59mal, wenn sie das allverbreitete Mitgefühl für die Blüthen derMenschheit, die Kinder, anregten, durften sie auf Erfolg rech-nen. Homer, Virgil und vor Allen Shakspeare schlugen dieseSaiten der Menschlichkeit oft genug an, und die betreffendenStellen sind hinreißend und tief ergreifend. Auch die bildendenKünstler erkannten diese Wirkung, und mißbrauchten sie beinahe.Man erinnere sich an die tausendmalige Wiederholung des Christ-kindes. — Hildebrandt folgt in seiner Darstellung dem sicher-sten Führer: er bildet eine Shakspeare'sche Scene nach: dieSchilderung von der Ermordung der englischen KönigskinderEduard und Richard. Ziemlich getreu folgt er der Beschreibungdes Dichters, in der sich folgende Stelle auszeichnet:„Das zarte Paar lag, sich einander gürtendMit den unschuldigen Alabasterarmen;Vier Rosen eines Stengels ihre Lippen,Die sich in ihrer Sommerschönheit küßten u. s. f.(Shaksp. Richard III. Act 4. Sc. 3.)In dem Bilde ruht der zwölfjährige Eduard auf der lin-ken Wange, und das lieblich unschuldige Antlitz des kleinenRichard drückt sich nahe an sein Gesicht. Eduard's Züge ver-rathen schon das störende Hineinragen des verneinenden Fatumsin den stillen Frieden der Kindheit; die Spinne unglücklicherAhnung hat ihr dunkles Netz schon über sein Auge gezogen.Der jüngere Richard schlummert dagegen mit dem seligen Ge-fühle der Bewußtlosigkeit, es ist die junge Blume im träume-rischen Erwachen. Gelang dem Maler die Andeutung diesercharakteristischen Antithesen in den kindlichen Zügen vortrefflich,so ist dies nicht weniger in Bezug auf die beiden Mördergestal-ten der Fall. An der Seite des Lagers lauert ein wildes,faltenreiches Gesicht mit deutlichen Kennzeichen der Verworfen-heit und Gewohnheit des Mordens, aber dennoch nicht ganz
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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