Sechster Abschnitt.123getödtet auf dem Kampfplaz, sie begannen an der Mög-lichkeit zu zweifeln, daß man mit Erfolg einem Feind wi-derstehen könne, der unter den ungünstigsten Umständenein überlegenes Heer angegriffen und geschlagen hatte.Der Sieg war nach ihrer Ueberzeugung der persönlichenTapferkeit des Königs zuzuschreiben, jeder Anführer, jedereinzelne Krieger im macedonischen Heere war von demGeiste beseelt, den er an dem Könige bewunderte.Die Perser verloren an diesem denkwürdigen Tagedas Vertrauen auf sich selbst, ein unersezlicher Ver-lust, der immer den Umsturz der Nationalunabhängig-keit und des Thrones nach sich zieht. Diese Wahrheitist bewährt durch die Geschichte aller Völker. In dem-selben Verhältniß wuchs die Zuversicht der Griechen.Noch war die Erinnerung des Ruhmes ihrer Völker inden Kriegen gegen Darius und Xerxes lebendig, undbegeisternd in ihrer Seele, und sie waren unüberwindlich,indem sie selbst sich für unbesiegbar hielten. Aber wirmüssen hier die Klugheit Alexanders gehörig würdigen.Er verstand die Kunst, ein hochherziges Volk, das seitJahrhunderten frei und unabhängig in dem Genuße sei-ner eigenen Gesetze gelebt hatte, und das nur durch un-selige innere Spaltung kürzlich dem macedonischen Zep-ter unterworfen war, auf eine seinem Nationalstolze wür-dige Art zu behandeln. Den griechischen Staaten wardsämmtlich ihre ursprüngliche Verfassung zugestanden. Eswurden ihnen keine Gesetze aufgedrungen, die ihren Sit-ten und Gewohnheiten fremd waren, und indem der Sie-ger der höhery Bildung seiner neuen Unterthanen huldig-te, schien er die Würde eines Heerführers der Griechenselbst dem Namen eines Königs von Macedonien vor-zuziehen. In der Aufschrift der Weihgeschenke, die er,wie wir erzählt haben, nach Athen sandte, erwähnt erder Macedonier nicht, und nennt als Sieger gegen dieBarbaren des Ostens blos die Griechen; sein Wille war,daß künftig die Macedonier unter diesem Namen begrif-fen
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