Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
86
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30Geschichte der Griechen,trag einfach und gedrängt, ohne rednerischen Schmuk.Die Thorheiten und Ausschweifungen seiner Mitbürgerkannte er, so wie die Gebrechen seines Zeitalters; erschmeichelte nie dem Volke, dessen Gunst ihm gleich-gültig war, während die öffentlichen Redner durch nie-drige Kunstgriffe um den Beifall desselben buhlten. Ersuchte nie Ehrenstellen, aber er entzog sich nie seinemVaterlande, wenn es ihn zu dem Heerbefehl berief.Fünf und vierzigmal wurde er zum Anführer gewählt,meistens abwesend, immer ohne seinen Wunsch. Errieth beständig zu dem Frieden, denn er war über-zeugt, daß die Athener jezt nicht mehr den Geist be-saßen, der ihre Vorältern unter Miltiades, Themisto-kles und Cimon zu dem ruhmvollen Kampf für dasVaterland belebte, aber dennoch übernahm er jezt denBefehl über das zum Schuz der thrazischen Städtebestimmte Heer. Noch hatte er den Propontis nichterreicht, als Philipp sich der Stadt Byzanz durch Ue-berfall zu bemächtigen suchte. Die Macedonier hattenin einer stürmischen Nacht bereits den Wall erstiegen,als sie von den wackern Bürgern mit großem Verlustzurükgeschlagen wurden. Aber jezt erschien Phocionmit der athenischen Flotte. Byzanz öffnete seine Tho-re, und empfieng die rettende Verstärkung. Die Ma-cedonier empfanden bald die Gegenwart dieses tapfernFeldherrn, der ihre Angriffe abschlug, ihre Linien an-griff, und sie endlich zwang, die Belagerung von By-zanz und Selymbria aufzuheben. Phocion begnügtesich nicht mit diesem Erfolg; er befreite viele Städtevon dem Joch der Macedonier, bezahlte sein Heer ausden Brandschatzungen, die er in Philipps Besitzun-gen erhob, und trug noch einmal den Schrecken desathenischen Namens in das Herz der Erbstaaten desmacedonischen Königs, dessen Macht an den europäi-schen Küsten des Hellesponts und im thrazischen Cher-sones jezt gänzlich vernichtet war.Der

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