Fünfter Abschnitt.105sein Betragen nach den Umständen mit seltener Besonnen-heit und richtigem Blicke ändernd, verschlossen im geprüf-ten Entwurf, und rasch in der Ausführung hatte er seinangestammtes, oder durch die Wahl des Volkes in einemZustande der nahen Auflösung ihm übertragenes Reichmit seltenem Glücke beruhigt, dessen innere Kraft geordnet,die rohen Stämme der Illyrier und Thrazier bezwungen,und mit seinem Reiche vereint, die Gränzen desselbenbis an das jonische und ägäische Meer ausgedehnt, eineSeemacht geschaffen, den langen innern Kampf dergriechischen Freistaaten durch die Schlacht bei Chaero-nea geendet, und sie sämmtlich seinem Zepter unter-worfen, aber ihre alten Gesetze und Verfassungen ehrend,seine Herrschaft nicht durch gewaltsamen Eingriff in ihreinnern Verhältnisse, sondern blos durch den Oberbefehlüber ihre Streitkräfte ausgesprochen. Doch nicht aufdem Schlachtfelde oder in der Staatskunst allein glänz-te dieser König, er war auch der Beschützer und Be-förderer der die Menschheit adelnden Künste und Wis-senschaften. Aus allen Gegenden von Griechenland ver-sammelten sich an Philipps Hofe die trefflichsten Künst-ler der damaligen Zeit, ihre Arbeiten schmükten dieTempel und Palläste der macedonischen Städte, und siewurden mit königlicher Freigebigkeit belohnt. Die öf-fentlichen Feste wurden belebt durch die vorzüglichstenSchauspieler, Dichter und Redner des Zeitalters, siewaren bei solchen Gelegenheiten zunächst um den König,der selbst im hohen Grade mit Beredsamkeit begabt,ihre freimüthigen Aeusserungen gerne annahm, undselbst an seinen Feinden ehrte (an dem Redner Dema-des nach der Schlacht bei Chaeronea). Seine Wür-digung wahrer Verdienste, und seine Achtung gegenMänner von ausgezeichneter Gelehrtheit bewieß er, alser dem Aristoteles von Stagyra die Erziehung seinesSohnes übertrug. „Wisse, so schrieb er diesem be-vruhmten Weltweisen, daß uns ein Sohn geboren wur-ode.
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