Geschichte der Griechen,100ode. Wir danken den Göttern für dieses Geschenk, in-obrünstiger aber dafür, daß sie uns ihre Gabe zu derZeit verliehen, wo Aristoteles lebt. Wir sind überzeugt,„daß du ihn zu einem Fürsten bilden werdest, der seines„Vaters und seines Vaterlandes würdig ist. Unterder Regierung Philipps blühten auch Handel und Acker-bau, die Quellen des Wohlstandes und der Bildung;Macedonien trat in die Reihe der gebildeten Staaten,und der gehäßige Name Barbar schändete fortan ein Volknicht mehr, das mit den Griechen durch Regierung, Spra-che, Religion, Künste und Wissenschaften sich innig ver-band. Um das Gemälde dieses Fürsten zu vollenden,ist es jedoch nöthig, auch die Schattenseite desselbenzu zeigen. Eroberungssucht war die herrschende Lei-denschaft seines Geistes, Befriedigung dieser Leiden-schaft sein rastloses Streben. Die Mittel, diesen ein-zigen Entzwek seines Daseyns zu erreichen, waren ihmgleichgültig, und wir haben im Laufe der Erzählunggesehen, welche Kunstgriffe er anwandte, um sich zu-erst die kleinen Nachbarstaaten Macedoniens zu unter-werfen, und dann durch die Vereinigung dieser zer-streuten Kräfte die Eroberung Griechenlands zu vollen-den. Philipp hatte keinen Vertrauten, sein Charakterwar nicht empfänglich des Vertrauens; er besaß nurWerkzeuge, tüchtig zur Ausführung seiner Entwürfe,und, wählte sie in dem Augenblik, wo er ihrer bedurf-te. Er war ungerecht und grausam nach Launen. DieZüge seiner Gerechtigkeit, die uns die Geschichte auf-bewahrte, entsprangen mehr aus der Begierde, gerechtzu scheinen, als zu seyn; seine Grausamkeit gegen seineBrüder und nächsten Verwandten mag vielleicht dieNothwendigkeit rechtfertigen, die innere Ruhe des Staa-tes durch Entfernung aller Ansprüche auf den Thronzu sichern, denn nicht das Recht der Geburt, sondernFähigkeiten und Verdienst gründeten den Besiz der Kro-ne; dies war besonders in Macedonien eine Quelle häus-licher
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