Einleitung. 7
mit eigenartiger kriegerischer Organisation und Verfassung gebildethatten.
Im Süd-Osten von Europa beginnen mit der Einnahme von Constanti-nopel durch die Türken und dem endlichen gänzlichen Fall des byzanti-nischen Reiches und der slawischen Reiche: Bulgarien und Serbien, dieKriege der Türken gegen Ungarn, Oesterreich und die Republik Venedigunabhängig von den Kriegen, welche sie in Asien führten. Von diesenletzteren sind besonders bemerkenswerth die Kriege des Sultan Baja-zetl.,1402, gegen Tamerlan, den Khan derjenigen Staaten Mittel-Asiens, welche Dschingis-Khan und dessen Nachfolger eroberthatten. Tamerlan, ein ebenso aussergewöhnlicher Mensch und Heer-führer wie Dschingis-Khan, machte sich berühmt durch die inter-essanten Feldzüge in der goldenen Horde gegen Tochtamysch imJ. 1391, in Indien 1398—1399, und gegen Bajazetl. 1402. wonacher sich zum Kriege mit China rüstete; er starb aber darüber und hinter-licss, gleich Dschingis-Khan, den Ruf eines der geschicktesten Er-oberer in Asien.
Aus dieser kurzen Uebersicht und Charakteristik der allgemeinenKriegsgeschichte des Mittelalters ist ersichtlich, dass jede ihrer 3 Perio-den eine allmählich immer grössere Wichtigkeit erlangt und immerlehrreicher wird, besonders die dritte, welche den Uebergang zu derersten Periode der allgemeinen Kriegsgeschichte der neueren Zeit bildet,die dann mit dem 30jährigen Kriege beginnt.
Dem entsprechend sind auch die Darstellungen dieser 3 Periodenbehandelt: die erste am kürzesten, die zweite weniger kurz, die dritteetwas ausführlicher. Wegen des besonderen Interesses aber, das füruns Russen die Kriegsorganisation und das Heerwesen, sowie die KriegeRusslands, für Jedermann überhaupt aber die militärischen Einrichtun-gen und Kriege Dschingis-Khan's und Tamerlan's haben, sinddiese mit besonderer Genauigkeit dargestellt worden.
Im Allgemeinen aber ist die Kriegsgeschichte des Mittelalters, alsUebergang von der alten zur neueren Zeit und weil sie weniger Beleh-rung gerade in Bezug auf die Kriegskunst bietet, als jene, im Vergleichzu jenen mehr oder weniger kurz gefasst werden. Es sind dabei deren1. und 2. Theil, welche die 1. und 2. Periode umfassen, in ein Buch zu-sammengefasst, der 3. Theil, die 3. Periode enthaltend, wird dann ge-sondert erscheinen. Jeder dieser Theile ist in 2 Abschnitte zerlegt: der1. West-Europa, der 2. Ost-Europa und Asien betrachtend.
An der Spitze des 1. und 2. Theiles sind die Quellen und histori-schen Hülfsmittel, für jeden getrennt, angegeben.
An Karten sind beigefügt: 1. Europa mit Theilen von Afrikaund Asien im 6. Jahrhundert unter Karl d. Gr., und im 9.—14. Jahr-