Hierter Abschnitt.65Apollo zu behaupten. Er vertilgte nun die ehernenTafeln, auf welche die gegen Phocis und Sparta ge-fällten Urtheile der Amphictyonen eingegraben waren;und um seinem Beginnen einen Anschein des Rechteszu geben, befragte er eben das Orakel, das jezt vonseinen Befehlen abhieng. Die Priesterin weigerte sichzwar, den heiligen Dreifuß zu besteigen, aber als sievon Philomelus hiezu gezwungen ward, antwortetesie: der Bezwinger von Delphi könne nach seinerWillkühr schalten. Diese Worte genügten ihm und ertrug Sorge, sie als eine günstige Antwort zu ver-breiten.Die Versammlung der Amphictyonen erklärte nunden Phociern den Krieg, der zwei Jahre mit wech-selndem Glücke geführt wurde. Theben, Locris undeinige Städte Thessaliens kämpften für den Ausspruchder Amphiktyonen, während die Phocier den Tempelund die Stadt Delphi befestigt, und nebst Athen undSparta mehrere Städte des Peloponnes mit ihrerSache verbunden hatten. Philomelus fieng jezt an,aus den goldenen und silbernen Weihgeschenken, mitdenen frommer Aberglaube den Tempel bereichert hat-te, Münzen zu schlagen; er erhöhte den Lohn seinerSöldner, die ihm nun von allen Seiten zahlreich zu-strömten. Es wurden mehrere kleinere Gefechte gelie-fert, und mit einer die Religionskriege gewöhnlich be-gleitenden Grausamkeit wurden die gefangenen Phocierals Kirchenräuber, und die gefangenen Böotier nachdem Rechts der Vergeltung hingerichtet. Endlich wardPhilomelus in einem blutigen Treffen geschlagen; erwurde durch die Ueberlegenheit der Feinde in Felsen-schluchten getrieben, aus denen er nicht entkommenkonnte. Nach langer, tapferer Vertheidigung entzoger sich den Martern, die ihm drohten, durch freiwilli-gen Tod, und stürzte sich über die Felsen hinab. (J.v. C. 555.)2 Band.Ond-
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