Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
70
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Geschichte der Griechen,70gleich unbescholtenem Charakter, Isocrates und Pho-cion. Auch sie hatten des Macedoniers Absichten nichtunbeachtet gelassen, aber sie fühlten, daß der Geist,der einst die Athener unter Miltiades, Themistoclesund Cimon beseelt hatte, jezt von diesem Volke gewi-chen war. Sie unterstüzten zwar den Enthusiasmus,den Demosthenes erregte, aber sie waren überzeugt,daß der seine Entwürfe rastlos verfolgende Philippüber die Unbeständigkeit der Athener siegen würde, undermahnten daher ihre Landsleute, die Freundschaft die-ses Fürsten zu suchen und zu behaupten. Phocion, einFeldherr, dessen Fähigkeiten allein in dem gegenwärti-gen Zeitpunkte die Republik retten konnten, sah inder Vorliebe seiner Landsleute zu dem prahlenden Cha-res die Unmöglichkeit eines günstigen Erfolges, aberobschon er immer siegreich gegen Philipp kämpfte, wennihm sein Vaterland den Heerbefehl anvertraute, riether dennoch stets zum Frieden. Demosthenes, Isocra-tes und Phocion waren vielleicht die einzigen unter denMachthabern Athens, die unzugänglich dem Golde Phi-lipps, in der allgemeinen Verdorbenheit ihrer Mitbür-ger die alte Tugend ihrer Vorfahren bewahrt hatten;aber der Kampf dieser wenigen gegen die von dem Fein-de des Vaterlandes erkaufte Menge war zu ungleich,und wenn auch ihre anerkannte Redlichkeit das Volk öf-ters bestimmte, ihre Vorschläge zu genehmigen, so wur-den doch durch die bestochenen Miethlinge des listigenMacedoniers die gegen seine Eroberungssucht ergriffe-nen Maasregeln in der Ausführung gehindert oder ver-eitelt. Besonders wußten diese Elenden falsche, grund-lose Besorgnisse gegen Artaxerxes Ochus, der damalsin Persien herrschte, zu erregen, während Philipp, dersich jezt von Griechenland ausgeschlossen sah, die Be-sitzungen der Athener in Thrazien, und besonders denStaatenbund von Olynth, den er unter dem Scheineachbarlicher Feindschaft bis jezt geblendet hatte, mitoffener