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Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
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322
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322 V, 3.

allter. Zu mitternacht, da sein gar mit fleysz pflegten mit wachen und petten,da horten [201°] sy in mit Senaten Worten leys reden. Sy forchten das er demtod nahent war und abredett. Sy naygten ire oren zu seiner red und hörtendas er sogar von tyeffen, ungruntlosen wortten der heyligen gothait redet, auch5 von unzalber frewd der heyligen, das das nyeman gesagen noch aussprechenmag. Da vermählten die sach war wol wirdig grosser zeügnüsz; sy berüfften irenappt und sprachen: 'Er arbaytt mit grossen suchten.' Der berwfft appt kam ingegenwürtt, da zwischen slüg die ör. Da nam er ain werwort und sprach also:'O, wie ain süsse nacht hab ich heint gehappt. 0, wie ain süsse stund hab ich

10 volpracht. Wie süsz und wol gedönt gesanck hab ich gehörtt! Ich pin gewesenin gegenwürtt der hymelischen chor, die Got mit singen geloppt haben. 0 wiegleich heylig, wie ainstimig gesang haben sy gesungen! Ach und ach, wie grosmiszdön ist in unnserm gesanck, wie grosz verdriessen, wie lange weil! Da istden dingen verre anders. Sy hellen und lautten all gleich in ain süsz gedön, das

15 über alle süssikait süss ist; sy werden nymmermer müd, darumb hörn sy nit auff,und so sy Gott ye vester loben, so ir lieb und lust des lobes ye grosser wirtt; yrgesanck ist so wunsam und so süsz, dez ez nyeman gesagen mag. Sy gewunnendarinn solich lüst und willen das sy nwmer auff gehörn mügen, sy loben irenSchöpfer. Da hab ich gesehen lewtt unnsers Ordens, die mit gnad und heylikait

20 vil ander lewtt über traffen. Wer hye am diemüttigisten ist und sich des minstehye umb Gocz willen benwgen lätt, der ist da selbst der höchst geloppt und ge-wirdigt. Sy sind empfabend die grösten ergeezung mit dem aller schönstenangesicht; yr klayd sind reich. Ich hab mit in geredt und getadingt mit mundzu münd und wort zw wortt und hab mit in gehapt vil freüntlicher mitkosung.

25 Mir sind auch erschynen unnser prüder, hern Wernher, prior, und her Matheysund her Albrecht, hern Cün und hern Davit, der schönst under in allen, die allchutten an hetten. Die chutten gaben solichen schein und gleissen in mein äugenals der plicz tütt am hymel; ich gewan unsäglich freüd an iren klaidern. Ichfragt mit grossem vleys ob ich auch ain solich kütten erlangen mocht. Mir wart

30 geantwurtt: 'Wer leppt xrn straf flieh, der mag wol ain solich kütten oder gewantterlangen, und wer in seinem handeil nit lautter ist oder in seinem gewissen nitrain, der gewint an seinem [202 r ] klayd ain makel und flecken, und wer sichbehelt vor allem übel, der gewint ain rains, unfleckecz gewantt." Ich fragtsy: "Wa von körnen die fleck ?" Sy antwurten mir: "Von wider reden, murmeln,

3. und] d aus b korrigiert.

10. nach pin gestrichen in ge.

14. sy] I über e korrigiert.

21. selbst] st aus einem anderen Buchstaben korrigiert.

28. an] vnd.

29. vor wart gestrichen hatt.

30. unsti-Äfflieh] vnd strÄfflich.34. nuiimeln] 1 aus r korrigiert.