Geschichte der Griechen,74machte einen tiefen Eindruk auf ganz Griechenland.Philipp war jezt Herr von Chalcis geworden, derthrazische Chersones und die nördliche Küste des ägäi-schen Meeres waren erobert; er hatte den Streitzweier thrazischen Fürsten dadurch geendigt, daß er ihrGebiet seinen Staaten einverleibte. Er beschloß nun,sich des Hellesponts und der Engen von Thermopylaezu bemächtigen; dieser Engpaß war der Schlüssel vonGriechenland, und der Hellespont war die Strasse,durch welche Athen und ein großer Theil der griechi-schen Staaten aus den fruchtbaren Ufern des eurini-schen Meeres ihre Lebensmittel bezogen. Er hatte ei-ne beträchtliche Flotte ausgerüstet, und Chares, derBefehlshaber der Athener zur See, war zu sehr aufRaub bedacht, als daß er sich der Flotte Philippsentgegengestellt hätte. Daher wurden nicht nur diethrazischen Besitzungen der Athener, sondern auch dieInſeln Lemnos und Imbros eine leichte Beute derMacedonier. Auch die Insel Euboea, welche die atti-sche Küste umgiebt, und die Philipp die HandfesselGriechenlands nannte, ward durch Verständniß mitden Einwohnern von den Macedoniern besezt.Unter diesen Umständen hatten die Athener keinensehnlichern Wunsch, als Frieden mit Philipp zu schlie-ßen; sie schikten den Phrynon und Ctesiphon ab, umdie Gesinnungen des Königs zu erforschen. Als diesenach Athen zurükgekehrt waren, berichteten sie, Phi-lipp sey geneigt zum Frieden, und habe die freund-schaftlichsten Gesinnungen für die Republik geäussert.Nun beschlossen die Athener eine förmliche Gesandt-schaft an den König zu senden; Aeschines und Demost-henes waren unter den Abgeordneten. Aber Philippwußte diese Gesandten durch allerlei Vorwände hinzu-halten, denn er trug wie ein Abentheurer unserer Zei-ten immer den Frieden im Munde, und den Krieg
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