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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Entstehung
Seite
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65um das glühendste Liebeleben darzustellen. Das Gemälde stelltdie Abschiedsscene nach einer durchschwelgten Liebesnacht vor,und der Maler wußte mit überraschender Naturtreue die seligeVergangenheit durch die trübe Gegenwart des Scheidens durch-blicken zu lassen. Julie ist von dem Arme Romeo's, der be-reits über das Geländer gestiegen ist, umschlungen, und hatihren blendenden runden Arm um seinen Hals gelegt. IhrKnie ruht auf einem Fußschemmel, und das unendlich lieblicheAntlitz, in welchem ungestillte Sehnsucht und süße Erinnerungdes genossenen Liebesrausches ausgedrückt sind, ist etwas zurück-gebogen, wodurch der wallende Busen in eine bemerkbarereLage geräth. Romeo's Auge ist trübe, und mit tiefer Rührungfühlt er die Schmerzen des Abschiedes, und scheint das blutige,schwarze Schicksal, das ihn erwartet, zu ahnen. — Colorit undVerkürzungen des Bildes sind vortrefflich, und die Beleuchtungvermittelst Morgenlicht und Lampenschimmer wenigstens über-raſchend.13 E. Steinbrück gehört zu den reich begabten, aberweichen Naturen mit den schönsten Ansichten und Vorsätzen,aber Ueberschätzung der materiellen Kraft. Aus Mangel anEnergie und Consequenz bildet sich bei ihnen ein vager Eklekti-cismus, und die Wahl ihrer Motive wird nicht von einer ge-läuterten Intuition, sondern vom Zufalle geleitet. Das Sen-timentale und Schwärmerisch=Gemüthliche zieht Steinbrück vorAllem an, und der Trieb, die mystischen und zarten Fäden derromantischen Märchenwelt auf der Leinwand zu fesseln, verfüh-ren ihn zur Grenzüberschreitung seiner Kunst. Ohne Beute undvoll Irrthümer muß er aus dem Reiche des Phantastischen und