Dritter Abschnitt.53schen Kolonien der Griechen boten unerschöpfliche Quel-len des Reichthums dar; es konnte kein Staat vonGriechenland gegen Athen auftreten, und ihm dieHerrschaft über diese Kolonien streitig machen, wenndie Oberherrschaft zur See durch eine mächtige Flottegesichert war. Noch einmal bereicherte der Tribut vie-ler Städte auf den Küsten von Thrazien und Klein-aßen die Athener; eine Flotte von dreihundert Kriegs-schiffen schüzte den Handel, und die Talente der Heer-führer Chabrias, Timotheus und Iphicrates schienenden alten Glanz wieder herzustellen; aber der Wohl-stand, den die wieder erworbene ungestörte Herrschaftzur See über diese Stadt verbreitete, war wie zu derZeit des peloponnesischen Krieges die Quelle von Aus-schweifungen und Lastern, die in diesem Volke jedenSinn für die edleren Beschäftigungen der Bürger er-stikten. Jeder Tag führte ihnen den Tribut entfernterStädte und alles zu, was die Prachtliebe und Ueppig-keit des Morgenlandes für den Genuß des Lebens er-sann, indessen Armuth, die gewöhnliche Begleiterin desMüssigganges und der Verschwendung, das Loos desgrößten Theils der Bewohner blieb. Abgestumpft fürdie Geschäfte des Staates, dessen Regierung fortwäh-rend in den Händen des Volkes war, überließen siesich sorglos der Leitung tollkühner Demagogen, undes schien, als wenn alles, was nicht den Genuß desLebens, die Ueppigkeit und die öffentlichen Belustigun-gen betraf, keinen Eindruk mehr auf dieses sittenloseund verdorbene Volk machen könne. Sie beschäftig-ten sich vorzüglich mit den Schauspielen, die mit grän-zenloser Verschwendung und einer Pracht aufgeführtwurden, wovon uns die Ueberbleibsel der griechischenSchaubühne zu Athen und die Zeugniſſe der Schrift-steller nur eine unvollkommene Idee geben. DieseSpiele, die oft vom Morgen bis zum Abend dauerten,verschlangen nicht nur den Schaz des Staates, der zudem
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