Geschichte der Griechen,63alt war. Ungetreue und pflichtvergessene Vormünderraubten einen beträchtlichen Theil seines väterlichen Erb-gutes. Als er die Jünglingsjahre erreicht hatte, wardseine Seele durch den Beifall entflammt, den ein Red-ner erhielt, der die Rechte Athens auf die Stadt Oro-pus vertheidigte. Demosthenes, obschon ein schwächli-cher Körper und ein Fehler in dem Sprachorgan sei-nen Vorsaz zu vereiteln schienen, beschloß sich zumRedner zu bilden. Er besuchte die Schule des Isaeus,dessen kraftvoller Styl und feuriger Vortrag sich mehrfür den Volksredner eignete, als die sanfte Beredsam-keit des Isocrates; der Jüngling überzeugte sich baldvon der Nothwendigkeit einer angenehmen und fehler-freien Aussprache, und durch unermüdlichen Fleiß ge-lang es ihm, sein mangelhaftes Sprachorgan so zuverbessern, daß sein Vortrag vernehmlich und wohltö-nend ward. Ein Versuch, den er jezt öffentlich mach-te, indem er seinen Vormund zur Rechenschaft zog,glükte, vielleicht blos durch die Gerechtigkeit seinerSache, doch bestand er nicht bei einer Probe, die erin öffentlicher Versammlung ablegte. Hierdurch warder zwar nicht muthlos, aber er war doch sehr beschämt.Der Schauspieler Satyrus bemerkte dieses, und suchteihn dadurch zu ermuntern, daß er selbst ihm Unter-richt im Vortrag gab. Einige Verse aus dem Euri-pides, die Demosthenes auf das Geheis des Satyrushersagte, wurden von diesem Schauspieler wiederholt,und hierdurch sah der junge Redner seine Fehler ein;er übte sich nun nach der Anweisung seines Lehrersso lange, bis er jede Unvollkommenheit besiegt, undganz Meister des Vortrags geworden war. Bald ver-breitete sich der Ruhm dieses Redners durch ganzGriechenland, und weder Athen noch Rom brachteneinen Redner hervor, der den Demosthenes in derBeredsamkeit übertroffen hätte, selbst Cicero, der ersteunter den römischen Rednern, war nicht größer alsDemoſthenes.
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