56Geschichte der Griechen,minderjährig, und Ptolomäus, ein natürlicher Sohndes Amyntas, strebte offenbar nach dem Throne. Auchdieser Anmasser ward durch die Theber unter der An-führung des Pelopidas besiegt, und um die Ruhe Ma-cedoniens zu befestigen, hob der thebische Heerführerdreisig macedonische Jünglinge als Geisseln aus, undsandte sie nach Theben. Unter diesen Jünglingen be-fand sich auch Philipp, der Bruder des Königs, dervon nun an in dem Hause des Epaminondas erzogenwurde, und von diesem großen Feldherrn seine ersteBildung erhielt.Philipp verlebte beinahe zehn Jahre zu Theben,und war jezt drei und zwanzig Jahre alt, als er aufdie Nachricht von dem Tode seines Bruders PerdiccasTheben heimlich verließ, und nach Macedonien zurük-kehrte. Perdiccas war in einer Schlacht gegen dieIllyrier mit einem Verluste von viertausend Mann ge-schlagen worden. Er selbst fiel verwundet in die Hän-de seiner Feinde, und starb nach wenig Tagen an sei-nen Wunden. Die Lage Macedoniens war äusserstbedenklich. Die Illyrier waren im Begriffe abermalin Macedonien einzubrechen; die Paeonier, ein benach-barter kriegerischer Stamm, vewüsteten unter dem Vor-wande, alte Beleidigungen zu rächen, die nördlicheGränze Macedoniens; zwei Thronbewerber, Pausanias,von den Thraziern, und Argaeus, von den Athenernunterstüzt, waren im Begriff, Macedoniens Thron ansich zu reissen. Noch schwieriger ward die Lage diesesKönigreichs dadurch, daß Perdiccas einen Sohn hin-terlassen hatte, der sich in den ersten Jahren derKindheit befand. Philipp war anfänglich Vormunddieses Prinzen, aber bald berief ihn das Volk we-gen der von allen Seiten dem Reiche drohenden Gefah-ren zum Throne. Ein Orakel hatte überdieß den Ma-cedoniern unter einem von Amyntas Söhnen den höch-sten
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