Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Griechen,142tern den Wall zu ersteigen suchten, wurden mit Sandbeschüttet, den man in ehernen Schilden zum Glühengebracht hatte. Diese Waffe war den Macedoniern diefurchtbarste, denn der glühende Sand drang durch dieFugen des Panzers, und brannte bis auf die Knochen.Wo ein Bruch in der Mauer entstand, wärfen sich diemuthigsten Bürger hinein, und schlugen die Stürmendenzurük. Aber nach langer, muthiger Vertheidigung erlagendlich diese Stadt der Beharrlichkeit der Macedonier.Die Mauerbrecher hatten einen großen Wallbruch gemacht,und die Peltasten wurden zum Sturm geführt. Ein feind-licher Speer tödtete ihren Anführer, und nun warf sichAlexander, umgeben von seinen Gefaͤhrten, in den Feind,der ermüdet durch den langen Kampf nur noch schwachenWiderstand leistete. Auch die Flotte war in zwei Abthei-lungen durch die beiden Eingänge des Hafens gebrochen,und von der Seite des Meeres drangen die Macedonierzugleich mit der Abtheilung, die den Wallbruch erstürmthatte, in die Stadt. In den Strassen entstanden noch hef-tige Gefechte, denn die Bürger waren fest entschlossen,ihr Leben, das für sie keinen Werth mehr hatte, theuergenug zu verkaufen. Selbst aus den Häusern wurdenSteine auf die Sieger herabgeschleudert, und mancherfand hier den Tod, der reiche Beute gehofft hatte.Die Erbitterung der Macedonier kannte keine Gränzen,das Schwert wüthete unaufhaltsam, und die Leichenvon mehr als achttausend Bewohnern füllten die Stras-sen der unglüklichen Stadt. Die Obrigkeiten waren inden Tempel des Herkules geflohen. Alexander befahl,ihrer zu schonen. Die Krieger aus Sidon, die unterden Macedoniern dienten (denn Alexander nahm ausden eroberten Provinzen die streitbaren Jünglinge un-ter seine Fahnen), retteten mehrere Tausende ihrer un-glüklichen Gastfreunde von dem harten Loose der Skla-verei, und von ihnen ward die Stadt wieder erbaut,deren Zerstörung Alexander befohlen hatte. Ueberdrei-

1#Kasten2ren1