Geschichte der Griechen,124fen würden. Dies war eine große Ermunterung fürein Volk, dessen Ehrgeiz jede andere Leidenschaft über-wog, und freudig zog die neue Mannschaft, die der Kö-nig zur Fortsetzung des Krieges bedurfte, aus Griechen-land nach Aſien. Er verbarg klug ſeine Eroberungs-sucht unter dem Vorwand der Rache des griechischenVolkes gegen die Perser.Alexander nahm nun von den griechischen Pflanz-städten an der Küste von Asien Besiz; er führte jeneGesetze wieder ein, nach welchen sie sich selbst vor ih-rem Fall unter die lydischen und persischen Könige re-giert hatten; die drückendsten Auflagen wurden erlas-sen, und sie wurden von den lästigen Besatzungen be-freit; überall hinterließ der König Denkmäler seinerAchtung für alte Verfassung und seiner Liebe zu denBewohnern dieser Städte. Zu Ephesus befahl er dieAbgaben, die bisher an die Perser entrichtet wurden;zur Wiederherstellung des berühmten Tempels der Dia-na zu verwenden, der nach einer allgemeinen Sage inderselben Nacht von Herostrat in Brand gestekt wurde,in welcher Alexander geboren war. Sardis, der alteKönigssiz der Beherrscher von Lydien, öffnete dem Sie-ger die Thore, der nun alle Provinzen der vormals mäch-tigen lydischen Monarchie sich unterworfen sah. NurMilet und Halicarnassus leisteten hartnäckigen Wider-stand. Vor Milet fielen in wiederholten Stürmen vie-le von Alexanders tapfersten Kriegern, und als die Stadtendlich ihre Mauern durch die Maschinen der Belage-rer in Schutt verwandelt sah, ergab sie sich auf ehren-volle Bedingnisse. Die Bewohner wurden mit Leutse-ligkeit behandelt, aber die Fremden wurden als Skla-ven verkauft. In Halicarnassus, das durch seine Lageund durch die Kunst wohl befestigt war, befehligte Mem-non aus Rhodus, dessen wir bereits erwähnt haben.Dieser tapfere Mann leistete den hefrigsten Widerstand;kaum
2