Kai.
Sechster Abschnitt.125kaum hatte sich Alexander vor der Stadt gelagert, alser von den Belagerten wüthend angegriffen ward. Nacheinem blutigen Gefechte zog sich jedoch Memnon zurük.Der König sah bald ein, daß diese wichtige Stadt nurdurch eine regelmäßige Belagerung erobert werden konn-te. Alle Anstalten wurden nun getroffen, die Maschi-nen wurden in Bereitschaft gesezt, ein breiter und tie-ser Graben, den die Belagerten mit unglaublicher Schnel-ligkeit um die Stadt gezogen hatten, wurde ausgefüllt,und Thürme von der Höhe des feindlichen Walles er-baut, aus welchen Fallbrücken niedergelassen wurden, aufdenen man wie auf ebenem Grund mit den Vertheidigernder Wälle stritt. Aber Memnon und sein tapferer Gefähr-te Ephialtes erschöpften alle Kunst der Vertheidigung.Mehr als einmal wurden die Thürme der Angreifendenund die Sturmböcke verbrannt oder zerstört; und in denhäufigen Ausfällen war der Nachtheil oft auf der Sei-te der Belagerer. Als jedoch Memnon sah, daß dieStadt nicht länger vertheidigt werden konnte, legte erstarke Besatzungen in die beiden Burgen, und führte diesämmtlichen Einwohner mit ihrer beweglichen Habe nachder benachbarten Insel Kos. Die leere Stadt wardnun von den Macedoniern besezt. Alexander untersuchtejezt die Lage der beiden Burgen, und fand, daß sieohne großen Zeitverlust nicht erobert werden konnten,aber auch ohne den Besiz der Stadt von geringer Er-heblichkeit wären. Er gab daher Befehl, Halicarnassusvon Grund aus zu zerstören, damit künftig der Feindhier keinen Zufluchtsort finden mögte. Dieser Befehlward in seiner ganzen Strenge vollzogen. (I. v. C.334.)Ehe der König die Provinz Carien verließ, sezteer die erbliche Regentin dieses Landes wieder in den Be-siz ihres Eigenthums. Ada, dieß war der Name die-ser Fürstin, war durch den Befehl des Königs von Per-sten