenEinfluss des früheren mongolischen, und des neuerenbyzantinischenWesens eine eigene, besondere Kriegsorganisation und Kunst aus,welche sich in dieser Form bis zum Ende des 17. Jahrhunderts fortentwickeln.

Von den Kriegen dieser Periode sind besonders bemerkenswert!]:In West-Europa: der 100jährige Krieg zwischen England und Frank-reich um die Nachfolge auf dem französischen Thron (13391440), dieKriege der Schweizer gegen die Oesterreicher und Burgunder im 14. bis15. Jahrhundert, Frankreichs mit Spanien und Oesterreich um den Be-sitz von Italien im 15. und 16. Jahrhundert, der schmalkaldische Kriegin Deutschland um die Mitte des 16. Jahrhunderts, die Kriege des KönigsHeinrichs IV. von Frankreich und des Herzogs von Parma in Frankreichzu Ende des 16. Jahrhunderts, und endlich der Krieg um die Unabhän-gigkeit der vereinigten Niederlande (15681607).

In Ost-Europa kämpft, nach seiner Befreiung von den Tataren,Russland mit mehr vereinten Kräften erfolgreich gegen die tatarischenFürstenthümer von Kasan, Astrachan und der Krimm, unterwirft diebeiden ersteren und Sibirien, und fuhrt gleichzeitig Krieg mit den Schwe-den, dem livonischen Orden, Litthauen und Polen. Hierbei treten alsthätige Helfer Russlands, namentlich im Süden, die Kosaken vomDnjeprundDon auf, welche allmählich starke freiwillige Kriegsgemeinden