75Vierter Abschnitt.im Busen; er selbst ordnete eine Gesandtschaft nachAthen ab, schläferte die Machthaber dieser Republikdurch den Vorwand eines feierlichen Abschlusses ein,gewann jene, die seinen Absichten hinderlich seyn konn-ten, durch Bestechung, und aufgefordert von den The-bern, die ihm sogar den Oberbefehl über ihr Heer,das noch immer gegen die Phocier kämpfte, übertru-gen, bemächtigte er sich der Engen von Thermopylae,im Gebiete von Phocis.Die Phocier hatten zwar eine Verstärkung ausSparta erhalten, die aus tausend schwerbewaffnetenund von ihrem König Archidamus selbst angeführtenKriegern bestand, allein sie besorgten den Frieden densie so dringend wünschten, nur auf ungünstige Beding-nisse schließen zu können, wenn sie diese Hülfe benuz-ten, und lehnten daher den Beistand Sparta's ab;auch unter den Phociern hatte Philipp seine Kund-schafter, durch diese unterhandelte er mit Phaleucus,der mit achttausend Söldnern Nicaea besezt hielt, eineStadt, ohne deren Besiz die Thermopylen nicht behaup-tet werden konnten. Phaleucus erhielt freien Abzugnach dem Peloponnes; aber jezt war Phocis der Will-kühr Philipps preis gegeben, denn er besezte sogleichNicaea, und war Herr der Thermopylen. Durch trü-gerische Vorspieglungen war die Hülfe von Spartaabgelehnt, und die Athener beruhigt, Theben und Lo-cris hatten ihre Streitkräfte mit Philipps Heer verei-nigt, und die betrogenen Phocier erwarteten ängstlichdie Verfügung des Rathes der Amphictyonen. DieserRath, eine der ältesten und wohlthätigsten Einrichtun-gen des griechischen Staatenbundes, war jezt so ganzabhängig von den Befehlen des Königs, daß seineschüchternen oder bestochenen Mitglieder, die jezt blosaus Thebern, Locriern und Thessaliern bestanden, un-eingedenk des Urvertrages, nach welchem keine demBun⸗
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