Vierter Abschnit.59sten Grad der Macht versprochen, und Philipp warder einzige lebende, erwachsene Fürst dieses Stammes.Er rechtfertigte das Vertrauen seines Volkes; die Illy-rier, die furchtbarsten seiner Feinde, verließen Macé-donien, um zu Hause ihren Raub zu genießen; diePaeonier und Thracier bewog er durch Geschenke zumRükzug, und verwendete hiezu klüglich die Schätze,die Perdiccas hinterlassen hatte. Indessen übte ersein Heer, das er aus den Besatzungen der Festungenzusammen gezogen; seine Thätigkeit und seine einneh-mende Bildung gewannen ihm bald das Vertrauenseines Heeres, und nun zog er dem Argäus entgegen,der unterstüzt von dreitausend Athenern sich vor Edes-sa, der Hauptstadt Macedoniens, gelagert hatte. Ar-gaeus blieb in dem Treffen, ein großer Theil seinesHeeres ward niedergehauen, und der Ueberrest gefan-gen. Philipp sonderte sogleich die Gefangenen; dieMacedonier, die der Fahne des Argäus gefolgt waren,und die er nun als seine Unterthanen ansah, ließ erden Eid der Treue schwören, und die Athener entließer ohne Lösegeld. Diese in den damaligen Zeiten un-gewoͤhnliche Behandlung der Gefangenen, die kein an-deres Loos erwarteten, als die Sklaverei, erfüllte dieAthener mit dankbarer Bewunderung. Eine Gesandt-schaft, die Philipp nach Athen schikte, um einen Frie-den mit dieser Republik abzuschließen, ward ehrenvollaufgenommen, ein alter mit Amyntas bestandener Ver-trag ward erneuert, in welchem Philipp der Oberherr-schaft über die Stadt Amphipolis entsagte, und der-selben eine freie Verfassung zusicherte. Dieser Ver-trag blendete das athenische Volk so, daß es dieherrschsüchtigen Unternehmungen Philipps einige Jahrehindurch gar nicht zu bemerken schien, und statt denEroberungen des macedonischen Königs Einhalt zuthun, sich zu dem schimpflichen Krieg gegen die Bun-desgenossen verleiten ließ, dessen Ausgang wir in demvorigen Abschnitt erzählt haben.
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