Sechster Abschnitt.137schönsten Kranze der Mäßigung im Glük, und der zartenAchtung für unverdientes Unglük umgab.Alexander ließ das zerstreute Heer der Perser nichtweit verfolgen. Sein wohl durchdachter Kriegsplan war,sich zuerst durch die Eroberung der ganzen Meeresküsteden Rücken vollkommen zu sichern, und seine Verbindungmit Macedonien und Griechenland offen zu halten, eheer in das Innere der persischen Provinzen vordang. Erkannte die unzuverläßige Freundschaft der Athener, unddie feindliche Stimmung Sparta's genau; der Erfolgzeigte die Richtigkeit seiner Ansichten vollkommen. Erüberließ daher dem Darius ruhig seinen Rükzug nachBabylon, und indeß Parmenio die feste Stadt Damaskusmit allen dahin geflüchteten Schätzen durch den Verrathdes persischen Befehlshabers in die Hände bekam, zogAlexander nach Phönicien. Die Städte öffneten ihmihre Thore, vor allem Sidon, das erst vor wenigen Jah-ren von Artaxerxes Ochus zerstört, aber durch die derVerheerung entkommenen Bürger wieder erbaut war.Tyrus, der Hauptsiz des damaligen Welthandels, schik-te eine Gesandtschaft an ihn, die er mit Güte em-pfieng, ihr aber auftrug, den Tyrern zu melden, daßer gesonnen sey, nächstens in ihrer Stadt dem Herkulesein Opfer zu bringen. Diese beunruhigende Nachrichtveranlaßte eine zweite Gesandtschaft, die zwar dem Königdie Versicherung unwandelbarer Ehrerbietigkeit der Be-wohner, aber auch ihren festen Entschluß überbrachte, daßweder Perser noch Macedonier jemals ihre Stadt betretensollten. Diese Erklärung beleidigte den Stolz des Kö-nigs; er beschloß ein Volk zu züchtigen, dessen Geschäftin einem die ganze damals bekannte Welt umfassendenHandel, und im Genuß der Glüksgüter bestand, die nurder ruhige Fleiß des Menschen erwirbt. Beschäftigungendieser Art sind zwar gewöhnlich unverträglich mit demMuthe, den der tägliche Anblik der Gefahr bei dem Krie-ger
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