200chelei haben die Grundvesten der Societät erschüttert, und Nie-mand glaubt vorsichtig genug sein zu können. Wir möchtenz. B. in dieser Schrift, wenn auch nicht eine Apotheose (dasist ein dummes heidnisches Wort), doch das glühendste LobLessing's aussprechen, allein wir fürchten dadurch dem Künstlerwenig zu nutzen (schaden kann ihm Niemand). Das Interessefrißt wie Fäulniß immer weiter, und aufrichtigen Enthusiasmushält man für unmöglich und ist bemüht, ihn aus gemeinenBeweggründen herzuleiten. Wollten wir nun z. B. von Lessingsagen, daß bei ihm, wie bei Shakspeare oder Homer, diereinste Natürlichkeit und Liebe zur Natur mit dem höchst po-tencirten Scharfsinn sich vereinigt, und in seinen Werken,wie in denen jener Dichter, Natur und Kunst den innigstenBund geschlossen, — wollten wir — nicht noch weiter gehen,nein — aber so kühn sein, unsere subjective Meinung auszu-sprechen, daß Lessing der größte Maler der Gegenwart ist, weilkein anderer das innere Leben und Streben der Gegenwarttreuer aufgefaßt, — so würde dies für Kenner und Verehrerdes Künstlers nichts Neues enthalten, den etwaigen Gegnernaber, die andere Götter anbeten, Veranlassung zu hämischenBemerkungen geben, sei es auch nur, weil es diese blasirtenSteinherzen für albern und beschränkt halten, seine Liebe öffent-lich zu bekennen. Kaum werden sie uns die rhetorischen Win-kelzüge verzeihen, obwohl wir bedauern, von ihnen Gebrauchmachen zu müssen.Demungeachtet werden sie es als seltene Erscheinung an-erkennen, daß dem Genius Lessing's auch in der Landschaft,wie in der Historie, der erste Preis zuertheilt wird. Manwürde es vor einigen Jahrzehnten unglaublich gefunden haben,ein und dasselbe Individuum in so verschiedenen Kunstzweigen
Druckschrift
Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Seite
200
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten