Druckschrift 
Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Entstehung
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

133Ernst Deger ist nach Rom gesandt worden, um Material zuder heiligen Sprache für die himmelfahrenden Leute zu holen,und wenn er zurückkehrt, soll er die Kirchenväter und Apostelauf Goldgrund malen, und die fromme Legende vom heiligenAppollinaris, und vielleicht auch den geschundenen Bartholo-mäus und den gerösteten Laurentius. W. Schadow, derDirector, beauftragt mit der Wahl der Maler für die erwähnteCapelle, hat nämlich E. Deger zum Haupt erklärt.35. Im vorigen Jahre malte der geniale Steinbrück einchristliches Bild, das einerseits durch gelungenes Helldunkel,warme Färbung und scharfe Charakteristik im Einzelnen gefiel,anderseits jedoch durch auffallende Altdeutschthümeleien in dersymmetrischen Architektur, des asketischen Ausdruckes in denGesichtern und der ganzen Behandlungsweise die Liebhaber dermodernen Kunst widerwärtig abstieß. Es stellt eineheiligeNacht vor, in welcher die Anbetung der Hirten und derheiligen drei Könige zugleich vorkommt. Genau in der Mittedes Bildes sieht man Maria in ihrer Hütte vor dem Kindekniend, von welchem, wie in der alten Legende und derberühmten dresdner Nacht des Correggio, das Licht ausstrahlt.Wie hier der volle Lichtschein auf einer Seite ein Mädchenauf der andern einen Jüngling, dem ein alter Hirt zum Con-traste beigegeben ist, trifft, läßt Steinbrück einen von den dreiüber der Gruppe schwebenden Engeln, geblendet von dem Glanze,seine Augen mit der Hand bedecken. Rechts nahen die Königeaus dem Morgenlande, und der Mohrenkönig tritt mit seinemWeihrauchduft heran, und bildet einen romantischen contrast mitdem schlichten Hirten, welcher auf der linken Seite ein Lamm