Druckschrift 
Kriegsschauplatz an der Erft und Roer im Sommer 1758 : nebst einer Uebersichtskarte
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23um leihweise Verabfolgung der gewünschten Zahl Geschütze nebstdazu gehöriger Munition aus dem städtischen Zeughause angehen.Als der Rath dieses Ansuchen ganz kurz ablehnte, zur größtenVerwunderung der Franzosen über diese unerhörte Dreistigkeit,ließ der Commandant, Marquis von Torcy, das Zeughaus ohneweiteres mit Gewalt öffnen und die verlangte Zahl Geschützeherausnehmen, trotz aller Proteste des Rathes und der Berufungauf Reichsfreiheit und Neutralität. Dies war die Art, wie dieFranzosen ihre dem Einrücken in Deutschland vorausgeschicktepomphafte Proclamation bethätigten, daß sie nämlich die Gränzeüberschritten,um die deutsche Freiheit auf Grund deswestphälischen Friedens gegen die Eingriffe jederMacht, sie sei welche sie wolle, gänzlich sicher zustellen.Den 13. Juli setzte sich endlich Contades in Bewegung.Das Heer marschirte aus dem Lager von Cöln nach Bedburg ander Erft. In Versailles war zu dieser Zeit zwar noch nichtsanderes von ihm erwartet worden, als daß er die Festung Jülichdecke und nöthigenfalls dazu eine Schlacht liefere, bis zu demAugenblicke, wo der Herzog Ferdinand durch die Bewegungender Armee von Soubise sich zum Antreten des Rückzuges überden Rhein veranlaßt sehen werde. Deshalb wurde Contadesvom Hofe mit Lobsprüchen überhäuft, und der Jubel über diesesVorgehen, die erste Offensiv=Bewegung des Heeres seit langerZeit, erschallte durch ganz Frankreich.In seinem Hauptquartier zu Grevenbroich erhielt HerzogFerdinand erst gegen Abend die Nachricht von diesem Marsche.Sofort fertigte er den Befehl aus an die jetzt an der JülicherStraße in der Gegend von Jackerath und Titz stehende Avantgarde unter dem Erbprinzen und dem Prinzen von Holstein:augenblicklich aufzubrechen, durch einen Gewaltmarsch nach derErft zu gehen, diese zu überschreiten und die der Stadt Castergegenüber auf dem rechten Ufer liegenden Höhen zu besetzen, eheder Feind dieselben erreichen könne. Dann wurde das Lager beiElsen abgebrochen und noch in der Nacht vom 13. zum 14. Julipassirte das Heer bei Grevenbroich die Erft um auf dem rechtenUfer Stellung zu nehmen. Der Einsturz der Hauptbrücke ver-zögerte den Uebergang sehr; die schwere Artillerie konnte erst amanderen Tage übergehen, nachdem die Brücke wiederhergestellt war.