60ohne Spuren des Schreckens und Mitleidens. Matt und ver-wirrt ist der Blick dieses Mörders, und seine Hände klammernsich krampfhaft in das Mordwerkzeug, ein Kissen zum Ersticken.Mit weniger unbeugsamer Rohheit und deutlichem Mitleiden inden Zügen ist der zweite Mörder im Hintergrunde gezeichnet.Mit einer Hand faßt er nach dem Griffe des Schwertes, mitder andern schiebt er den Bettvorhang zur Seite. Die ent-schiedensten Gegensätze von Licht und Schatten, und die kühn-sten Uebergänge üben eine magische Wirkung auf den Zuschaueraus. Ueberhaupt ist Conception und technische Ausführung die-ses herrlichen Bildes von höchster Vollendung, und der stau-nenswertheste Fleiß von der ersten Anlage bis zur letzten La-sur unverkennbar.12. In den Ausstellungen der düsseldorfer Akademie istdas weibliche Nackte eine verbotene oder nicht vorräthige Waare,gleichsam als wenn die Zuschauer aus Nonnen oder Pietistenbeständen. Die armen Künstler bedürfen eigentlich gar keinerlebenden Mädchenmodelle, und ihre anatomischen Lehrcursekönnen füglich Darstellungen des weiblichen Körpers ausschlie-ßen. Nur Herr Sohn macht in dieser Hinsicht eine herrlicheAusnahme, und das ist brav von ihm. — Karl Sohn istSensualist, und hat von der Aesthetik des Fleisches eben sogeläuterte Begriffe, wie Lessing und Bendemann von der desHerzens und Geistes. Sein Schmelz der Carnation und le-bensfrische Sinnlichkeit sind anerkannt, und dies um so mehr,da er, wie gesagt, einsam in der Darstellung reizender Scenensteht. Unsre Zeit ist theoretisch äußerst sittlich geworden, sieliebt weder schlüpfrige Bilder, noch Beschreibungen, oder will
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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