Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
76
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Geschichte der Griechen,76Bunde einverleibte Stadt zerstört werden durfte, dasschrekliche Urtheil fällten, daß die Phocier von demgriechischen Völkerverein ausgeschlossen, und des Rech-tes beraubt werden sollten, künftig Abgeordnete zu demRathe der Amphictyonen zu senden, daß ihre Waffen undPferde verkauft, und das Geld dem Dienste des del-phischen Gottes geweiht würde, daß sie zwar im Be-siz ihres Landes bleiben, aber aus dem Ertrage desselbenjährlich tausend Talente bis zur völligen Entschädigungdes Tempels bezahlen, daß ihre Städte zerstört, undsie künftig in Dörfern wohnen sollten, die nicht mehrdenn sechzig, vier Ackerlängen von einander entfernteHäuser enthalten durften, und endlich daß die Korinther,die den Phociern kürzlich Truppen zu Hülfe gesandt hatten,des Vorsitzes bei den pythischen Spielen beraubt, unddieses Vorrecht, nebst der Oberaufsicht über den Tempel,und der Stimme der Phocier im Rathe der Amphiktyo-nen auf den König von Macedonien übertragen wer-den ſollten.Dieses durch drei Staaten Griechenlands mit Aus-schluß aller übrigen Glieder des Rathes der Amphiktyo-nen ergangene Urtheil war zwar seiner Natur nach nich-tig, allein Philipp, der kein Mittel scheute, das zurErreichung seines Zweckes diente, hatte durch Beste-chung oder Machtspruch diesen grausamen Spruch ver-anlaßt, und den Auftrag zur Vollziehung erhalten.Die Phocier, die im Vertrauen auf des MacedoniersZusage dem Ausspruch der Amphictyonen Folge zu lei-sten gelobt hatten, geriethen über dieses unmenschlicheUrtheil in einen Zustand von Betäubung, der sie jedesWiderstandes unfähig machte. Binnen zwei und zwan-zig Tagen vollzog Philipp das Urtheil mit einer bei-spiellos kalten Grausamkeit. Alle Städte in Phocis,alle Denkmäler dieses tapfern Volkes wurden von Grundaus zerstört, die Bewohner des Landes, größtentheilsabge⸗