Druckschrift 
2 (1821)
Entstehung
Seite
69
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69Vierter Abschnitt.Die Beredsamkeit dieses Mannes war ernsthaftund strenge, wie sein Charakter, männlich und erha-ben, kühn, ungestüm und hinreissend, reich an Blu-men und an Fragen, die, verbunden mit dem erschüt-ternden Gebehrdenspiel, mit dem er die Götter, dieElemente, und die abgeschiedenen Geister der Heldenvon Salamis und Marathon hervorrief, den Zuhö-rern jene Begeisterung mittheilte, von der er selbstergriffen war. Niemand wußte die Neigungen des Vol-kes so richtig zu erforschen, und nach seinem Wunschezu lenken; oft schien es, als verlange er gerade dasGegentheil von dem, was er vorschlug. Aber hauptsäch-lich war Heftigkeit im Ausdruk die auszeichnende Eigen-schaft seiner Reden, und dies war eine dringende For-derung seines Zeitalters, denn das Volk war so kühn undgebieterisch, so zänkisch und partheisüchtig, und so eifer-süchtig auf seine Gewalt geworden, und zugleich so tiefin Ueppigkeit und Trägheit versunken, daß ohne dieHeftigkeit und die erschütternde Kraft des Demostheneses unmöglich gewesen wäre, dasselbe zum Gefühl dergemeinschaftlichen Gefahr zu wecken und zu vereinigen.Doch dieser große Redner selbst würde kaum fähig ge-wesen seyn, dieses fast nur für den Genuß, und nichtmehr für den Verdienst des Lebens empfängliche Volkaus seiner verderblichen Gleichgültigkeit und dem Ab-scheu vor jeder Anstrengung zu wecken, wenn nicht die-ses Volk die beste Meinung von der Rechtschaffenheitdes Demosthenes gehabt hätte. Diese Meinung gabAllem, was er vortrug, Gewicht und Leben. DieAthener waren überzeugt, daß der Redner nur dasallgemeine Wohl im Auge habe, und es war bekannt,daß Philipps Gold, mit dem er seine Anschläge ge-wöhnlich durchsezte, an der Rechtschaffenheit des De-mosthenes gescheitert war.Damals lebten in Athen noch zwei Männer vongleich