Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
102
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Geschichte der Griechen,102zu trennen. Alexander, schon damals im männlichen Alter,vertheidigte vergebens die Rechte seiner gekränkten Mut-ter, und seine eigenen Ansprüche, die eine neue Ver-mählung seines Vaters gefährden konnte. Philipp ver-band sich ohne Rüksicht auf die gegründeten Forderun-gen seines Sohnes mit der Kassandra, der Nichte desAttalus, eines der Befehlshaber im macedonischenHeere. Die Vermählung ward mit großer Prachtvollzogen, und der Prinz ſah mit ſchweigendem Un-willen ein Fest, das die Verstoßung seiner Mutter ver-anlaßt, und Besorgnisse für die Zukunft in seinemHerzen erwekt hatte. Sein Unmuth wurde durch denunbesonnenen Stolz des Attalus gereizt, der, trunkenvon der Ehre, Oheim der Königin zu seyn, bei demHochzeitmahl die Gäste aufforderte,daß sie den Göt-ntern ein Trankopfer ausgießen, und sie bitten mögten,dem Könige glükliche Früchte dieser Vermählung, undprechtmäßige Thronerben zu schenken. Elen-der! rief der Prinz, hältst du mich für einen Bastard!Mit diesen Worten schleuderte er seinen Becher gegenden Attalus, der, diese Beleidigung mit gleicher Ge-waltthätigkeit erwiederte. Tumult und Verwirrungfüllten den hochzeitlichen Saal, der König selbst zogdas Schwert gegen ſeinen Sohn, aber er fiel zu Boden,indem er ihn verfolgte, und Alexander rief mit unverzeih-lichem Trotze:Seht, Macedonier! das ist der König,oder euch nach Asien führen will. Hier liegt er, auf demWege von einem Tisch zu dem andern. Der Prinzfloh nach dieſem Ereigniß zwar zu den Illyriern, die imAufſtand gegen Philipp begriffen waren; aber dieſer Auf-stand ward durch die Klugheit des Königs bald gedämpft,und selbst den Prinzen besänftigte er durch die Versiche-rung, sein hohes, allgemein bekanntes Verdienst sey demAuge des Vaters nicht entgangen, der ihm zwar man-chen Mitbewerber um den Thron gegeben habe, zugleichaber auch Gelegenheit, ſie alle an Ruhm zu uͤbertref-fen..