Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
159
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159Sechster Abschnitt.Lährend Alexander in diesen Provinzen umherzog,entstand eine Verschwörung in seinem Heere. Unzufrie-denheit über die mit griechischer Sitte unverträglichenThorheiten des Königs, der nun gleich den persischen Für-sten ein großes Gefolge von Gauklern, Weibern und Die-nern der Sinnlichkeit um sich hatte, und jede Stadt zumSchauplaz seiner Ausschweifungen machte, war die Quel-le dieser Verschwörung; vielleicht erregte auch der end-lose Krieg selbst bei den reich belohnten Kriegern denWunsch, ihre Beute in Ruhe zu geniessen, denn dieEroberung Persiens war vollendet, und die Rache derGriechen, der Vorwand, dessen sich der Eroberer beidem Angriff der persischen Monarchie bediente, gesät-tigt; sie bedachten nicht, daß großer Erfolg der Reizzu neuen Unternehmungen wird, und daß jeder Er-oberer mit dem Siege auch die Gränzen seiner Bahnerweitert. Philotas, der Befehlshaber der königlichenLeibwache und ein Sohn des würdigen Parmenio, wur-de als das Haupt einer Verschwörung angegeben, derenDaseyn in der That zweifelhaft ist, wenn auch derGeist der Unzufriedenheit sich bei den ältern, an vater-ländische Sitte gewohnten Kriegern wirklich geregt hatte.Philotas ward im Schlafe ergriffen, gefesselt, und auf dieFolter gespannt. Er läugnete standhaft, und rief aus,die Arglist seiner Feinde hätte über die Güte des Kö-nigs gesiegt. Endlich überwältigte ihn der Schmerz,er bekannte, was die aus Feinden seines Hauses beste-henden Richter verlangten, gab selbst seinen Vater alsMitschuldigen an, und ward zum Tode verurtheilt.Parmenio war mit einem großen Theil des Heeres unddem königlichen Schatze in Ecbatana zurükgeblieben.Vielleicht schien es gefährlich, diesen würdigen Krieger,umgeben von den Genossen seiner Siege, zu ergreifen;man zog es vor, den siebzigjährigen Greis, der mitunwandelbarer Treue Philipp und seinem Sohne ge-dient, in allen Schlachten den Oberbefehl über einengro⸗