Geschichte der Griechen,96genen. Diese Bitte ward ihnen sogleich gewährt. Phi-lipp besuchte nach dem Gastmal, das nach der Sitte je-ner Zeiten nach der Schlacht gegeben wurde, das Schlacht-feld. Er und die Gefährten seines Sieges waren mitKränzen geschmükt, und in dem Uebermaas seiner Freu-de über den glüklichen Erfolg seiner zwei und zwan-zigjährigen Entwürfe spottete er der erschlagenen Athe-ner. Der Redner Demades, der unter den Gefange-nen war, hatte den Muth, ihm dieses unedle Betra-gen zu verweisen. „Warum spielst du die Rolle desThersites, sprach er, da dir das Schiksal jene des Aga-memnon zugewiesen hat?« Philipp fühlte die Wahr-heit dieses Vorwurfes, und weit entfernt, über denfreimüthigen Athener aufgebracht zu seyn, schenkte erihm und allen seinen Mitbürgen, die Freiheit ohne Lö-segeld. Der Geschichtschreiber Justin sagt über dasBetragen Philipps nach dieser Schlacht: Er habe sichalle Mühe gegeben, seine Freude zu unterdrücken, unddagegen Bescheidenheit und Mitleiden geäussert; er habegegen seine Gewohnheit nicht geopfert, und sey so sehrMeister seiner selbst geblieben, daß Niemand in ihm denSieger erkannte.Die Nachricht von dem Verlust der Schlacht beiChaeronaea verbreitete Bestürzung und tiefen Schmerzin Athen, aber bald kehrte diesem muthigen Volke die Er-innerung an den alten Ruhm zurük, und da eine Bela-gerung zu befürchten war, so beschloß man die Entfer-nung der Frauen und Kinder, die nebst den Bildnissenund dem Schmuk der Tempel in den Piräus gebracht wer-den sollten. Es ergieng ein Aufruf an alle waffenfähigeMänner und Jünglinge, an die Sklaven und Fremde;selbst die mit dem Verlust bürgerlicher Ehre bestraftwaren, sollten wieder in ihre vorigen Rechte treten, alledas Bürgerrecht erhalten, wenn sie die Waffen, für dasVaterland ergriffen. Die Mauern von Athen wurdenaus-
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