110Geschichte der Griechen,Alexanders erste Unternehmung war eine Reisenach Griechenland. Die Eroberung der griechischen Frei-staaten war noch zu neu, und ihre Abhängigkeit von Ma-cedonien noch nicht fest genug gegründet, als daß ernicht schnell die Früchte von seines Vaters Bestrebun-gen zu sichern gesucht hätte. Auf seinem Zuge erfuhrer den Abfall einiger Stämme in Thessalien, die ihreverlorne Unabhängigkeit wieder zu erwerben strebten.Doch bald wurden diese Versuche durch Alexanders Ta-pferkeit vereitelt, und nun berief er die Abgeordnetender sämmtlichen Staaten Griechenlands nach Korinth.Sie erschienen, mit Ausnahme der Sparter, sämmtlich,und bestättigten dem König alle jene Würden, die seinemVater übertragen waren. Kaum waren diese Angelegen-heiten geordnet, und Alexander nach Macedonien zurük-gekehrt, als die Triballier, die einen Theil des nördlichenThrazien bewohnten, und durch Philipp dem macedoni-schen Königreich einverleibt waren, die Waffen ergrif-fen. Der König zog schnell von Aphipolis gegen dasGebirg Haemus, eroberte nicht ohne hartnäckigen Kampfdie Engpässe, und trieb die Feinde aus allen ihrenVerschanzungen bis an die Donau. Am nördlichen Uferdieses Flusses (in dem heutigen Bessarabien) standendie Geten mit einem wohlgerüsteten Heer, entschlossen,den Macedoniern den Uebergang zu wehren. Aber Ale-xander bemächtigte sich der Boote, deren sich die Ein-gebornen zum Fischen und zum Raube bedienten; er ließdie zu den Gezelten gehörigen Felle in Schläuche um-ſtalten, und landete in einer dunkeln Nacht mit vier-tausend Mann zu Fuß und fünfzehnhundert Reitern andem jenseitigen Ufer. Die Geten, erstaunt über dieKühnheit dieses Unternehmens, zogen sich eilig zurük,und flohen in die nördlichen Wüsten. Während dieserEreignisse empfieng der König eine Gesandtschaft germa-nischer Völkerstämme, die wahrscheinlich zu jener Zeitdie Ebenen von Syrmien bewohnten. Alexander frag-
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