Einleitung. 5
Schäften und dem Geiste ihrer Völker und ihren Eroberungszwecken aufdas Vortrefflichste angepasst wird. Ihre Ueberlegenheit über die Kriegs -Systeme von West- und Ost-Europa prägt sich sowohl in den Kreuz-zügen, wie in den Einfällen der Mongolen in Ost- und einen Theil vonWest-Europa, und der Türken in das byzantinische Reich in Asien undEuropa aus. Als die bemerkenswerthesten Kriege und Feldzüge der2. Periode erscheinen daher die Kreuzzüge des westlichen Europa inPalästina, zur Befreiung Jerusalems und des heiligen Grabes, und dieEroberungszüge der Türken und Mongolen. Für uns Russen aber sindnicht minder wichtig und interessant die Kriege und Feldzüge der erstenrussischen Fürsten und die auswärtigen russischen Kriege mit den Nach-barn im Norden, Westen, Süden und Osten, in den Perioden vor undwährend der ersten Hälfte der mongolischen Herrschaft, wie der gali-zisch-russischen unter den Fürsten Roman und Daniel, der litthaui-schen unter M i n d o w e g und G e d i m i n und endlich der serbischen undbulgarischen mit den Russen unter Swjatoslaw I., mit den Ungarn,dem • byzantinischen Reiche und den Türken. Als die bedeutendstenKriegsmänner dieser Periode erscheinen D seh in gis -Khan und seineersten Nachfolger, einige der letzten Sultane der osmanischen Türken,Osman und Orchan, und einige der slawischen Fürsten: tschechi-sche, polnische, russische, serbische und bulgarische. Dabei ist es be-merkenswert]! , dass die Anwendung von brennenden Substanzen nebstzugehörenden Geschützen (Maschinen) und Geräthen vom Orient her, vonden Chinesen, Arabern, Mongolen und Türken mehr und mehr auf dieVölker Europas übergeht und allmählich zur Anwendung der seit derMitte des 14. Jahrhunderts vorkommenden Feuerwaffen führt. Und wäh-rend im Orient dessen eigenartige KriegSsysteme — in Asien das türki-sche und mongolische — in den osteuropäischen slawischen Staaten dasslawische dominiren, wird im byzantinischen Reiche noch immer dasalte verschlechterte römische beibehalten, in Westeuropa aber, mitEinschluss von Tschechien, Polen und Wengrien geht die Kriegskunstallmählich , wenn auch langsam, einer Wiedergeburt entgegen, geleitetvorzugsweise durch die alten classischen griechisch-römischen Muster,welchen man ein sorgfältiges Studium zuzuwenden beginnt.
In der 3. Periode endlich, von dem Zeitpunkt der Einführung derFeuerwaffen an, beginnt im westlichen Europa bereits die e r s t e N e u -belebung der Künste und Wissenschaften und darunter auch derKriegkunst, theilweise noch im Anschluss an die alten Formen, theilsentsprechend den Eigenschaften und Bedingungen der neuen Waffe, wiedem Geist und den Forderungen der Zeit. Dieses erste Wiederauflebenderselben bietet ein Bild der Gährung und des Kampfes der alten Princi-pien mit den neuen, wobei seltsamer Weise die ersteren noch die Ober-