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Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
Entstehung
Seite
76
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76 /, 45-1, 46.

ir zeklagen, wann sy dasselbe unnser lieben frauen alltes pilde alle tag gewönd-leich mit irem gepett eren tat, mit venigen und mit englischen grüssen. [54 r ]Zu einer zeitt do die selbe frawe ir tochterlein in ein dorff, dabey nahent gelegen,empholhen het, das ir das do selbs gezogen solt werden, und do dasselbe töchter-5 lein in dem dritten jar irs allters was und in einem garten mit andern kindernkurczweilen was, do kom ein wolff und zuckt dasselbe tochterlein bei dem halsund trüg es mit im eylent gen holez. Die dorfleüt eylten dem wolff nach undmochten im doch nicht zu komen und kerten widerumb zu haym und hetten sichdes tochterleins verwegen. Der selben einer kom in die vorgenanten vesten zu

10 des tochterlein mütter gelauffen, dy do an dem tisch zu essen gesessen was, undsagt ir die verlüst irs tochterleins, wie das ein wolff gezucket und mit im gen holezgetragen hett, und dem sy nach gefolget und doch nichts geschafft hetten. Dieantwurt im in grossem trübsal und sprach: 'In warhait hat der wolff mein tochterye nicht gefressen.' Und domit stund sy au ff von dem tische und gieng mit grosser

35 ires herezen pitterkait in die capellen für das vorgenant allt unnser frauen pildund ruckht ir das pild ires kindlcins aus irer schosz und sprach zw ir wainend undzährent söliche wort: 'Fraw hymelküniginn Maria, dein chindlein wirst du nichtwiderhaben, ich hab dann voran mein tochterlein aus des wolfs gewalt herwider.'Merck ein wundergrosz diemüttikait von der hymelküniginn Maria. Sy gepott

20 dem wolff, der liesz das tochterlein unversert vallen, denn das es die masen vonden wolffzennden dannoch in der hawtt an dem hals behieltt. Und ir ettlichdorffmann warn auch einen andern weg dem wolff nachkömen, die fünden dastochterlein vor dem holez ledig geen, das namen sy mit freüden und prachtenes wider seiner mütter. Und als pald sy dasselb ir tochterlein ungelaidigt fand,

25 do ward sy [Ö4 V ] gar fröleich und eylt lauffent zu dem heyligen unser lieben frawenpild, also zu im sprechent: Traue mütter Gottes, seind du mir tochter widergeben hast, so wider gib ich auch dir deinen lieben sün,' und legt ir in wider inir schosz.

Novicius: Nescivi hactenus. Ich han nicht gewisst vormals so vil

30 trostung ze suchen vor der heyligen pilden.

Monachus: De ymagine beate virginis. Von dem pild unnserlieben frawen wil ich dir sagen gar ein wunderleich ding.

Das XLVI capitel.

In Frisia cenobium quoddam sanetimonialium etc. In Frisen-

35 land ist ein frawen chloster unnsers ordens newlich gestifft, genant Yesse, und

was ich davon reden wirf, das han ich gehört von dem preyal desselben chlosters

3. dorff ist aus darff korrigiert.18. Vor tochterlein gestrichen chin.

27. vor ir gestrichen in. nach wider gestrichen geben hast.

33. Das XLVI capitel steht am Rande links.