Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
143
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Sechster Abschnitt.145dreisigtausend Gefangene wurden als Sklaven verkauft,und nachdem die Stadt geplündert war, begann dieZerstörung, bei der nur die Tempel von dem frommenSieger verschont wurden. So siel Tyrus nach sieben-monatlicher Belagerung. Eine Stadt, die Jahrhunder-te hindurch geblüht, und durch den Handel die nähren-den und beglückenden Künste in der ganzen damalsbekannten Welt verbreitet hatte. Hieher strömten diekostbarsten Erzeugnisse aller Himmelsstriche zusammen,und von hier aus wurden sie in alle Gegenden ver-schifft. Hier ward die kostbare Purpurmuschel aus demGrunde des Meeres gehoben, und von hier ward dieBuchstabenschrift verbreitet, die zuerst den Umtauschmenschlicher Kenntnisse befördert und um die ganzeMenschheit ein Band geschlungen hat, das unzerstörbarbleibt. Es ist wahrscheinlich, daß in der Zerstörungdieser Stadt viele Denkmäler der alten Erd= und Völ-kerkunde ihren Untergang gefunden haben, denn dieTyrer, unermüdet in Erweiterung ihres Handels, er-forschten die entferntesten Küsten, und durchschifften kühndie gefährlichsten Meere, aber sie bewahrten ihre Ent-deckungen als Geheimniß, um andern Nationen den Mit-genuß desjenigen zu entziehen, was sie als ihr ausschließ-liches Eigenthum betrachteten. (J. v. C. 332)Während der Belagerung von Tyrus erhielt Alexan-der eine Botschaft von dem König der Perser. Es wur-de eine beträchtliche Summe als Lösegeld für die nachder Schlacht bei Issus gefangenen Mitglieder der kö-niglichen Familie angeboten. Darius war bereit, einengroßen Theil seines Gebietes abzutreten, und der Eu-phrat sollte künftig die Gränze von Alexanders Besitzun-gen seyn. Diese Anträge wurden stolz von dem erobe-rungsfüchtigen König verworfen, der bereits ganz Per-sien als sein Eigenthum betrachtete.Phö-