H. M. Kriegsschauplatz a. d. Erft u. Roer ULB Düsseldorf 1 1 44114 061 02 ⛪ R Kriegsschauplatz an ⸗Mⴱ Roer im Sommer 1758. Nebst einer Uebersichtskarte. — Der Ertrag ist zum Besten der Veteranen aus den Befreiungskriegen bestimmt. Düsseldorf, Hofbuchdruckerei von Hermann Voß 1861. ) G ⛪ ③ Kriegsschauplatz an der rft und Roer im Sommer 1758. Nebst einer Uebersichtskarte. # Vorbei Ernst v. Schaumburg Der Ertrag ist zum Besten der Veteranen aus den Befreiungskriegen bestimmt. N Düsseldorf, Hofbuchdruckerei von H. Voß. 1861. Gisterf. 2. 2 Museum der Stadt Löffelvorf. H. M. II. 41 4 . 4061+2 Der fruchtbare und reich gesegnete Landstrich zwischen Maas und Rhein, da wo uordwestlich zur Maas die Roer, nordöstlich zum Rhein die Erft ihre klaren Wellen treiben und wo die Niers dem saftigen Wiesenboden entquillt, ist heute der Schauplatz kriegerischer Uebungen des rheinischen und des westphälischen Armee=Corps. Aber wo heute in friedlicher Uebung beide Corps gegen einander operiren, um unter den Augen ihres erhabenen und ritterlichen Königs ein Bild des Krieges darzustellen, da sehen wir vor mehr als hundert Jahren verbündete deutsche Kriegsschaaren sich bewegen um mit dem alten westlichen Erbfeinde sich zu messen in ernstem Kampfe. Es waren Theile des verbündeten Heeres, welches aus Hannoveranern, Braunschweigern, Hessen, Bückeburgern und Sachsen=Gothaern bestehend, wozu später noch englische Regimenter kamen — unter Führung des preußischen Generals Herzog Ferdinand von Braunschweig, in englischem Solde die einzige Bundesgenossenschaft und Hülfe Friedrich's des Großen bildete in dem siebenjährigen Kampfe, den Preußens größter König gegen das halbe Europa in Waffen so glorreich durchgefochten hat. Nur 5 Husaren=Escadrons und 10 Schwadronen Dragoner vertraten dabei das eigentliche preußische Heer; aber sie haben nicht wenig beigetragen zu den vielfachen Erfolgen, welche errungen wurden, und haben den preußischen Kriegsruhm ebenso sehr bethätigt, wie ihre auf anderen Theilen des ausgedehnten Kriegsschauplatzes kämpfenden Cameraden. Es dürfte nun wohl nicht am unrechten Orte sein, dem geehrten Leser denjenigen Akt dieses großen siebenjährigen Kampfes in's Gedächtniß zu rufen, welcher auf dem Terrain der diesjährigen Herbstübungen der beiden obengenannten Armeecorps sich abspielte. Wir hoffen dadurch nicht nur dem Theilnehmer an diesem großen militairischen Schauspiel eine willkommene Gelegenheit zu bieten, sich an Ort und Stelle ein lebhaftes Bild jener vor mehr als hundert Jahren dort stattgehabten kriegerischen Ereignisse zu machen, sondern auch bei dem nichtmilitairischen Zuschauer einiges Interesse anzuregen sowohl für den damaligen ernsten Kampf als für die heutigen friedlichen Manoever. Unternehmen wir es also in wenigen, scharf scizzirten Zügen die damaligen Operationen der Verbündeten gegen die Franzosen in ihren Ursachen und Folgen zu schildern, indem wir der Hoffnung Raum geben, daß den verdienten Veteranen aus den Befreiungskriegen 18 13/15, für welche der Ertrag der nachstehenden kriegsgeschichtlichen Studie bestimmt ist, dadurch ein namhaftes Benefiz zugewendet werden könne. S I. Die Schlacht bei Crefeld war geschlagen. Mit 35 Bataillonen und 55 Schwadronen, deren Stärke sich auf etwa 30000 Mann berechnet, von denen jedoch nur 16 Bataillone und vielleicht 12 Schwadronen wirklich zum Schlagen gekommen waren, hatte Herzog Ferdinand von Braunschweig das auf der Haide bei Fischeln hinter der Landwehr aufgestellte französische Heer von 91 Bataillons und 109 Escadrons, in der Stärke von etwa 47000 Mann, durch einen kühnen Flankenmarsch und energischen Angriff zum Rückzuge genöthigt, obgleich dessen ganzer rechter Flügel — allein an Zahl den Verbündeten fast noch überlegen gar nicht im Gefecht gewesen war. „Unter keiner Bedingung werde ich mich dazu verstehen ein Seitenstück zur Schlacht von Rosbach zu liefern“ — hatte der französische Oberfeldherr schon früher an den Kriegsminister Marschall von Belle=Isle geschrieben, und um diesem Schicksal sich nicht auszusetzen überließ er den Verbündeten das Schlachtfeld. Louis von Bourbon=Condé, Graf von Clermont, war es, der jüngste Sohn aus der Ehe des Herzogs von Bourbon mit einer Tochter Ludwig's des XIV. und der Frau von Montespan. Als jüngerer Sohn (cadet) war er, nach damaligem Brauch, dem geistlichen Stande gewidmet worden und hatte, nach Empfang der Weihen durch den Cardinal von Noailles, vom Könige die Abteien Bec, St. Cloud, Marmoutier und Chalis als einträgliche Pfründen erhalten. Aber schon im Jahre 1733 vertauschte er — mit Bewilligung des Papstes das geistliche Gewand mit dem Waffenrock und hatte seit dieser Zeit fünfundzwanzig Jahre hindurch allen Feldzügen der Franzosen in Deutschland und in Flandern beigewohnt. Im Vollgenuß seiner geistlichen Pfründen war er nicht nur verblieben, sondern hatte noch die reiche Abtei von Saint=Germain=des=Près dazu erhalten, so daß er von den Soldaten spottweise nur gle général des Bénédictins genannt wurde. Diesmal an der Spitze seiner Armee hatte er noch am 24. Juni bei Tagesanbruch Neuß erreicht und ungesäumt den Rückzug nach Cöln fortgesetzt, einen Verlust von 427 Offizieren und 3540 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen zurücklassend, während die Verbündeten nur 52 Offiziere und 1567 Mann einbüßten. Erst bei Zons gönnte sich das geschlagene Heer einige Ruhe und campirte dort bis zum 25. Juni Mittags. Hierüber berichtet der Küster von Zons, Joh. Pet. Schwieren, in seinem Tagebuche: „1758, den 24. Juni, als in festo St. Joannis, ist des Morgens 7 Uhren die frantzösische Armee, so des vorigen Dags bei Creveld zerschlagen und sich bis Neuß abgewichen, in hiesige Kempfgen, Benden 2c. mit allen Equipagen eingerückt, also daß wir an diesem Dag keine hohe Meß haben können halten, und diese Völker seindt am 25. dieses, als am Sondag des Nachmittags umb 1 Uhren zwischen Dormagen, Hackenbroich und Worringen gezogen, und haben in diesen 30 Stunden hier im Felt mehr als 1000 Rthlr. überflüssigen, willmüthigen Schaden gethan, und der ganzer Schaden über 3000 Rthlr. geschätzt wird, theils wegen Abforraschiren, theils wegen willmüthigen gemachten Wegen“ 2c. Daß die leichten Truppen der Verbündeten dem zurückweichenden Feinde auf dem Fuße folgten und in Neuß reich gefüllte Magazine erbeuteten, geht aus den Berichten des Herzogs Ferdinand von Braunschweig hervor. Aber noch weiter folgten die Husaren den Abziehenden, denn auch hierüber belehrt uns der Küster, indem er in seinen Aufzeichnungen fortfährt: „Den 26. dito seind des Nachmittags 4 Uhren 6 man hannoversche (?) schwarze Husaren oder Dottenkopf genannt ohne Molestiren hier gewesen und haben hinter dem Schloß auf den Wiesen einen frantzösischen Fehndrich erdappt und mit sich genohmen.“ — Der sonst so gewissenhafte Schreiber des Tagebuchs mochte allerdings nicht wissen, daß es preußische Husaren vom Regimente von Rüesch — dem Stamm des heutigen 1. und 2. Leibhusaren=Regiments — gewesen, von denen 3 Escadrons nebst 2 Escadrons gelbe Husaren von Malachowski und die DragonerRegimenter Prinz von Holstein und von Finkenstein zu je 5 Schwadronen, diejenigen 15 Escadrons ausmachten, welche der König, unter Führung des Generals Prinzen Georg von HolsteinGottorp schon im Februar 1758 dem Herzog Ferdinand zugesendet hatte. Nördlich von Cöln, gleichsam unter den Mauern dieser alten ehrwürdigen deutschen freien Reichsstadt, rückte das französische Heer in's Lager. Der rechte Flügel lehnte sich bei dem Dorfe Niel an den Rhein, der linke Flügel erstreckte sich bis zur Straße nach Jülich, bei Müngersdorf; Graf Clermont nahm sein Haupt=Quartier in Nippes. Trotz der Proteste des Rathes von Cöln wurde die ganze Bagage mit 3000 Pferden in die Stadt gelegt, Kranke und Verwundete aber den Stiftern und Klöstern zur Pflege und Heilung zugewiesen. Ueber diesen Aufenthalt der Franzosen im Lager vor Cöln, haben uns die Gesta Trevirorum u. A. folgendes Factum aufbewahrt: „Die Armee campirte indessen in einem Distrikt von zwei Stunden um Cöln. Die lieben Früchte, sowohl zeitige als unzeitige, wurden von den Pferdten zertreten, theils fouragirt und das Gemüs in den Gärten fast ganz aufgezehrt, wobei was Närrisches sich zugetragen: bekannt ist, daß die Frantzosen gern etwas Gemüs in die Soupe haben; dahero einige frische Tabaksblätter, da sie vielleicht das Kraut nicht gekannt, in die Soupe gekocht, wodurch sie sehr krank wurden. Schon unter dem 28. Juni schickte Graf Clermont einen sehr kleinlauten Bericht über seine prekäre Lage nach Versailles, worin er die Gefahr, in welcher die Festungen Düsseldorf, Jülich und Wesel schwebten, scharf betonte. Auch soll er schon den Befehl zur Fortsetzung des Rückzuges nach Coblenz gegeben haben als er vom Hofe die gemessene Weisung erhielt, bei Cöln unterallen Verhältnissen stehen zu bleiben. Niemand war darüber mehr erfreut als der Kurfürst von Cöln, der in seiner Residenz Bonn sich sehr unheimlich zu fühlen begann, da auch schon auf dem linken Rheinufer Streifparteien der Verbündeten sich in Beuel, Heisterbach und Marienforst gezeigt und dort stark gebranntschatzt hatten. Er hatte schon Alles vorbereitet um mit seinem ganzen Hofhalt und der Garnison von Bonn nach dem Ehrenbreitstein abzuziehen, wo ihm der Kurfürst von Trier eine sichere Zuflucht angeboten. Wohl hatte Herzog Ferdinand bei Crefeld gesiegt und den Feind zum Rückzuge genöthigt, aber noch lange nicht war das Ziel erreicht, welches er sich bei dem Beginnen des Feldzuges gesteckt hatte: die Franzosen ganz und gar vom deutschen Boden zu vertreiben und den Krieg in Feindesland, in die Oesterreichischen Niederlande oder gar nach Frankreich hinüber zu spielen. Es war ihm zwar gelungen, seit Uebernahme des Oberbefehls gegen Ende November 1757, noch im Winter dieses Jahres die Franzosen, welche in Folge der Schlacht bei Hastenbeck und der schmählichen Convention von Kloster. Seven bis tief in das Herz von Deutschland eingedrungen waren, über die Aller zurückzuwerfen, und, bei Wiederaufnahme des Feldzuges im Frühjahr 1758, mit der reorganisirten verbündeten Armee in raschem Siegeslaufe den Feind über die Weser und Ems zu treiben. Auch hatte er zum Theil der Aufforderung Friedrichs des Großen entsprochen, welcher ihm in seiner pikanten und drastischen Weise unter dem 19. März 1758 aus dem Lager von Gryssow schrieb: »Je vous félicite, mon cher! de tout mon coeur de vos succès. Puissiez vous fleurdelyser tous les Francais en leur imprimant sur le c.. les marques initiales de la paix de Westfalie et les rechasser au-delà du Rhine — denn auch der Rheinübergang war schnell und glücklich in der Nacht vom 1. zum 2. Juni ausgeführt worden, und, auf keinem Punkte Stand haltend, war Clermont zurückgewichen, bis zur Catastrophe von Crefeld. Es waren somit die damaligen preußischen Westprovinzen: Minden, Ravensberg, Mark, Cleve, Moers und Geldern, mit Ausnahme der Festungen Wesel und Geldern, von dem harten Drucke befreit, welcher sowohl durch die „von der RömischenKaiserlichen Majestät in denen eroberten preußischen Landen Allerhöchst vorordnete Administration“ unter Vorsitz des K. K. Kämmerers Grafen von Pergen, als durch die habsüchtigen Beamten der französischen Intendantur schwer auf diesen Landen gelegen hatte. Dadurch war auch einem ferneren Wunsche des Königs genügt, den er in einem Schreiben an den Herzog aus dem Lager vor Olmütz vom 13. April aussprach: über den Rhein zu gehen und schleunigst das Clevische zu besetzen, „wodurch Sie schrieb Friedrich — „meine dortigen armen Unterthanen von einer Contribution von 6—7000 Rthlr. befreien werden, welche die Franzosen noch von ihnen erpressen wollen.“ — Aber es blieb noch viel zu thun übrig. Nach der Schlacht bei Crefeld campirten die Verbündeten noch drei Tage auf dem Schlachtfelde, nur, wie wir oben sahen, durch leichte Truppen dem weichenden Feinde auf den Fersen bleibend. Am 27. Juni ließ Herzog Ferdinand ein neues Lager bei Osterath beziehen. Ein weiteres Vorgehen war nicht wohl zulässig, da alle ferneren Operationen aus den vom Feinde noch besetzten festen Plätzen Wesel, Geldern, Düsseldorf, Roermonde und Jülich bedroht werden konnten Zwei dieser Plätze — die preußischen Festungen Wesel und Geldern — lagen noch im Rücken der Verbündeten. Die Besatzung von Wesel konnte zwar auf dem linken Rheinufer von dem bei Rheinberg und Moers unter dem General von Zastrow zurückgelassenen Detachement von 2 Bataillonen (1 hannoversches und 1 hessisches) und 1 Escadron beobachtet und auf dem rechten Rheinufer von dem zum Schutz der Brücke zu Rees aufgestellten Corps des General von Imhoff in der Stärke von 4 Bataillonen (1 hessisches, 2 braunschweigsche und 1 Sachsen=Gotha) und 4 Escadrons hannoverscher Dragoner nebst einer Abtheilung bückeburgischer Reiter im Schach gehalten werden, aber es war schwer zu verhindern, daß die Garnison Parteien entsendete, welche die Zufuhrlinien des verbündeten Heeres ernstlich zu beunruhigen im Stande waren. Fast noch mehr war dies der Fall in Bezug auf Geldern. Dorthin hatten sich bei dem allgemeinen Rückzuge der Franzosen eine Escadron Husaren und eine Escadron der Volontaires-Royaux geworfen, deren Patrouillen bis Straelen, Crefeld und Venlo im Rücken der Verbündeten streiften und alle Transporte unsicher machten. Vor sich und auf den Flügeln hatte Herzog Ferdinand noch die kurpfälzischen Festungen Düsseldorf und Jülich, von den Franzosen mitbesetzt, und die österreichisch=niederländische Festung Roermonde, mit französischer und österreichischer Garnison; unter den Mauern von Cöln aber lagerte das an Zahl noch bedeutend überlegene französische Heer. Ein einziger Marsch zu weit vorwärts hätte — einem mehr wachsamen und unternehmenden Feinde gegenüber — große Verlegenheiten herbeiführen können. Der Herzog glaubte daher seinen Sieg bei Crefeld am vollständigsten zu verwerthen, wenn er sich möglichst schnell zum Meister der genannten Plätze zu machen suchte. Aus Mangel eines Belagerungs=Parks und der nöthigen Ingenieure konnte gegen den wichtigsten Platz — Wesel — nichts unternommen werden, wovon nur einiger Erfolg vorauszusehen wäre. Auch war der Herzog weniger dazu geneigt, da hiermit, so wie mit einer Expedition 10 gegen Geldern, eine rückgängige Bewegung hätte verbunden werden müssen, welche er unter allen Umständen vermeiden wollte. Er wählte daher Düsseldorf, Roermonde und Jülich als nächste Operations= Objecte: Düsseldorf, um eine nähere und mehr gesicherte Verbindung mit dem rechten Rheinufer zu erhalten, welche jetzt nur mittelst der mehr als 9 Meilen rückwärts gelegenen Brücke bei Rees vorhanden war; Roermonde um dadurch festen Fuß an der Maas zu gewinnen, von wo aus Streifzüge in feindliches Gebiet gemacht werden konnten; endlich Jülich, um auf diesem Wege, dem bisherigen Operations=System getreu, durch Bedrohung der linken Flanke den Feind zum Verlassen der Stellung bei Cöln zu nöthigen. Außer diesen strategischen Erwägungen blieben aber noch wichtige politische, und diplomatische Bedenken zu erledigen. Zunächst suchte Herzog Ferdinand England zu größerer Thätigkeit zu bewegen. Der glückliche Ausgang der Crefelder Schlacht, dessen Bekanntwerden das ganze Land mit Freude erfüllte, hatte auch das Parlament geneigter gestimmt, größere Mittel zur Führung des Krieges zu bewilligen. Zu den schon früher in Aussicht gestellten 10 Escadrons englischer Reiterei — worunter Inneskillen und Gray-Horses oder Scotsh-Grays, Regimenter, deren Namen noch heute in der englischen Armee einen guten Klang haben — versprach der Leiter des Kriegsdepartements, Lord Holdernesse, noch die schleunige Einschiffung von 3 Bataillonen Infanterie und noch einem Dragoner=Regiment, welche binnen kurzer Zeit in Emden landen sollten. Der Herzog entsendete deshalb schon jetzt den Major von Honstedt vom hannoverschen Regiment Hardenberg dorthin, um den Marsch dieser Verstärkungstruppen nach dem Kriegsschauplatze zu ordnen. Die diplomatischen Verhandlungen, welche der Herzog sich eifrigst angelegen sein ließ, bezogen sich hauptsächlich darauf: die Republik der vereinigten Niederlande zum Aufgeben der bis dahin strenge beobachteten Neutralität und zur Theilnahme an dem Bündniß zwischen Preußen und England gegen Frankreich zu bestimmen. Allein so große Hoffnungen Herzog Ferdinand auf deren Gelingen gesetzt haben mochte, so blieben sie ohne Resultat. Vergebens bemühten sich die verwittwete Erbstatthalterin Anna von Oranien, die Schwester des Königs von England und vormundschaftliche Regentin für ihren Sohn, den späteren Erbstatt 11 halter Wilhelm V. sowohl als der damalige General=Capitain der Niederlande Herzog Ludwig Ernst von Braunschweig, ein Bruder des Herzogs Ferdinand, für diesen Zweck. Beide waren entschieden dem englischen und preußischen Interesse ergeben und hatten auch mehrere der einflußreichsten Mitglieder der Generalstaaten für dasselbe gewonnen; die anders gesinnte Partei zu dieser Ansicht hinüber zu ziehen vermochten sie nicht. Die Hog=Moogenden konnten sich nicht dazu entschließen den einmal eingeschlagenen Weg zu verlassen und erklärten: sich nach wie vor ganz neutral verhalten zu wollen. Früher hatte der Herzog wohl gehofft, die Kurfürsten von Cöln und von der Pfalz zur Lossagung vom französischen Bündnisse bereden zu können und deshalb Unterhandlungen angeknüpft, in der Erwartung, daß die für beide Reichsfürsten immer näher rückende Gefahr dieselben dazu geneigter machen würde. Jetzt hatte er diese Hoffnungen längst aufgegeben. Der Kurfürst von Cöln, Clemens August, zugleich Herzog von Westfalen und Bischof von Hildesheim, Osnabrück und Paderborn, war von französischem Einflusse so umstrickt und durch gelegentlich übersendete Geldsummen so darin festgehalten, daß er fast nur als willenloses Werkzeug in den Händen des französischen Gesandten Herrn von Breteuil anzusehen war. Trotz des Verlustes seiner rechtsrheinischen Länder blieb er dem französischen Bündnisse treu, und hatte nicht nur auf Maria Theresia's Aufforderung bereitwilligst sein Contingent zur Reichsarmee gestellt, sondern auch noch in einem Separat=Vertrage sich verpflichtet, gegen hohe Subsidien den Franzosen 6000 Mann kurkölnischer Truppen zu überweisen. Der Kurfürst von der Pfalz, Carl Theodor, wurde von den Höfen zu Wien und zu Versailles nicht minder mit Versprechungen und Drohungen festgehalten. Obgleich seine Herzogthümer Jülich und Berg jetzt unmittelbar dem Angriff der Verbündeten ausgesetzt waren, so betrachtete er — weit vom Kriegsschauplatze entfernt in seiner Residenz Mannheim — diese Jülich=Bergischen Lande mit geringerem Interesse. Daß unter so bewandten Umständen Herzog Ferdinand die Länder dieser beiden Reichsfürsten nicht schonte und sie gelegentlich durch Contributionen scharf mitnahm, war nur eine Repressalie für die Erpressungen, welche die Franzosen in den hannoverschen Landen des Königs von England und in den preußischen Westprovinzen 12 sich hatten zu Schulden kommen lassen. So mußten die armen Unterthanen den Schaden der undeutschen Politik ihrer Fürsten tragen Kehren wir nun zur Erzählung der ferneren Begebenheiten auf dem Kriegsschauplatze zurück, so finden wir zunächst die Expedition gegen Düsseldorf. Schon zwei Tage nach der Schlacht bei Crefeld hatte der Herzog den hannoverschen General von Wangenheim mit 4 Bataillonen und 5 Schwadronen nebst schwerer Artillerie dorthin entsendet. Den 27. Juni erschien dieses Truppencorps bei dem Dorfe Heerdt, nachdem schon Tages vorher das Scheitersche Freicorps bei Bilk über den Rhein gegangen war, um die Stadt auf dem rechten Ufer einzuschließen. Kurpfälzische Infanterie, welche zwischen Ober= und Nieder=Cassel im Lager stand, hatte sich schon am 25. Juni, als die erste Nachricht von dem bei Crefeld errungenen Siege der Verbündeten nach Düsseldorf gelangte, in die Festung zurückgezogen, wo sie nun mit 4 Bataillonen Franzosen unter dem Grafen von Bergeyk die etwa 8000 Mann zählende Besatzung ausmachte. Commandant war der kurpfälzische General von Isselbach, welcher bei der Annäherung der Verbündeten schleunigst die Geschütze auf die Wälle bringen und alle Anstalten zur Vertheidigung treffen ließ General von Wangenheim schickte den Oberstlieutenant von Waldhausen in die Stadt und forderte den Commandanten zur Uebergabe auf. Als diese Aufforderung zurückgewiesen wurde schritt man in der Nacht vom 27. zum 28. Juni zum Bau der Batterieen, welche Arbeit durch den damals schon vorhandenen Rheindamm sehr erleichtert wurde. Am 28. mit Tagesanbruch wurde das Feuer aus 6 schweren Geschützen und 4 Mörsern eröffnet, wodurch der nördliche Stadttheil hart mitgenommen ward, denn etwa 180 Häuser und mehrere Kirchen erlitten starke Beschädigungen. Bis zum 29. Nachmittags ließ General Wangenheim das Feuer ununterbrochen fortsetzen, welches von den Belagerten nur schwach erwiedert ward, und sendete dann den Oberstlieutenant von Waldhausen abermals in die Stadt zur Wiederholung der Aufforderung zur Uebergabe. General von Isselbach war geneigt darauf einzugehen, wenn die anfänglich harten Bedingungen gemildert würden, und General von Wangenheim machte nun keine Schwierigkeiten zum Abschluß eines Vergleichs, da er wußte wie sehr es dem Herzog darum zu thun 13 war in den Besitz der Festung zu gelangen, unter welchen Bedingungen es auch sei. Es wurden deshalb Vergleichspunkte verabredet und ein vorläufiger Waffenstillstand geschlossen, weil die Zustimmung des Kurfürsten und Landesherrn zu den Bedingungen der Capitulation erst in Mannheim eingeholt werden mußte. Unterdessen war aber auch die Expedition gegen Roermonde in Angriff genommen worden. Am 27. Juni, an demselben Tage wo die Hauptarmee das Lager bei Osterath bezog, marschirte der Erbprinz von Braunschweig, Carl Wilhelm Ferdinand*), der noch nicht 23 Jahre zählende Neffe des Herzogs, mit 6 Bataillonen und 6 Escadrons nebst einer schweren Batterie in westlicher Richtun ab über Süchteln nach der Maas. In angestrengtem Tag= und NachtMarsche hatte er sein Ziel erreicht und erschien am 28. Juni mit Ta gesanbruch vor Roermonde. Die Besatzung der Stadt bestand aus einigen französischen und österreichischen Bataillonen unter den Befehlen des Marechal-de-camp Boccard und des K. K. Obersten Müller; die Befestigung des Platzes zeigte nur einen alten Erdwall, da die von dem Marschall von Belle=Isle angeordnete Verstärkung der Werke noch nicht zur Ausführung gekommen war. Der Erbprinz ließ sofort zwei Bataillone und die Cavallerie auf das linke Ufer der Maas übergehen, um sich gegen etwa von dort zu erwartenden Entsatz zu sichern. Dann wurde die Batterie aufgefahren und das Feuer mit solcher Wirksamkeit eröffnet, daß schon nach einer zweistündigen Beschießung Chamade geschlagen ward und Boccard capitulirte. Die Garnison erhielt freien Abzug nach Lüttich, da man dadurch der Verlegenheit der Ueberwachung überhoben war, aber die reich gefüllten Magazine fielen den Siegern in die Hände und waren eine um so willkommenere Beute, als die Verpflegung des Heeres in dem durch die Franzosen ausgesogenen Lande und durch die Beschwerlichkeit der Zufuhren bereits zu stocken begann. Mit der Einnahme von Roermonde war nun der große Vortheil eines festen Punktes an der Maas erreicht und der Erb*) Es ist dies der spätere regierende Herzog von Braunschweig, welcher als Erbprinz, trotz seiner Jugend, sich bei allen Gelegenheiten durch Tapferkeit und Umsicht auszeichnete. 1786 commandirte er als preuß. Feldmarschall das Corps in Holland, 1791 die in Frankreich einrückende Armee. Bei Auerstädt 1806 verwundet starb er in Ottensen bei Altona 71 Jahre alt. 14 prinz versäumte keinen Augenblick diese günstige Lage auszubeuten indem er sogleich zur Ausschreibung großer Contributionen in den österreichischen Niederlanden schritt. Anfangs hatte man den Krieg zwischen England und Frankreich als einen besonderen von dem Kriege zwischen Preußen und Oesterreich getrennten Akt des großen Krieges betrachtet, und in Folge dieser Auffassung hatte Herzog Ferdinand, als Befehlshaber eines von England besoldeten Heeres, die Länder Maria Theresia's respectirt. Neuerdings aber war er von dem Könige Georg ermächtigt worden, auch diese Länder als Feindesland anzusehen und sie zu den Contributionen heranzuziehen. In Betreff der kurkölnischen und kurpfälzischen Gebiete war der Herzog weniger gewissenhaft gewesen, da ihm schon unter dem 4. April König Friedrich geschrieben: „Demnächst bitte ich Ew. Durchl. sich dessen zu erinnern, was ich Ihnen hinsichtlich meiner Dragoner und Husaren gesagt habe, nämlich, daß wenn Sie noch weiter vorgerückt sind, Sie meine Leute in die Provinzen Berg, die Grafschaft Westphalen und andere Länder der Kurfürsten von Köln und von der Pfalz, so wie auch in die Münsterschen Provinzen entsenden, um jene Fürsten etwas mitzunehmen, welche mit äußerstem Undank gegen mich gehandelt 2c. In Roermonde blieb nur eine kleine Besatzung unter dem hannoverschen Oberstlieutenant Ramdohr, der Rest der Abtheilung nahm Stellung aufwärts der Roer, zwischen Roermonde und Wassenberg. Die Expedition nach den Niederlanden wurde dem Obersten von Collignon und dem Major von Jeanneret von den preußischen gelben Husaren anvertraut und ihnen dazu 800 Dragoner und Husaren überwiesen. Collignon besetzte Tirlemont, ging den 4. Juli nach Löwen und ließ bis gegen Mecheln seine Streifparteien schwärmen. Der ganze Landstrich zwischen Maas und Dyle, ja selbst noch weiter bis zur Schelde, wurde dadurch in nicht geringen Allarm versetzt. Lüttich schickte Abgeordnete, um sich wegen der Contributionen zu verständigen; Brüssel schwebte in größter Besorgniß. Auf Befehl des französischen Kriegsministers eilte der General Marquis von Castries nach Lüttich, sammelte dort aus der Besatzung von Roermonde und aus Abtheilungen der Garnisonen von Lille, Dünkirchen 2c. eiligst ein Corps zur Deckung der Maas und der französischen Grenze, welche man schon ernstlich gefährdet glaubte. Ja selbst Ant 15 werpen wurde Hals über Kopf in Vertheidigungszustand gesetzt und drei österreichische Bataillone als Besatzung hinein gelegt. Dies Alles bewirkten 800 streifende Reiter! — Reiche Beute an Geld, Lebensmitteln und Fourage nebst einer großen Zahl Geißeln mit sich führend, kehrten sie von ihrem Streifzuge zurück nach Roermonde und, als sie dort den Erbprinzen nicht mehr fanden, zur Armee. Unterdessen hatte der Erbprinz sich bei Wassenberg mit dem Prinzen von Holstein vereinigt, welcher ebenfalls am 27. Juni mit 13 Escadrons vom Herzog Ferdinand entsendet worden war, um in der Gegend von Gladbach und Rheidt Stellung zu nehmen und somit die Verbindung zwischen dem Erbprinzen an der Maas und dem Hauptheere aufrecht zu halten. Beide vereinte Detachements wendeten sich nun gegen Jülich, um die Ausführung des dritten Punktes des entworfenen Operations planes einzuleiten. Ihre Vortruppen streiften bis an die Thore der Festung und das Land zwischen Erft, Roer und Maas wurde ebenfalls zu starken Contributionen und Fouragirungen heran gezogen. Im Hauptquartier zu Osterath waren während dieser Ereignisse Meldungen des verschiedensten Inhaltes eingetroffen. „Bei Lüttich, hinter der Karthause solle ein starkes, aus Infanterie und Cavallerie zusammengesetztes französisches Corps im Lager stehen, und ein zweites Corps, angeblich 10000 Mann stark, werde dort jeden Augenblick aus Brabant erwartet;“ so lautete die Nachricht. Sie war in so fern richtig, da die in Folge des obenerwähnten Streifzuges angeordneten Märsche und Zusammenziehungen von Truppen den Kern derselben bildeten; nur in der Zahl war sie sehr übertrieben. Nicht minder wichtig war eine andere Meldung: daß ein mehrere tausend Mann starkes französisches Corps bei Cöln auf das rechte Rheinufer übergegangen sei. Es konnte hieraus auf einen beabsichtigten Entsatz von Düsseldorf oder auf ausgedehntere Operationen auf die Verbindungs= und RückzugsLinie der weit vorpoussirten verbündeten Armee geschlossen wer den. Da aber zugleich von anderer Seite auch die Nachricht einging, daß Graf Clermont die Bagage nach Jülich abführen lasse und die Magazine und das Hospital aus Cöln in Sicherheit zu bringen trachte, so blieb der Herzog in vollständiger Ungeschreibt er unter dem wißheit. „Ich komme zu dem Schluß“ 16 1. Juli an den König von England, — „daß der Gegner weder im Allgemeinen noch im Besonderen einen bestimmten Plan verfolge. Ohne deshalb die Rückkehr des wegen der Düsseldorfer Capitulation an den Kurfürsten nach Mannheim entsendeten Couriers abzuwarten, beschloß er, die Expedition gegen Jülich aufzunehmen. Demgemäß wurden der Erbprinz und der Prinz von Holstein angewiesen, sich mit ihren vorgeschobenen Abtheilungen bei Kukum*) zu sammeln und dort als Avantgarde Posto zu fassen. Dann brach am 2. Juli die Armee aus dem Lager von Osterath auf und bezog ein neues Lager bei dem Kloster St. Nicolas Herzog Ferdinand nahm sein Hauptquartier auf dem Schlosse Dyck; in dieser neuen Stellung wollte er den Verlauf der Verhandlungen wegen der Uebergabe von Düsseldorf abwarten. Es fiel nun weiter nichts von Bedeutung vor, als einige Streifzüge nach der Roer, wo die Avantgarde bis nach Titz, ganz in die Nähe der Festung, vorrückte. Die französische Armee stand unterdessen unbeweglich in ihrem Lager vor Cöln, und der Herzog erhielt die genauesten Mittheilungen über Alles, was dort vorging, da der Lager= und Wachdienst so nachlässig betrieben wurde, daß sogar die bei der freien Reichsstadt Cöln accreditirten diplomatischen Agenten von Preußen und England im Lager frei ein= und ausgingen und nicht versäumten dem Herzog ihre Wahrnehmungen mitzutheilen. Inzwischen war am 5. Juli der nach Mannheim entsendete kurpfälzische Major von Quendel zurückgekehrt und hatte die Genehmigung des Kurfürsten zu den Capitulations=Bedingungen überbracht. Am 7. Juli fand die Unterzeichnung und Auswechse lung derselben statt, und am 8. Juli Abends rückten die drei zur Besatzung bestimmten hannoverschen Bataillone Wangenheim, Hardenberg und Scheiter in die Stadt ein und besetzten sämmtliche Wachen. Die französischen und pfälzischen Bataillone, denen *) Die gleichzeitigen Berichte haben „Cochem“; es kann aber nur Kukum sein, denn der Ort wird näher bezeichnet als „hinter der Landwehr von Erkelenz“ gelegen. Dadurch fällt auch der Zweifel fort, ob vielleicht „Jüchen“ gemeint sei, welches allerdings zur Aufstellung der Avantgarde näher gelegen. Die örtliche Aussprache des Namens, welche „Kokkem“ lautet, konnte leicht zu der Schreibart „Cochem“ veranlassen. 17 die Capitulation freien Abzug mit allen militairischen Ehren und mit ganzer Bagage gewährte, verhielten sich ganz ruhig, und zogen erst am 9. Juli Morgens auf dem rechten Rheinufer ab. Noch zu guter Letzt brachten die Franzosen die Stadt in große Feuersgefahr, als sie ihr im Gouvernementshause etablirtes Liebhabertheater mit allem Zubehör den Flammen übergaben. Durch den Besitz von Roermonde und Düsseldorf nun auf beiden äußersten Flügeln gedeckt, ließ Herzog Ferdinand am 10. Juli sein Heer eine Meile weiter vorrücken, indem er sich zugleich der Erft zuwendete. Zwischen Elsen und Fürth wurde das neue Lager bezogen und das Hauptquartier vom Schlosse Dyck nach Grevenbroich verlegt Hier stand die verbündete Armee nun auf dem Durchschneidungspunkte der Straßen von Cöln nach Roermonde und von Düsseldorf nach Jülich, und befand sich demnach in der Lage, jeden Augenblick, je nachdem die Umstände es erheischen sollten, sich auf Cöln, auf Jülich, oder gegen die Maas zu dirigiren durch einen einfachen Abmarsch aus der Front oder der Flanke, ohne daß dem Feinde die Marschrichtung vorher bekannt werden konnte. Die schon begonnene Operation gegen Jülich wurde jedoch unterbrochen durch ein Ereigniß bei der französischen Armee, welches für den ferneren Verlauf des Feldzuges die wichtigsten Folgen hatte: die Abdankung des Grafen von Clermont und die Uebernahme des Oberbefehls durch den Generallieutenant Marquis von Contades. II. In dem üppigen und allen Ausschweifungen ergebenen Hofe zu Versailles hatte sich schon seit dem Beginne des Feldzuges eine Partei gebildet, welche mit der Kriegsführung des Grafen Clermont durchaus nicht einverstanden war. Nur durch die specielle Gunst der Frau von Pompadour, der damaligen Lei terin der französischen Politik, hatte er sich in seiner hohen Stel lung zu halten vermocht. Diese Gunst hatte ihn aber nicht gegen den Spott schützen können, mit welchem der französische esprit sowohl in der vornehmen Gesellschaft als im Volke schonungslos im Epigramm und chanson Alles durchhecheln durfte, wenn nur Witz darin lag. Selbst der König und sein Leben am Hofe, und noch vielweniger Frau von Pompadour waren davon ausgenommen. So fand man an der Wohnung Clermonts, bevor er zur Armee abreiste, um den Oberbefehl an Stelle des Herzogs von Richelieu zu übernehmen, eine Trommel aufgehängt mit der Inschrift: il est fait pour être battu! — Der unglückliche Ausgang der Schlacht bei Crefeld und der beschleunigte Rückzug nach Köln, wo das Heer in vollständiger Unthätigkeit stand und den Mangel an Disziplin in Excessen jeder Art bekundete, hatten auch endlich denjenigen die Augen geöffnet, welche bis dahin dem * Abbé-Générale die Stange gehalten hatten. Auch jetzt blieb der Spott nicht aus und in den Wirthshäusern und auf den Straßen sang man: »Moitié casque, moitié rabat Aussi propre à l'un comme à l'autre Clermont prêche comme un soldat Et se bât comme un apôtre und andere Spottlieder ähnlichen Inhalts Der Kriegsminister, Marschall von Belle=Isle, hatte zwar schon längst die Nothwendigkeit eingesehen, daß irgend etwas geschehen müsse, um den Ruhm der französischen Waffen wiederherzustellen und die wiederholt vorgebrachten Beschwerden Maria Theresia's über die gänzliche Unthätigkeit ihres Bundesgenossen einigermaßen zu beschwichtigen: aber zu einer Abberufung Clermont's hatte er es nicht bringen können oder vielleicht auch 19 nicht bringen wollen. Aus seinen Briefen geht nämlich deutlich hervor, daß er gegen den Prinzen persönliche Zuneigung hegte, wenn er auch dessen Feldherrntalente richtig beurtheilte und keineswegs überschätzte. Es wurde nun eine Abhülfe dadurch gesucht daß man unter dem 28. Juli den König einen Befehl unterzeichnen ließ, worin dem Grafen Clermont ein beständiger Kriegsrath zur Seite gesetzt ward, aus den Generalen Contades, Mortaigne und Chevert bestehend. Zugleich theilte man diesen genannten Generalen mit: „daß es von jeher des Königs Wunsch gewesen sei, jede Gelegenheit zu benutzen, um die Verbündeten zu schlagen.“ Durch diesen Befehl und durch die königliche Mittheilung welche mit denjenigen Weisungen ganz und gar im Widerspruche stand, auf welche Graf Clermont vor der Schlacht bei Crefeld stets sich berufen und die er als die Motive seines Handelns vorgeschützt hatte, fühlte dieser sich so gekränkt, daß er sogleich das Commando niederlegte und um offizielle Abberufung bat. Es hielt schwer, die Einwilligung des Königs dazu zu erlangen, und erst auf einen wiederholten Antrag Clermonts, worin dieser auch „Gesundheitsrücksichten“ vorbrachte, wurde die Ernennung eines Nachfolgers beschlossen. Der Marschall von Belle=Isle schrieb darüber am 11. Juli an den Marquis von Contades: Le Roy a eu beaucoup de peine à se déterminer à prendre ce parti Il y a été en quelque manière forcé: le détail de ce qu’il-y-aurait à dire à ce sujet ne se peut écrire. Der Spott, mit welchem Clermont von allen Seiten über schüttet wurde, mochte auch endlich der eigentlichen Hofparthei die Augen geöffnet haben. Mit Widerstreben zwar, aber doch in der Hoffnung, daß Contades die Fehler seines Vorgängers wieder gutmachen und den so tief gesunkenen französischen Kriegsruhm wieder auf den alten Glanz= und Höhepunkt empor heben werde, hatte auch Frau von Pompadour ihre Zustimmung gegeben zur Ernennung eines Mannes, der nichts weniger als Hofmann und ein entschiedener Gegner der sogenannten Pompadouristen war. Am 7. Juli gab der Graf von Clermont das Commando förmlich an den Marquis von Contades ab; dann eilte er nach Paris zurück. „Anstatt ihn in seine Abtei zu relegiren, um dort das Unglück Frankreichs zu beweinen, welches durch seine Sorg 20 losigkeit, seine Unerfahrenheit und sein weichliches und ausschweifendes Leben bei der Armee noch gewachsen war, ließ man ihn am Hofe. Er blieb ein Freund und Genosse der Ausschweifungen des Königs in Folge der geheimen Sympathieen, welche zwischen beiden vorherrschten,— sagt ein französischer Biograph Ludwigs XV. Auf den neuen Feldherrn waren die Augen von ganz Frank reich gerichtet. Seit der Schlacht von Parma, 1734, die er schon als Oberst mitmachte, hatte Contades an allen von Frankreich geführten Kriegen theilgenommen und allen Feldzügen beigewohnt Im Kriege und durch den Krieg in der Schule des Marschall von Sachsen ausgebildet, war dieser General ein würdigerer Gegner des Herzogs Ferdinand von Braunschweig. Mit großem Interesse verfolgt man deshalb die ersten Operationen beider Feldherrn, welche — um uns eines passenden Bildes zu bedienen gleich zwei geübten Schachspielern jeden Zug auf dem Schachbrette des Kriegsschauplatzes mit voller Ueberlegung mit vollem Bewußtsein und Berechnung des Zweckes ausführen um so, Zug um Zug, sich gleichsam das „Gardez“! zuzurufen, und schließlich zu dem „Schach“ und „Matt!“ zu schreiten. Die nächste und wichtigste Aufgabe des neuen Oberbefehlshabers bestand darin, die französische Armee zu reorganisiren und aus den leichtsinnigen undisciplinirten Haufen wieder Truppenkörper zu bilden, mit welchen er dreist einem Feinde entgegentreten könne, wie er ihn in der wohlgeschulten und in jeder Beziehung tüchtigen Armee der Verbündeten vor sich sah. Von dem Marschall von Belle=Isle wurde er dabei kräftigst unterstützt. Neue Verstärkungen aus dem Innern Frankreichs wurden nach dem Rheine in Marsch gesetzt, und geschärfte Verordnungen für Offiziere und Soldaten sollten die erschlaffte Disciplin wiederherstellen. Während das System Clermont's auf fortwährende rückgängige Bewegungen basirt gewesen war — von der Aller zur Weser, von der Weser zum Rhein, wo er nur auf die dringendsten Vorstellungen des Kriegsministers einen Halt gefunden zu haben schien — glaubte Contades durch das Ergreifen der Offensive zunächst der Armee wieder den fast ganz verloren gegangenen moralischen Aufschwung geben zu müssen. Die strategischen Weisungen, welche dem Commandirenden von Versailles aus zugingen, gaben ihm zunächst nur auf: die 21 Stellung bei Cöln unter allen Umständen zu halten, wenn er auch deshalb eine Schlacht liefern solle, und sich des Besitzes von Deutz zu versichern, damit ihm der dortige Uebergang über den Rhein — seit dem Verlust von Düsseldorf die nächste Verbindung mit der Armee von Soubise in Hessen — stets gesichert bleibe. Auf diese Behauptung des Niederrheines legte man in Versailles das größte Gewicht, da man dem Kurfürsten von Cöln nicht so recht traute, wenn er nicht mehr auf den unmittelbaren Schutz durch die französische Armee zählen könne. Dieses Uebergehen zur offensive wurde aber durch die Lage der Dinge an den entgegengesetzten Seiten des großen allgemeinen Kriegsschauplatzes gerechtfertigt, und wir müssen uns dieselbe mit einigen Zügen in Erinnerung bringen, weil nur dadurch eine richtige Beurtheilung der Verhältnisse auf unserem speciellen Kriegsschauplatze zwischen Maas und Rhein, oder näher: an Roer und Erft, ermöglicht wird. In Böhmen und Mähren waren um diese Zeit Friedrich's Waffen wenig vom Glück begünstigt; Feldmarschall Daun hatte dort die Oberhand behalten und die Belagerung von Olmütz hatte aufgehoben werden müssen. Dadurch waren die Bedenken erledigt, welche Maria Theresia bis dahin stets einer anderweitigen Verwendung des ursprünglich zur Operation in Böhmen mit bestimmten französischen Corps unter Soubise entgegengestellt hatte. Dieser konnte sich also mit Broglio in Hessen vereinigen, um entweder zu einer Expedition durch Hessen nach der Weser und in's Hannoversche oder zu einer Diversion auf dem rechten Rheinufer verwendet zu werden. In Hessen hätten diese vereinigten Corps nur geringen Widerstand finden können, da der dort zum Schutze des Landes zurückgebliebene Prinz von Isenburg nur 2 Infanterie=Regimenter und 1 Cavallerie Regiment von der Armee der Verbündeten behalten hatte, und die vom hannoverschen Ministerium in Aussicht gestellte Verstärkung noch immer auf sich warten ließ. Der Landgraf von Hessen hatte seine finanziellen Kräfte schon über das Maaß angespannt, so daß von ihm keine ausgedehnteren Anordnungen zum Schutze seines eigenen Landes erwartet werden konnten. Zu ungefähr gleicher Zeit waren die Russen, welche am 21. Mai die Weichsel überschritten hatten, längs Warthe und 22 Netze bis Posen vorgerückt und ihre leichten Truppen streiften schon bis Glogau und Driesen. Langsam zwar — in 24 Tagen 12 Meilen — folgte die Hauptarmee, aber sie ging stetig vor und bedrohte des Königs Verbindungslinie. Friedrich hatte ihnen nur wenig Truppen entgegen zu stellen und schrieb dem Herzog Ferdinand dringende Briefe, um jene 15 Escadrons zurück zu erhalten, welche ursprünglich zu dem gegen die Russen operirenden Corps gehört hatten, da er von der Ansicht ausging, die versprochene englische Reiterei sei bereits eingetroffen. Nur die wahrhafte Schilderung der Lage, in welcher sich die verbündete Armee befand, konnte den König bewegen, vorläufig noch abzustehen von der Rücksendung dieser Schwadronen, welche unter dem Prinzen von Holstein bisheran so vortreffliche Dienste geleistet hatten. Contades konnte also kaum einen günstigeren Augenblick wählen zur Entwickelung seiner Thätigkeit. Der allgemeine Feldzugsplan, wie derselbe vom Hofe genehmigt und festgestellt war, bestand darin: durch ein Vorgehen des Prinzen Soubise in Hessen den Herzog Ferdinand indirect zum Verlassen des linken Rheinufers zu nöthigen, während Contades durch entsprechende directe Operationen gegen die verbündete Armee an der Erft diese Nöthigung zum Rückzuge noch verstärken sollte. Auf den Vorschlag Oesterreichs wurde bestimmt, daß die sächsischen, würtembergischen und pfälzischen Truppen in Lagern im Mittelpunkte des Reiches zusammengezogen werden sollten, da man sich nicht verhehlte, daß die Gesinnung einiger der mit Oesterreich und Frankreich verbündeten Reichsfürsten sehr wankelmüthig sei. Die Bemühungen der Markgräfin von Bayreuth, der Lieblingsschwester Friedrich's hatten nämlich die vielfach im Reich, namentlich in den Reichsstädten verbreitete Begeisterung für den großen König eifrig genährt und gehoben. Nachdem Contades nun seine Armee durch die herangekommenen Verstärkungen wieder auf 50,000 Mann vollzählig ge macht, schritt er zur Ausführung seiner Pläne. Vorher aber trat noch ein heftiger Conflikt mit der freien Reichsstadt Cöln ein, die ihren Mißmuth über das Bündniß des Kurfürsten mit den Franzosen, schon aus hergebrachter Opposition gegen denselben, durchaus nicht verborgen hatte. Die französische Armee bedurfte noch einiger Verstärkung an Artillerie und ließ den Rath von Cöln 23 um leihweise Verabfolgung der gewünschten Zahl Geschütze nebst dazu gehöriger Munition aus dem städtischen Zeughause angehen. Als der Rath dieses Ansuchen ganz kurz ablehnte, zur größten Verwunderung der Franzosen über diese unerhörte Dreistigkeit, ließ der Commandant, Marquis von Torcy, das Zeughaus ohne weiteres mit Gewalt öffnen und die verlangte Zahl Geschütze herausnehmen, trotz aller Proteste des Rathes und der Berufung auf Reichsfreiheit und Neutralität. Dies war die Art, wie die Franzosen ihre dem Einrücken in Deutschland vorausgeschickte pomphafte Proclamation bethätigten, daß sie nämlich die Gränze überschritten, „um die deutsche Freiheit auf Grund des westphälischen Friedens gegen die Eingriffe jeder Macht, sie sei welche sie wolle, gänzlich sicher zu stellen.“ Den 13. Juli setzte sich endlich Contades in Bewegung. Das Heer marschirte aus dem Lager von Cöln nach Bedburg an der Erft. In Versailles war zu dieser Zeit zwar noch nichts anderes von ihm erwartet worden, als daß er die Festung Jülich decke und nöthigenfalls dazu eine Schlacht liefere, bis zu dem Augenblicke, wo der Herzog Ferdinand durch die Bewegungen der Armee von Soubise sich zum Antreten des Rückzuges über den Rhein veranlaßt sehen werde. Deshalb wurde Contades vom Hofe mit Lobsprüchen überhäuft, und der Jubel über dieses Vorgehen, — die erste Offensiv=Bewegung des Heeres seit langer Zeit, — erschallte durch ganz Frankreich. In seinem Hauptquartier zu Grevenbroich erhielt Herzog Ferdinand erst gegen Abend die Nachricht von diesem Marsche. Sofort fertigte er den Befehl aus an die jetzt an der Jülicher Straße in der Gegend von Jackerath und Titz stehende Avant garde unter dem Erbprinzen und dem Prinzen von Holstein: „augenblicklich aufzubrechen, durch einen Gewaltmarsch nach der Erft zu gehen, diese zu überschreiten und die der Stadt Caster gegenüber auf dem rechten Ufer liegenden Höhen zu besetzen, ehe der Feind dieselben erreichen könne.“ Dann wurde das Lager bei Elsen abgebrochen und noch in der Nacht vom 13. zum 14. Juli passirte das Heer bei Grevenbroich die Erft um auf dem rechten Ufer Stellung zu nehmen. Der Einsturz der Hauptbrücke verzögerte den Uebergang sehr; die schwere Artillerie konnte erst am anderen Tage übergehen, nachdem die Brücke wiederhergestellt war. 24 Die Franzosen hatten inzwischen die erwähnten wichtigen Höhen gegenüber von Caster schon besetzt noch ehe der Prinz von Holstein trotz eines scharfen Rittes von 1½ Meilen sie mit der Cavallerie erreichen konnte. Die Stellung, welche sie auf dem Plateau eingenommen hatten, war eine so vortheilhafte, daß von Caster aus nichts dagegen zu unternehmen war. Die Avantgarde schloß sich deshalb der Armee wieder an, welche sie auf dem rechten Ufer der Erft in Stellung fand, mit dem rechten Flügel an Grevenbroich, mit dem linken bei Haus Luesch, unweit Ramrath an der Gyllbach. Die Franzosen hatten sich auf dem ausgedehnten Plateau zwischen Neurath und Rommerskirchen eben falls in Schlachtordnung aufgestellt, ihren linken Flügel an die Erft, den rechten an den Gyllbach anlehnend. Das Hauptquartier des Marquis von Contades war in Frauweiler. Herzog Ferdinand, der die Stellung des Feindes aus der Ferne recognoscirt hatte, kam zu der Einsicht, daß er gegen die überlegene Macht nichts ausrichten könne, welche noch dazu so vortheilhaft postirt war. Nur 34 Bataillone und 55 Escadrons der Verbündeten waren bei Grevenbroich vereinigt, da die Besatzung von Düsseldorf 3 Bataillone absorbirt hatte und noch weiter zurück 2 Bataillone und 1 Escadron bei Moers und Rheinberg, 4 Bataillone und 3 Escadrons unter General Imhoff bei Rees standen; die Stärke wird auf kaum 30,000 Mann angegeben. Gegenüber, in vortheilhafter Stellung, stand Contades mit etwa 50,000 Mann. Es wäre Tollkühnheit gewesen, hier einen directen Angriff zu wagen, zumal da die Flügel gedeckt waren. So standen denn beide Heere am 14. Juli den ganzen Tag lang sich beobachtend gegenüber, die zur rangirten Schlacht ganz geeignete weite Ebene zwischen sich, jedes des Angriffs des Gegners gewärtig. Ein Zusammenstoß schien unvermeidlich, doch verging der Tag unter Dispositionen und einzelnen Veränderungen der Stellung auf beiden Seiten, ohne daß ein Angriff erfolgte, den man jedenfalls am folgenden Tage erwartete. *) v. Knesebeck in der Schrift: „Herzog Ferdinand v. Braunschw.=Lüneburg während des 7jähr. Krieges“ hat die Original=Correspondenzen benutzt und den Namen „Trouwiller“ gelesen, mit dem Bemerken, daß er den Ort auf der Karte nicht gefunden habe. Es ist Frauweiler, ½ Meile südöstlich von Caster auf dem rechten Erftufer. (In einigen Exemplaren der beigegebenen Uebersichtskarte ist aus Versehen Brauweiler gedruckt). 25 Die Stellung der Verbündeten, mit den langen Defileen der Erft unmittelbar im Rücken, war jedenfalls eine sehr gewagte und gefährdete einem an Zahl so überlegenen Feinde gegenüber. Ferdinand beschloß deshalb über die Erft zurückzugehen und benutzte dazu die Nacht vom 14. zum 15. Juli Der Abmarsch geschah treffenweise aus der linken Flanke. Das erste Treffen marschirte auf Gnadenthal und passirte dort die Erft; General von Wangenheim blieb daselbst mit 5 Bataillons und 8 Escadrons stehen, um den Uebergang festzuhalten. Die Spitze des zweiten Treffens schwenkte links und dirigirte sich auf Hülchrath. Dort erreichte die Colonne die alte Landstraße, welche aus den sogenannten holländischen Mayereien über Schloß Dyck und Gilverath nach Cöln führte und bei letztgenanntem Dorfe die Erft auf einer festen Brücke überschreitet weshalb der an dem Fluß gelegene Theil des Dorfes auch den Namen Neubrück führt. Die Straße zieht sich als tief eingeschnittener Hohlweg auf dem linken Ufer der Erft etwa 600 Schritte weit bis zur Landstraße von Neuß über Holzheim und Capellen nach Grevenbroich, wo an dem Durchschneidungspunkte mehrere Hohlwege zusammenstoßen. Von einem dort befindlichen (jetzt nicht mehr vorhandenen) Heiligenhäuschen führte diese Stelle allgemein den Namen „Pfaffenmütz,“ und unter dieser Benennung ist der Uebergangspunkt auch in den gleichzeitigen Berichten aufgeführt. Nach erfolgtem Uebergange über die Erft bezog die Armee ein Lager vor Neuß, wo Herzog Ferdinand sein Hauptquartier nahm. General Contades scheint erst spät von dem Abzuge der Verbündeten hinter die Erft Kunde erhalten zu haben, denn erst am 15. Juni Nachmittags entsendete er den General von Armentières mit einer Abtheilung zur Recognoscirung. Dieser fand die Brücke bei Gilverath (Neubrück) unbesetzt und ließ sogleich die Grenadiers de France unter dem General Chabot dort Stellung nehmen. Ebenso wurden die Uebergänge bei Grevenbroich und Wevelinghoven in Besitz genommen und beide Orte mit starken Detachements besetzt. Die Armee blieb nach wie vor im Lager bei Frauweiler Den 16. Juni ließ Herzog Ferdinand die Front des Lagers verändern, indem er den rechten Flügel zurückzog bis in 26 die Gegend der Kanonikenhöfe (an der jetzigen Gladbacher Eisenbahn), der linke Flügel blieb in der Nähe von Kloster Gnadenthal, wo General von Wangenheim auch ferner mit der Beobachtung und Vertheidigung des hinter demselben gelegenen Ueber ganges betraut ward. Zur Deckung der Front wurden starke Posten vorgeschoben, und zur Deckung der Flügel außerdem noch rechts nach Büttgen und vor dem linken Flügel nach Grefrath Abtheilungen von je 150 Mann Infanterie entsendet, welche sich in den genannten Dörfern festsetzten. Eine Rekognoscirung ließ den Herzog erkennen, daß der feindliche Posten so nahe bei Pfaffenmütz und der Besitz des dortigen Ueberganges in Feindeshand, den Franzosen Gelegenheit biete, dort während der Nacht unbemerkt über die Erft gehen und das Lager angreifen zu können. Deshalb wurde angeordnet, daß noch in der Nacht vom 16. zum 17. der Versuch gemacht werden solle, diesen Uebergang wieder zu gewinnen. Dem Erbprinzen übertrug er die Ausführung dieses Vorhabens und konnte somit im Voraus schon fast des glücklichen Erfolges versichert sein. Mit 2 Bataillonen vom braunschweigischen Leibregiment, einem Bataillon des braunschweigischen Regiments Zastrow und dem hannoverschen Bataillon Spörken nebst 4 Escadrons des hannoverschen Reiterregimentes Breidenbach und 150 Jägern brach der Erbprinz aus dem Lager auf und traf mit Tagesanbruch an der Erft ein, stürzte sich sogleich auf den Feind und nach nur 10 Minuten des Kampfes war derselbe geworfen. Nur einen Offizier (den Lieutenant von Vitzthum vom braunschweigi schen Leibregiment) nebst 4 Mann an Todten und 15 Verwundete hatte der Sieg gekostet: die Franzosen ließen einen Capitain nebst einigen Mann todt und 20 Mann verwundet auf dem Platze.“ Sogleich ließ der Erbprinz vor der Brücke einen kleinen Brückenkopf aufwerfen, den die Jäger besetzten. Die französische Armee in ihrem Lager bei Frauweiler hatte auch nicht die mindeste Bewegung gemacht, um ihrem so weit vorgeschobenen Posten zu Hülfe zu kommen. Am folgenden Tage, 18. Juli, brachten Kundschafter die *) In dem zu Mühlrath auf dem rechten Ufer unweit der Brücke gelegenen Hause hat sich in der Familie des damaligen Besitzers noch die Tradition von diesem Gefecht erhalten, und es soll ein vornehmer französischer Offizier gewesen sein, welcher dort gestorben ist. 27 Nachricht, daß im französischen Lager große Bewegung herrsche und Vorbereitungen zum Aufbruch getroffen zu werden schienen: auch höre man von einem zum 20. Juli beabsichtigten Angriffe sprechen. Die Wahrscheinlichkeit dieser Nachricht erhielt noch eine Bestätigung durch die emsigen Arbeiten zur Instandsetzung der Brücken über die Erft bei Grevenbroich, unter dem Schutze des dort stehenden starken französischen Detachements, welche man während der Nacht gewahrte. Die Combination dieser Nachrichten veranlaßte den Herzog Ferdinand zu einer Veränderung seiner Stellung, um den Feind, dessen Uebergang bei Grevenbroich und Wevelinghoven vermuthet wurde, während des Ueberganges und bei dem Marsche gegen die auf dem linken Ufer gelegenen Höhen sogleich scharf anfassen zu können, ehe dieser mit seiner ganzen Stärke den Fluß überschritten hätte, In der Nacht vom 18. zum 19. Juli setzte sich deshalb die ganze Armee der Verbündeten vorwärts in Bewegung. Um in möglichster Stärke auftreten zu können, sollte der General von Wangenheim mit der bei Gnadenthal stehenden Abtheilung dem Vormarsche als drittes Treffen folgen. Damit jedoch der Ueber gang bei Gnadenthal gedeckt bleibe, wurden 2 Bataillone (Wangenheim und Scheiter) von der Düsseldorfer Garnison herangezogen, während das Bataillon Bückeburg dort verblieb. Mit 4 Bataillonen und 8 Escadrons schloß sich demnach General Wangenheim der Bewegung an. Am 19. Juli, früh um 7 Uhr, stand schon der Prinz von Holstein mit den 15 preußischen Escadrons auf den Höhen zwischen dem Hahner=Hofe, an der Straße nach Jüchen, und Orken. Man kann von diesen Höhen aus das ganze Terrain jenseits des Flusses übersehen. Aus dem Flußthale führen nur lange und tiefe Hohlwege, in der Ortssprache „Hüllen“ genannt, hinauf. Die Husaren patrouillirten bis an die Erft und plänkerten dort mit den Vortruppen der feindlichen Abtheilung in Grevenbroich. Der Herzog folgte mit dem Gros bis Hemmerden und Bedburdyck, wo er aufmarschiren ließ. Als jedoch auf der feindlichen Seite alles ruhig blieb, befahl er, in dieser Stellung das Lager abzustecken und zu beziehen. Der rechte Flügel des Lagers wurde an den Bach gelehnt, welcher von Jüchen kommend über Bedburdyck, Aldenhoven, Glehn und Kleinenbroich zur Niers fließt; der linke Flügel, dem sich der General von Wangenheim anschloß, zog sich auf den 28 Höhen fort bis Pfaffenmütz; Neubrück wurde noch mit 2 Bataillonen des braunschweigischen Regimentes von Behr besetzt Die Dörfer Bedburdyck, Hemmerden und Capellen vor der Front des Lagers wurden mit starken Infanterieposten besetzt; der Prinz von Holstein mit der preußischen Cavallerie blieb auf den Höhen von Orken vorgeschoben; die Husaren von Luckner wurden hinter der rechten Flanke nach dem Kloster St. Nicolas detachirt So von allen Seiten gesichert, blieb der Herzog des feindlichen Angriffs gewärtig und nahm sein Hauptquartier in Bedburdyck Zur Vermehrung der Sicherheit des Lagers wurden am folgenden Tage, 20. Juli, noch die Dörfer Aldenhoven und Damm mit Posten von je 50 Mann Infanterie besetzt. Von einer starken Cavallerie=Escorte begleitet, begab sich nun der Herzog Ferdinand mit seinem ganzen Stabe weit über die Vorposten hinaus nach St. Leonard. Dort war er stark einen Kanonenschuß weit von dem feindlichen linken Flügel entfernt, von welchem ihn nur das Thal der Erft trennte. Von dem äußersten Kamm des linken Thalrandes, dem Dorfe Frimersdorf gegenüber, hatte man eine Uebersicht über die ganze feindliche Stellung, wo jedoch keine besondere Bewegung wahrgenommen wurde. Eine specielle Recognoscirung der Zugänge zur Erft und des Thales ergab indeß die Ueberzeugung, daß der Feind in einer für die schwache Streitmacht der Verbündeten unangreifbaren Stellung stehe, indem man im Angesicht desselben hätte über die Erft gehen müssen und somit in die gleiche Lage gekommen sein würde, in welche man den Feind am 19. bei Grevenbroich versetzen wollte. Drei Tage lang, bis zum 23. Juli, blieben beide Heere in ihren Positionen: die Franzosen unbeweglich bei Frauweiler, die Verbündeten bei Bedburdyck. Aufmerksam beobachteten die beider seitigen Feldherren jedes äußere Zeichen, welches auf eine Veränderung der Situation hindeutete, — wir können hier unser früher angewendetes Bild wiederholen — gleich geübten Schachspielern, alle Vortheile und Nachtheile eines Zuges erwägend, und eine Blöße in dem Spiel des Gegners erspähend. Da faßte der Herzog Ferdinand am 23. Juli den Plan zu einem neuen Zuge, mit welchem er nicht nur seinen Gegner, sondern auch seinen eigenen Generalstab vollständig überraschte: er beschloß den Abmarsch nach der Maas, 29 III. Forschen wir nach den Gründen, welche den Herzog zu dieser unerwarteten Verlegung des speziellen Kriegsschauplatzes an der Erft und dem Rheine an die Roer und Maas veranlaßt haben, so finden wir in der Correspondenz Ferdinands an den König Friedrich und an Lord Holdernesse genügende und ausführliche Auskunft. In dem Schreiben an den König, aus Bedburdyck den 23. Juli, setzt er diesen von der augenblicklichen Lage in Kenntniß, wobei zunächst das Vorgehen des Prinzen Soubise in Hessen nach seiner ganzen strategischen Wichtigkeit gewürdigt wird. „Der Prinz von Soubise ist von neuem dort eingedrungen und hat, wie ich glaube, bereits Cassel in Besitz genommen“, schreibt der Herzog, und sprach hiermit eine richtige Ahnung aus: denn wissen konnte er es noch nicht, da zu jener Zeit noch kein elektrischer Telegraph Nachrichten mit Blitzesschnelle durch die Welt verbreitete, daß gerade an diesem Tage, 23. Juli, wo der Herzog schrieb, die Avantgarde des Corps von Soubise Vormittags Cassel besetzte und den Prinzen von Isenburg trotz verzweifelter Gegenwehr bei Sandershausen schlug. „Ich hoffe“, fährt er fort, „daß man den Feind nicht die Weser passiren lasse oder ihn wenigstens verhindern werde, sich in den braunschweigischen Staaten von neuem festzusetzen.“ 2c. Nachdem nun die bisher stattgefundenen Ereignisse an der Erft mitgetheilt worden, heißt es ferner in dem Schreiben: „Anfänglich hielt ich es für nöthig, auf's neue über Bedburdyck vorzudringen; nach einigem Nachdenken über meine Lage und die des Feindes schien es mir jedoch besser mein Vorhaben aufzugeben, um so mehr, als seit Kurzem ein angeblich 15000 Mann starkes französisches Corps in der Umgegend von Roermonde steht, und die Garnison von Geldern Verstärkung an Cavallerie erhalten hat. Ich habe mich deshalb entschlossen, unerwartet gegen die Maas vorzugehen, mich der 30 Stadt Roermonde wieder zu bemächtigen*), und zwischen dieser Stadt und Jülich die Roer zu passiren, um den Feind zum Rück zuge von Caster nach Cöln zu zwingen und seine Diversion gegen die Maas nutzlos zu machen. Es könnte dies eine zweite Schlacht herbeiführen, allein ich halte es für besser sie zu wagen als wieder zurückzugehen. Ich werde mich die nächste Nacht in Bewegung setzen; überhole ich den Feind, von dem ich nicht weit und nur durch die Erft getrennt bin, nur um einen einzigen Marsch, so glaube ich hierdurch schon viel gewonnen zu haben. Die englische Verstärkung wird sobald noch nicht an kommen können, die Dauer der Ueberfahrt über das Meer ist höchst ungewiß und der Marsch von Emden hierhin etwas weit. Ist dieselbe jedoch eingetroffen, so wird die große Ungleichheit der Streitkräfte dem Feinde gegenüber verschwinden und ich in den Stand gesetzt sein weiter vorzudringen.“ Ein späteres Schreiben an Lord Holdernesse vom 28. Juli enthält noch einige Angaben über diesen Gegenstand. Nachdem die Besorgniß ausgesprochen ist, daß das französische Corps an der Maas sich über Geldern gegen Rees wenden möge, heißt es darin: „Ich glaubte irgend eine Maßregel ergreifen zu müssen, um den Feind zum Aufgeben seiner Position zu veranlassen, damit, wenn es wirklich zu einer zweiten Schlacht kommen sollte, ich diese mit weniger Gefahr liefern könnte, als wenn ich denselben in seinem Lager bei Frauweiler angreifen würde; zugleich wollte ich ihn auch der Vortheile berauben, die ihm diese Stellung verschaffte. Das einzige Mittel um diesen Zweck zu erreichen, schien mir in der Annäherung an die Maas zu liegen. Dem einmal gefaßten Plan folgte die Ausführung auf dem Fuße nach. Noch am 23. Juli Abends marschirte der Oberst von Linstow mit 200 Grenadieren und 200 Pferden nebst den unternehmenden Luckner'schen Husaren aus dem Lager ab gegen Roermonde. Die Franzosen räumten die Stadt bei dessen Annäherung am folgenden Tage. Am 24. Juli um 10 Uhr Abends ließ der Herzog Ferdinand die ganze Armee in's Gewehr treten, und *) Die bei der ersten Expedition des Erbprinzen in Roermonde unter dem Obersten Ramdohr zurückgelassene schwache Besatzung hatte nämlich bei der Annäherung des französischen Corps am 17. Juli den Platz wieder geräumt, der sogleich von den Franzosen besetzt wurde. 31 befahl den Abmarsch in drei Colonnen. Die ganze Nacht hindurch zogen die Colonnen westwärts über Kukum, Jüchen und Wickrath, Erkelenz links liegen lassend, bis nach Wassenberg. Hier wurde am 25. Juli ein neues Lager bezogen, mit dem rechten Flügel gegen die Roer, Front gegen Erkelenz. Die preußische Cavallerie unter dem Prinzen von Holstein auf den Höhen von Orken, und der General von Wangenheim mit 6 Bataillonen und 8 Esca drons an der Erft und dem Uebergange bei Pfaffenmütz, waren zur Deckung des Abmarsches stehen geblieben. Nach erfolgtem Abzuge schlossen sie sich als Nachhut an. Die bei Gnadenthal stehenden Bataillone der Düsseldorfer Garnison marschirten dorthin zurück, wobei jedoch das Bataillon Bückeburg mit dem Bataillon Scheiter tauschte, indem Ersteres nach Düsseldorf zum General Hardenberg ging, während Letzteres, — nicht mit dem Freicorps von Scheiter zu verwechseln — sich dem General Wangenheim anschloß. Der beschwerliche Nachtmarsch war bei schlechtem Wetter, welches die Wege fast grundlos gemacht und den Transport der Bagage und der Artillerie sehr behindert hatte, dennoch glücklich ausgeführt worden, — „jedoch büßten wir auf diesem forcirten Marsch nur 1 Unteroffizier und 4 Mann vom hessischen Regiment Fürstenberg ein, alles übrige, Artillerie und Bagage, kam, ohne großen Schaden erlitten zu haben glücklich im Wassenberger Lager an“ 2c. — sagt der officielle Bericht. Hier, im Lager von Wassenberg, erhielt der Herzog am 27. Juli die Bestätigung seiner schon am 23. ausgesprochenen Ahnung durch einen vom Schlachtfelde von Sandershausen abgeschickten Courier des Prinzen von Isenburg. Bis 7 Uhr Abends hatte das kleine Häuflein der braven Hessen der feindlichen Uebermacht Stand gehalten, dann aber den Rückzug antreten müssen, unverfolgt vom Feinde, der in Cassel und Umgegend stehen blieb. Es ist leicht zu ermessen, welchen Eindruck diese Nachrichten auf den Herzog machen mußten. Mit größter Besorgniß sah er dem weiteren Vorgehen der Franzosen in Hessen entgegen, und diese Besorgnisse waren genügend gerechtfertigt, da fast alle Anordnungen, welche Ferdinand für die Vertheidigung des Landes dort eingeleitet hatte, durch die Sorglosigkeit des hannoverschen Ministeriums nicht zur Ausführung gekommen waren. Weder für die Instandsetzung der Festung Hameln noch für die Bewaff 32 nung der Bewohner des Sollings und für die Organisation eines Schützen= und Jäger=Regiments war etwas geschehen. Bitter beklagt sich der Herzog darüber in einem späteren Briefe an König Friedrich und spricht es sogar aus: daß man bei der Nachricht von der Niederlage des Prinzen Isenburg an nichts weiter gedacht habe, als die werthen Personen des Ministeriums und der gesammten hohen Generalität in Sicherheit zu bringen.“ Der Marquis von Contades glaubte das siegreiche Vorgehen der Armee von Soubise in Hessen nicht unbenutzt vorübergehen lassen zu dürfen. Den Eindruck, welche die Nachricht der Schlacht bei Sandershausen auf den Herzog Ferdinand gemacht haben müsse, hoffte er durch die daran zu knüpfenden eigenen Operationen noch verstärken zu können. Er verließ des halb seine Stellung an der Erft und folgte dem Zuge des Gegners, zunächst durch Entsendungen starker Detachements nach der Niers, um sich mit der Festung Geldern in Verbindung zu setzen. Der Major Dübois von der hannoverschen Reiterei, welcher vom Herzog aus dem Lager von Wassenberg mit 150 Reitern nach Gladbach entsendet wurde, um den Marsch dieser Detache ments zu erkunden und über deren Stärke und Zweck zu berichten, wollte am 28. Juli über Dahlen zurückkehren. Dort fand er jedoch schon feindliche Detachements und bog nach Waldniel aus. Aber auch hier entging er der Aufmerksamkeit des Feindes nicht, sondern wurde in dreifach überlegener Zahl angegriffen und entkam nur mit Mühe nach Roermonde, nachdem er 32 Mann und 31 Pferde eingebüßt hatte. Gleichzeitig lief die Meldung ein, daß die Spitzen der französischen Armee am 28. Juli bei Erkelenz eingetroffen seien. Näheres konnte der Herzog darüber nicht erfahren, da die französischen leichten Truppen, von denen man in der ersten Periode des Feldzuges nur selten beunruhigt worden, jetzt das Lager von allen Seiten umschwärmten, so daß kleinere Detachirungen zum Recognosciren nur unter großer Gefahr des Verlustes gemacht werden konnten. Die Stellung bei Wassenberg wurde unter diesen Umständen immer bedenklicher, um so mehr, da aus den Anordnungen und Bewegungen des Feindes, durch Vorschieben einzelner Abtheilungen und Corps nach Beckerath und Beek, auf Absichten gegen die linke Flanke und somit auf ein Abdrängen von der einzigen Rückzugs= und Verbindungslinie nach dem Rheine der 33 Schluß gezogen werden mußte. Herzog Ferdinand ließ deshalb am 29. Juli Abends das Lager bei Wassenberg abbrechen und marschirte in der Nacht nach Roermonde ab, vom Feinde unbehelligt. Zwischen Roermonde und Schwalmen bezog die Armee an 30. Juli ein neues Lager; der Herzog nahm sein Hauptquartier auf dem Schlosse Hellenrodt. Der Prinz von Holstein mit den 15 preußischen Escadrons blieb vor dem rechten Flügel bei Maasniel stehen, um von dort aus durch die Husaren die Gegend an der Roer und Maas abpatrouilliren zu lassen. Zur Sicherung der linken Flanke sollte General von Wangenheim Brüggen besetzen. In der Nähe angekommen, erfuhr er jedoch, daß der Feind den Ort bereits besetzt habe. Auch Ober=Krüchten war schon in feindlichen Händen und stark besetzt. General von Wangenheim hielt es deshalb für rathsam, nur bis Elmpt vorzugehen und dort ein Lager zu beziehen, von wo aus er sowohl Brüggen als Ober=Krüchten im Auge behalten konnte. Herzog Ferdinand hatte ursprünglich beabsichtigt, sich hier bei Roermonde und an der Maas so lange zu behaupten, bis die englischen, sehnlichst erwarteten Verstärkungen eingetroffen wären; alsdann wollte er einen Zug gegen Lüttich machen, um das von dorther im Anmarsch begriffene feindliche Corps zu schlagen und demnächst dort stehen zu bleiben oder nach Roermonde zurückzukehren. Zu dieser Expedition glaubte er einen Zeitraum von etwa vierzehn Tagen nöthig zu haben. Es lag diese Absicht ganz in dem System des Vertheidigungskrieges welches als Grundsatz aufstellt: seine offensive so weit als möglich gegen den Feind auszudehnen und dann, wenn sich keine Gelegenheit zur weiteren Fortsetzung derselben darbiete, das gewonneue Terrain bis auf das Außerste zu behaupten. Aber die genaueren Berichte über die Ereignisse in Hessen, welche ihm erst hier zugingen, ferner die Nachricht, daß ein französisches Corps unter General Chevert sich, von Cöln aus, Düsseldorf nähere wodurch nicht nur Besorgnisse für die dortige Besatzung, sondern auch für das Corps des General Imhoff bei Rees erweckt wurden, endlich die stete Vermehrung der französischen Detachements an der Niers, wodurch alle Zufuhren gehemmt wurden — alle diese Umstände ließen ihn den Plan gegen Lüttich aufgeben. Dazu kam noch, daß ein bedeutender Mehltransport auf der Maas von den Franzosen genommen wurde, wodurch die Armee 34 in große Verlegenheit gerieth, da die Verpflegung nur nothdürftig noch bis zum 5. August ausreichte, und die Meldung, daß auch schon über Crefeld feindliche Abtheilungen vorgingen und die Transporte angriffen, welche von Rees zur Armee geführt wurden. Nur zwei Auswege blieben übrig, um sich aus der augenblicklich schwierigen Lage herauszuziehen: entweder mußte er den Gegner zur Schlacht zwingen, deren Ausgang alsdann das Weitere bedingen werde, oder schleuniger Abzug und Rückmarsch über den Rhein. Welchen dieser Auswege der Herzog wählte, kann nach dem, was wir bisher von Ihm gesehen, kaum zweifelhaft sein. „Der Faden scheint mir sehr verwirrt zu sein“ — schreibt er am 30. Juli an den König — „um ihn mit Leichtigkeit wieder entwirren zu können; sollte ich denselben jedoch mit Gewalt zerschneiden müssen, welche Hoffnung auf Erfolg läßt sich wohl hegen, wenn ich mit so ungleichen Kräften, besonders an Cavallerie, mich zu schlagen gezwungen bin und wenn noch außerdem diejenige, auf welche ich am meisten zählen muß, abbe rufen wird?") — — Doch gebe ich mich noch immer der Hoffnung hin, daß die Dinge eine bessere Wendung nehmen werden. Meine Bewegung nach der Maas scheint den Feind in Verwirrung zu bringen; sollte es nothwendig werden ihm eine Schlacht zu liefern, so habe ich allen Grund zu hoffen, daß ich mit Glück aus derselben hervorgehen werde, nachdem ich ihn der Vortheile beraubt habe, die ihm seine hinter der Erft genommene Stellung gewährte“ 2c. Die Besetzung von Brüggen, ganz in der linken Flanke der Armee, war dem Herzog höchst ungelegen; der Feind mußte nothwendig dort vertrieben werden. Da die Brücke über die Schwalm bei Brüggen vom Feinde abgebrochen war, so konnte General Wangenheim von Elmpt aus keinen günstigen Angriff auf die Stellung unternehmen. Wiederum war es der junge Erbprinz, dem die Ausführung dieser Expedition anvertraut wurde. ) Es bezieht sich diese Stelle auf die vom Könige verlangte Rücksen dung der 15 preußischen Escadrons. Unter dem 14. August antwortet Frie drich aus Liegnitz, daß er vorläufig noch davon absehen wolle, und fügt hinzu: „Wenn es auf eine Schlacht ankommt, so werde ich mit Vergnügen erfahren, daß Sie sich meiner Dragoner bedient haben.“ 2c. 35 Mit 6 Bataillons und 10 Schwadronen sollte er vom Lager aus, auf dem rechten Ufer der Schwalm, gegen Brüggen vorgehen und General Wangenheim, der von Elmpt zurückbeordert wurde, sollte als Unterstützung folgen. Am 31. Juli brach der Erbprinz auf, vertrieb die französische Abtheilung aus Brüggen im ersten kräftigen Anlauf und bezog ein Lager zwischen Brüggen und Bracht, eine starke Avantgarde bis nach Born vorschiebend. Am 31. Juli ging dem Herzog die Meldung zu, daß die französische Armee sich in Bewegung gesetzt habe und bei Dahlen stehen solle, mit der Avantgarde bei Gladbach und einer starken Abtheilung zur Flankendeckung bei Waldniel. Sichere Nachrichten waren schwer zu erlangen, da die Franzosen sich gleichsam mit einer Atmosphäre von leichten Truppen und Cavallerie=Detachements umgeben hatten, welche jede Annäherung der Patrouillen vereitelten. Soviel aber war aus den Bewegungen des Feindes und der Marschrichtung zu errathen, daß Contades beabsichtigte, durch allmäliges Vorschieben seiner Corps den Verbündeten den Rückweg nach dem Rheine nach und nach zu verlegen und ihnen dann, wenn dies gelungen, in Verbindung mit dem von Lüttich anrückenden Corps von zwei Seiten auf den Leib zu gehen. Durch diese Combination wäre der Herzog allerdings in eine schlimme Lage gekommen, aus welcher, in Betracht der feindlichen Ueberzahl, nur ein Ausweichen auf holländisches Gebiet ihn hätte retten können. Daß Ferdinand diesen Ausweg auch in Erwägung gezogen, geht aus seiner Correspondenz hervor, aber er betrachtete ihn nur als alleräußerste Maßregel, und zog es jedenfalls vor, erst noch durch eine Schlacht sein Heil zu versuchen. Noch mehr wurde der Herzog in seinem Glauben über die Absichten des Feindes bestärkt durch einen Angriff, welcher am 1. August bei Tagesanbruch auf die bei Born stehenden Vorposten gemacht wurde. Er ließ sogleich die ganze Armee in's Gewehr treten, um nöthigenfalls dem Erbprinzen zu Hülfe zu eilen. Dieser wies jedoch mit seinen 6 Bataillonen und 10 Schwadronen den Angriff zurück und behauptete die Position von Born. Um 10 Uhr rückte die Armee wieder ins Lager ein. Jetzt aber hielt der Herzog den Augenblick für geeignet, durch einen kühnen Vormarsch gegen den Feind den „vielfach geschürzten 36 Knoten gewaltsam zu zerhauen,“ und in diesem Sinne traf er feine Anordnungen. Am 1. August Abends rückte die Armee abermals aus dem Lager, aber diesmal mit vollständigem Aufbruch, und marschirte in drei Colonnen links ab. Der Marsch wurde unmittelbar an der Maas in der Richtung auf Kaldenkirchen eingeschlagen, um die feindlichen Spione über die eigentliche Absicht zu täuschen und sie glauben zu machen, es handle sich um den Rückmarsch nach dem Rheine. Nachdem die Schwalm überschritten war, erhielten jedoch die Colonnenspitzen den Befehl, sich rechts zu wen den und über Brüggen in der Richtung auf Waldniel und Dülken zu gehen. Der Erbprinz führte die rechte Flügelcolonne zunächst der Schwalm, welche zugleich als Avantgarde diente. Er hatte Waldniel noch nicht erreicht, als er am 2. August früh Morgens mit dem Feinde zusammenstieß. Ein französisches Detachement von 500 bis 600 Mann Grenadiers de France nebst Dragonern und Husaren unter General Chabot war es, welches hier dem Erbprinzen den Weg verlegte. Dieser griff sogleich an und Chabot mußte weichen, jeden Schritt des Terrains hartnäckig vertheidigend. Es war dies in der That die Flankendeckung der französischen Armee gewesen, denn auch Contades hatte sich am 1. August in Marsch gesetzt, um von Dahlen nach Dülken vorzugehen. Er war mit der Spitze in der Nähe von Hardt angekommen, als das Gefecht in der linken Flanke ihn zum Stillstehen veranlaßte. Der unglückliche Verlauf desselben bewog ihn umzukehren und bis Dahlen zurückzugehen, denn in diesem Punkte folgte er der Strategie seines Vorgängers: er wich der Schlacht aus, vielleicht in noch zu frischer Erinnerung an Crefeld. Auch Ferdinand machte Halt, da er einen Hinterhalt befürchtete, und wollte zunächst Gewißheit über die Stellung des Feindes haben. Dieser ließ sich jedoch nicht blicken, und alle auf Kundschaft ausgesendete Patrouillen kehrten unverrichteter Sache zurück, da sie überall auf stärkere feindliche Pikets stießen, welche jedes nähere Herankommen verhinderten. Der ganze Tag verlief mit Manövriren um den Feind hervorzulocken, aber vergebens, er kam nicht zum Vorschein, so daß der Herzog gegen Abend ein Lager zwischen Waldniel und Dülken beziehen ließ. 37 Die Diversion, welche der General von Chevert am Rheine ausführte, hatte die Lage der Verbündeten noch schwieriger gemacht. Chevert, einer der thätigsten und geschicktesten französischen Generale, war nämlich mit 9 Bataillonen, 4 Escadrons und 12 Geschützen am 30. Juli von Deutz abmarschirt, hatte zwischen Deutz und Mülheim den Rhein überschritten und sich auf dem linken Ufer gegen Neuß gewendet. Bei Grimlinghausen kehrte er jedoch auf das rechte Ufer zurück und schloß Düsseldorf ein. Als General von Hardenberg die Aufforderung zur Uebergabe zurückwies, begnügte sich Chevert damit, die Rheinbrücke durch Flöße und Brander, welche von Benrath abgelassen wurden zu zerstören und zog den 1. August weiter. Am 2. August, an dem Tage, wo Contades auf der Haardter Haide sich dem Angriff des Herzogs entzog, war Chevert in Duisburg, Ein Blick auf die Karte genügt, um die ganze Gefahr, welche dieser Marsch für den Rückzug der Verbündeten über den Rhein hätte haben können, deutlich zu machen. Doch kehren wir zur Hauptarmee zurück. Allgemein war die Ansicht im Lager der Verbündeten ver breitet, daß es am 3. August unfehlbar zur Schlacht kommen werde. Alle wurden noch in diesem Glauben bestärkt, als der Herzog schon um 3 Uhr Morgens in's Gewehr treten ließ, und sich bald wieder gegen Waldniel in Bewegung setzte. Man bekam zwar heute den Feind zu Gesicht, aber aus allen Bewegungen desselben ging klar hervor, daß Contades abermals der Schlacht ausweichen wolle. Der letzte auf den Brodwagen mitgeführte Lebensmittel = Vorrath der Verbündeten auf drei Tage war am Abend des 2. August ausgegeben worden; neue Zufuhren waren nicht mehr zu erwarten, da die feindlichen Parteigänger schon das ganze Land an der Niers durchstreiften; wegen einer plötzlich eingetretenen Ueberschwemmung des Rheines war die Brücke bei Rees ungangbar geworden und jede Communication mit General Imhoff unterbrochen. Da änderte der Herzog Ferdinand seinen Entschluß, einen Feind, der sich augenscheinlich nicht schlagen wollte, zur Schlacht zu zwingen, und traf um 8 Uhr Morgens die nöthigen Anordnungen, um sich durch einen Gewaltmarsch dem Bereich des Feindes zu entziehen; er befahl den Rückzug nach dem Rheine. 38 IV. Hiermit hätten wir — strenge genommen — unserm Vorsatz genügt, dem geehrten Leſer eine Schilderung der vor mehr als hundert Jahren an der Erft und Roer stattgehabten kriegerischen Scenen zu entwerfen; allein wir können es uns nicht versagen, in einem vierten Abschnitte noch mit diesem Rückzuge nach dem Rheine uns zu beschäftigen, um das einmal begonnene Werk zu einem bestimmten Abschluß zu bringen. Dieser Rückzug, den die verbündete Armee unter den ungünstigsten Verhältnissen ausführte vom überlegenen Feinde fast umringt und mitten zwischen den beiden noch in feindlichen Händen befindlichen Festungen Geldern und Wesel, auf schwierigem Terrain kühn hindurch brechend, gehört nicht nur zu den gelungensten Operationen dieses Feldzuges, sondern des ganzen siebenjährigen Krieges. Nicht in dem kühnen Vorgehen und im Schlagen allein besteht die große Kunst des Feldherrn: auch die geschickten Combinationen, die richtigen Anordnungen eines Rückzuges im Angesicht eines, namentlich an Reiterei, so überlegenen Feindes, bekunden den erfahrenen Strategen. Herzog Ferdinand von Braunschweig hat durch diesen Rückzug eben so viel beigetragen zu seinem Feldherrnruhm, als durch den Rheinübergang und den Vormarsch bis an die Erft und Roer. Bis zum letzten Augenblick auf eine vielleicht günstigere Wendung seiner Lage wartend, und erst durch Ereignisse gezwungen, für welche ihm nicht die Verantwortlichkeit zufällt, tritt er den Rückzug an — vorher aber noch den Versuch machend, durch einen Offensivstoß den ihm ganz nahe gegenüberstehenden Feind sich vom Leibe zu halten, um dadurch, ehe dieser sich dessen versieht, einen Vorsprung zum Rückzuge zu gewinnen. Wir lesen in den Berichten, daß die Gründe der deßhalb zusammenberufenen Generale den Herzog zum Rückzug bestimmt hätten. Gewiß hat er die Ansichten seiner Generale gehört in 39 Bezug auf den Zustand der Truppen überhaupt, um danach die Möglichkeit einer guten Ausführung seiner Pläne zu bemessen, daß diese ihn jedoch zum Beschlusse des Rückzuges bestimmt haben sollen, glauben wir bezweifeln zu dürfen. — Herzog Ferdinand war nicht der Mann langer Berathungen; er huldigte dem Ausspruche des Prinzen Eugen, welcher behauptet: „ein General, der Lust habe Nichts zu thun, brauche nur einen Kriegsrath zu halten.“ Die Instruction Friedrich's des Großen an seine Generale, worin es u. A. heißt: „ein General dem der Fürst seine Truppen anvertraut hat, muß aus sich selbst handeln, und das Vertrauen, welches der Fürst in das Verdienst dieses Generals setzt, ermächtigt ihn dazu, Alles nach seiner Einsicht zu vollführen“ 2c. — war für die Handlungen des Herzogs allein maßgebend, und Alles, was er anordnete ging aus seinem eigensten Feldherrngenie hervor; Ferdinand bedurfte keines Kriegsraths. Die Wahl des Führers und der Truppen zur Avantgarde war von ganz besonderem Gewicht. Man hatte auf dem Rückzuge die starken Terrain=Abschnitte der Niers und die Bruchnicderung von Aldekerk zu überschreiten, und konnte nicht wissen wie weit und in welcher Stärke die feindlichen Detachirungen dort vorgedrungen wären, da alle Verbindung rückwärts seit mehreren Tagen unterbrochen war. Wer war wohl zur Lösung dieser schweren Aufgabe geeigneter, als der junge Erbprinz? Ihm übertrug der Herzog auch den Befehl der Vorhut, und traf eine ebenso sorgfältige Auswahl der dazu bestimmten Truppen. Es waren zunächst die Grenadiere, diese aus den Bataillonen herausgezogenen Elite=Compagnien; dann die hannoverschen Bataillone Rheden und Oberg, welches in der Fahne einen sich ins Meer stürzenden Löwen mit Donnerkeil führte und der Devise: lieber sterben als verderben! Von der Reiterei erhielt der Erbprinz die hessischen blauen Leibdragoner, welche sich später, in der Schlacht bei Minden, den zwar nicht poetischen aber charakteristischen Namen „Fleischhacker“ erwarben, und das hannoversche Dragoner Regiment von Bock. Unter ihm führten die Generale Oberg und Wangenheim die Infanterie, der hessische General von Urff die Reiterei. Nicht minder wichtig erschien die Führung der Nachhut, da vorausgesetzt werden mußte, daß der Feind, sobald er den Abzug 40 erfahre, heftig nachdrängen werde. Auch hierzu fehlte es nicht an der geeigneten Persönlichkeit. Der preußische General Prinz von Holstein hatte, nicht minder als der Erbprinz von Braunschweig, bei jeder Gelegenheit Beweise einer ebenso großen Umsicht als persönlichen Tapferkeit gegeben. Ihm übertrug der Herzog den Befehl der Nachhut und gab ihm zu den 15 preußischen Schwadronen Dragoner und Husaren noch das Scheitersche Freicorps und die Husaren von Luckner, ebenso unternehmende als in jeder Beziehung brauchbare Truppen, welche namentlich als Parteigänger schon Vorzügliches geleistet hatten; die Garnison von Roermonde unter dem Obersten von Linstow sollte sich ihnen anschließen. Während dieser Anordnungen war die Feldbäckerei angewiesen worden nach Roermonde zurückzugehen und dort — zum Schein — die Backöfen aufzuschlagen, damit der Feind zu dem Glauben verleitet werde, die Armee werde noch länger dort stehen bleiben. Gegen Mittag setzte sich dann der Erbprinz mit der Avantgarde in Marsch, anfänglich in der Richtung auf Roermonde, wandte sich aber alsdann rechts auf Kaldenkirchen und Wachtendonk, um dort die Niers zu überschreiten, welche an keinem anderen Punkte oberhalb Geldern zu passiren war. Wachtendonk war schon vom Feinde mit einer Abtheilung von etwa 500 Mann besetzt, die Brücken waren aufgezogen und die Thore dieser früher nicht unbedeutenden Festung geschlossen. Die Spitzen der Avantgarde wurden von einem heftigen Feuer empfangen. Ohne sich lange zu besinnen stürzte der Erbprinz an der Spitze seiner Grenadiere in die Niers und vertrieb die Thorwache mit dem Bajonnett, ehe die Besatzung sich sammeln konnte. Die Brücken wurden niedergelassen, das Gros der Avantgarde rückte in die Stadt ein und jagte den Feind zum entgegengesetzten Thore hinaus. Alle Posten wurden besetzt und dem Herzog die Meldung zugeschickt, daß die Passage offen wäre. Zugleich wurden Arbeiter aufgeboten, um die durch anhaltenden Regen fast ungangbar gewordenen Dämme und Wege auszubessern. Der Herzog war mit der Armee in einiger Entfernung der Avantgarde gefolgt und traf mit Sonnenuntergang vor Wachtendonk ein. Sämmtliche Bataillone und Escadrons passirten noch vor Einbruch der Nacht die Stadt und ruhten auf dem jenseitigen Ufer der Niers aus, bis die Artillerie, die Bagage und auch die 41 wieder herangezogene Feldbäckerei den Fluß überschritten hatten. Der Durchzug dieser Colonnen durch die Stadt nahm die ganze Nacht in Anspruch. Der Prinz von Holstein blieb mit der Nachhut bei Herongen stehen, wo am andern Morgen mit Tagesanbruch der Oberst von Linstow mit der Garnison von Roermonde eintraf, der sich in der Nacht den die Stadt bereits einschließenden Franzosen glücklich entzogen hatte. Die Nachhut war vom Feinde nicht beunruhigt worden. Früh am 4. August setzte der Herzog sich wieder in Marsch und erreichte Mittags Rheinberg, wo das Lager aufgeschlagen wurde. Der Marsch war sehr beschwerlich gewesen, da die Wege durch das Eyler= und Aldekerker=Bruch, trotzdem daß die ganze Nacht an deren Herstellung gearbeitet worden, sehr schlecht waren. Erst mit Einbruch der Nacht trafen die letzten Abtheilungen im Lager ein. Die Nachhut unter dem Prinzen von Holstein erreichte erst am folgenden Tage, 5. August, Kloster Camp und nahm daselbst Stellung. Sie war abermals auf dem Marsche nicht angegriffen worden, obgleich französische Berichte angeben, daß gerade an die sem Tage der General Graf St. Germain mit etwa 6000 Mann Aldekerk passirt habe, um ein Lager unter den Kanonen von Geldern zu beziehen.*) Im Lager bei Rheinberg fand der Herzog eine Nachricht welche ihm große Besorgnisse einflößte: es war die Meldung des General von Imhoff, daß der General von Chevert mit 14 Bataillonen und mehreren Escadrons die Lippe bei Wesel überschritten habe, und gegen Rees im Anmarsch sei. Imhoff hatte nur 6 Bataillone und 4 Escadrons zur Verfügung. Verstärkung konnte ihm nicht zugeschickt werden, da die Brücke bei Rees durch Ueberschwemmung ungangbar geworden war und überdies die fast übermüdeten Truppen nicht weiter marschiren konnten. Am 5. August entsendete jedoch der Herzog den General von Wangenheim mit 3 Bataillons und 4 Escadrons nach Xanten, um dem General Imhoff näher zu sein, mit der Weisung, unter allen Umständen den Versuch zu machen, auf das rechte Rheinufer zu gelangen. *) Wir haben also hier das Vorspiel zu dem bekannten Chassé-croisé welches Engländer und Franzosen mit den Russen nach der Alma=Schlacht bei dem Marsche auf die Südseite von Sebastopol aufführten. 42 Ehe dies zur Ausführung kommen konnte, war indessen dort die Sache bereits entschieden. Am 5. August gegen 8 Uhr Morgens hatten die am 4. August Abends schon aus Wesel aus marschirten Franzosen die Vorposten des General von Imhoff bei Hingendahl und dem Laackmannshofe unweit Mehr angegriffen aber nach kaum halbstündigen Kampfe hatte Imhoff den Feind total geschlagen und zur Flucht genöthigt; 24 Offiziere und 384 Mann Gefangene nebst 11 Geschützen waren die Trophäen dieses schnellen Sieges. Die Magazine, die Kriegskasse und die Brücke bei Rees waren gerettet, und die braven Bataillone: Stolzenberg von den Hanoveranern, Erbprinz und Tolle von den Hessen, zwei Bataillone Imhoff von den Braunschweigern und das Sachsen=Gothaische Bataillon, waren durch diese That dafür entschädigt, daß sie nicht an dem Kriegsruhm hatten Theil nehmen können, den ihre Kameraden sich bei Crefeld entworben hatten. Nachdem der Herzog mit der Armee am 6. August von Rhein berg nach Xanten marschirt und in einem dort geschlagenen Lager am 7. einen Ruhetag gehalten hatte, wurde am 8. August in aller Frühe der General von Diepenbrock mit 2 Bataillonen und 2 Escadrons nach Griethuisen entsendet. Dorthin hatte man die bei Rees abgebrochene Brücke abgeführt um sie unweit dieses Ortes, am Spyk, wieder aufzufahren, wo der Uebergang bewerkstelligt werden sollte. Der Prinz von Holstein mit der um 4 Bataillone (3 hessische und 1 hannoversches) unter dem alten General von Gilsa verstärkten Arrieregarde, war schon von Closter Camp nach Sonsbeck gerückt, zur Deckung gegen das bei Geldern im Lager stehende Corps des Generals St. Germain, und wieder standen sich hier die Führer gegenüber, welche bei Crefeld so scharf an einander gerathen waren. Der Herzog mit der Armee folgte dem General von Diepenbrock gegen Mittag und bezog mit Einbruch der Nacht ein Lager bei dem Schlosse Moyland, während der Prinz von Holstein von Sonsbeck aufbrach und eine neue Stellung hinter der Niers bei Heidhausen, zwischen Uedem und Goch einnahm, wo er ganz geeignet stand, um dem Feinde sich entgegenwerfen zu können, wenn derselbe irgendwo den Versuch machen sollte über die Niers zu gehen und etwa auf Cleve zu marschiren. Am 9. August um 7 Uhr Morgens waren die Brücken bei Griethuisen fertig. General von Fürstenberg mit dem unter Die 43 penbrock herangezogenen Detachement ging sogleich über und marschirte längs des Rheindammes nach Emmerich, gefolgt von der schweren Artillerie, welche unter der Escorte der beiden Bataillone der hannoverschen Garde nach kurzer Ruhe aus dem Lager von Moyland wieder aufgebrochen war. Um 6 Uhr früh hatte der Herzog die Armee ins Gewehr treten lassen, und sie in vier aus Infanterie und Cavallerie bestehende besondere Abtheilungen formirt. Um 11 Uhr erreichte die erste Abtheilung Griethuisen und der Uebergang begann. Die anderen Abtheilungen folgten und das Defiliren über die Brücke dauerte bis in die späte Nacht, dann folgte die Bagage. Eine unter General von Grote aus den Grenadieren in 3 Bataillonen formirte Arriere=Garde, der sich das Detachement unter dem Prinzen von Holstein anschloß, so daß 7 Bataillone und 20 Escadrons, nebst dem Scheiterschen Freicorps, den Lucknerschen Husaren und den Jägern vereinigt waren, deckten den Uebergang. Erst den 10. August Abends kam auch an sie die Reihe über den Rhein zu gehen, und die äußersten Spitzen mußten sich noch mit einzelnen feindlichen Streifparteien herumschlagen. Der Marquis von Contades war nämlich bis zum 8. August in seinen Stellungen bei Dahlen und Gladbach ruhig stehen geblieben; er schien den Feind ganz aus den Augen verloren zu haben. Am 10. August bezog er ein Lager auf der Bönninghardt, zwischen Alpen und Sonsbeck. Eine Avantgarde unter General von Armentières wurde bis Cleve vorgeschoben und fand die feindliche Nachhut noch im Uebergange über den Rhein begriffen. Zu schwach um einen geordneten Angriff auf dieselbe zu machen, begnügte er sich damit, kleine Streifparteien vorzuschieben und eine Batterie auffahren zu lassen, um der abziehenden Colonne noch einige Schüsse nachzusenden. Daß es zu keinem ernstlichen Zusammenstoß gekommen ist, beweisen die fünf Verwundeten des Scheiterschen Freicorps und des Bataillons Kielmannsegge, als ganzer Verlust den die Verbündeten bei diesem Rhein übergange erlitten. Auf den Höhen von Elten bezog der Herzog das Lager, und nahm sein Hauptquartier im Stift. Von hier aus hatte er am 1. Juni den kühnen Uebergang über den Rhein unternommen, hierhin kehrte er nach stark zwei Monaten unbesiegt zurück. Nachdem der letzte Zug die Brücke überschritten hatte, wurde 44 dieselbe unter dem Schutze der auf dem rechten Ufer aufgefahrenen Batterieen abgebrochen, und die reich belohnten Schiffer gingen mit ihren Fahrzeugen wieder in den Panderschen Canal zurück, wo sie auf neutralem holländischen Gebiet gesichert waren. Am 10. August hatte auch General von Hardenberg sich genöthigt gesehen Düsseldorf zu räumen und sich nach Lippstadt abzuziehen. Contades dirigirte sich mit der Hauptarmee auf Wesel, überschritt dort in den Tagen vom 11. bis 17. August den Rhein und bezog unter den Kanonen der Festung ein Lager, in welchem er bis zum 19. August stehen blieb, und dann, nach einigen Hinund Herzügen am 25. August in das Lager von Recklinghausen rückte, in welchem er den ganzen Sommer bis zum 5. Oktober stehen geblieben ist. Der Marschallsstab war der Lohn für die Vertreibung (?) des Feindes vom linken Rheinufer. Unterdessen hatte der Herzog sich auch genöthigt gesehen, seinen Rückzug weiter fortzusetzen, da die Marschrichtung des Feindes die Lippe aufwärts auf die Absicht einer Vereinigung mit der durch Würtemberger und Sachsen verstärkten Armee des Prinzen Soubise in Hessen schließen ließ. Als aber vom 14. bis 21. August die Vereinigung mit den Engländern, welche endlich unter Lord Marlborough am 8. August in Lingen eingetroffen waren zu Stande gekommen war, blieb er hinter dem starken Terrainabschnitt von Dülmen und Coesfeld stehen, und wartete dort die weiteren Maßregeln des Feindes ab. Schon dachte der nunmehrige Marschall Contades daran nach dem Rheine zurückzugehen um dort Winterquartiere zu beziehen, als er in Folge der Beschwerden der Kaiserin vom Hofe die Weisung erhielt, irgend eine Offensivbewegung zu unternehmen. Anfangs October zog er langsam nach Hamm an der Lippe. Herzog Ferdinand folgte dieser Bewegung seitwärts über Münster um Lippstadt zu decken, welches nun auch von Hessen aus durch Soubise bedroht war, der den ihm gegenüberstehenden General Oberg am 10. October bei Lutternberge zurückgeworfen hatte Hier, an der Lippe und Ahse, finden wir eine Wiederholung der gegenseitigen Märsche und Contremärsche, wie wir sie früher an der Erft und Roer gesehen, bis endlich in den ersten Tagen des November die Franzosen den Rückzug über Düsseldorf und Wesel antraten, um in aller Ruhe ihre Winterquartiere auf dem linken Rheinufer wieder aufzusuchen. Contades war zwar vom Mar 45 schall von Belle=Isle schon unter dem 26. September für den Fall eines Rückzuges dahin instruirt worden, das Land zu verheeren, — pour faire un désert de toute la Westphalie depuis Lippstadt et Munster jusqu' à la Lahn d'une part, et de l'autre depuis la haute Lippe jusqu' à Cassel, afin que les ennemis se trouvent dans l'impossi bilité de se porter sur le Rhin et la basse Ruhr — allein der Prinz von Holstein mit den preußischen Husaren und Dragonern saß ihm dergestalt auf den Fersen, daß es ihm zur Ausführung dieser freundlichen Absichten, welche namentlich die Gebiete von Münster, Paderborn und das Herzogthum Westphalen — also hauptsächlich die Länder eines mit Oesterreich und Frankreich verbündeten Reichsfürsten, des Curfürsten von Cöln, — betroffen haben würden, an Zeit gebrach! Das ganze linke Rheinufer war nun wieder in den Händen der Franzosen, welche sich beeilten auch Düsseldorf wieder zu besetzen, sobald General von Hardenberg abgezogen war. Hätte Contades gleich eine bedeutende Streitmacht auf das rechte Rheinufer geworfen, um sich mit Soubise in Hessen zu vereinigen, und hätte dieser, nachdem er die Schwäche des ihm dort entgegenstehenden Wiederstandes erkannt haben mußte, sein weiteres Vorgehen energisch fortgesetzt, so hätte für die Verbündeten große Gefahr entstehen können. Daß beides nicht geschah, könnte nur als ein gänzliches Verkennen der Sachlage Seitens der französischen Generale betrachtet werden, wenn nicht andere Gründe vorlägen, welche einiges Licht über diese Verhältnisse verbreiten. Es war Frankreich nicht mehr recht Ernst mit dem Kriege. Zwar wollte Ludwig XV. sich den Schein bewahren, daß er den in dem Tractat mit Oesterreich übernommenen Verpflichtungen treu lich nachkomme, aber bei der Erschöpfung der französischen Finanzen und bei dem durchaus nicht glänzenden Zustande der Armee, wollte er auch nicht zu große Opfer bringen und sich auf große Unternehmungen einlassen, welche leicht mißlingen konnten. Die Armee ernährte sich jetzt auf Kosten der besetzten Länder und der Hauptzweck war erreicht: man war im Besitz des linken Rheinufers! Denn wenn auch General Dümouriez erst 1791 zuerst der Theorie der „natürlichen Grenzen am Rhein und an den Alpen“ in Worten Ausdruck gegeben hat, so beweisen doch die Raubkriege Ludwig's XIV. und seine berüchtigten Reunions 46 Kammern, daß der Gedanke schon weit früher sich Bahn zu brechen suchte. Nur zwei Monate und zehn Tage hatte der kurze Traum der Befreiung von französischem Joche gedauert, dem die preußischen Länder auf dem linken Rheinufer sich ergeben hatten. Nur zu bald nahmen die Contributionen und Plakereien der französischen Intendantur=Beamten wieder überhand, und zur Bestreitung der Bedürfnisse aller Art, welche verlangt wurden, sah sich die Clevische Regierung in die Nothwendigkeit versetzt, auf neue Einnahmequellen zu sinnen und eine „monatliche personelle General Imposition“ — eine Art von classificirter Einkommensteuer vorläufig auf drei Monate, bei den Landständen zu beantragen. Interessant in culturhistorischer und finanzwissenschaftlicher Beziehung dürfte Einiges aus der zur Veranlagung und Erhe bung dieser Steuer unter dem 1. September von der Regierung erlassenen Verfügung sein. Indem wir daher zum Schlusse unserer Arbeit einige Punkte daraus hervorheben, glauben wir gewissermaßen dem nicht militairischen Leser dadurch eine Entschädigung bieten zu können für die Nachsicht, mit welcher derselbe den bisherigen strategischen und taktischen Erörterungen seine Aufmerksamkeit geschenkt hat. „Nachdem aller vorhero geschehener Impositionen ohnerachtet dennoch viele Schulden, wegen geschehener Lieferung an die Königl. Französische Armée, nicht nur unbezahlt zurückstehen heißt es in dem Einführungs=Decret — „sondern auch bei der Reoccupirung dieser Lande durch die K. Franz. Trouppen täglich neue Ausgaben vorkommen und zu deren Beischaffung unumgänglich Gelder erfordert werden; man aber durch den ordinairen Matriculair-Fuß nichts weiter aufzubringen sich im Stande gesehen, und dannenhero sich genötiget gefunden, eine monatliche personelle General-Imposition in Vorschlag zu bringen, solche auch von den convocirten Clevischen Löblichen Landes=Ständen genehm gehalten worden, mithin diese vor jetzo wegen der pressanten Nothwendigkeiten auf drei Monat gesetzet werden muß, so“ u. s. w. Die beigefügte „Instruction vor die Magisträte in denen Städten und die Receptoren auf dem platten Lande,“ schreibt diesen den Modus der Einschätzung vor, „wie sie solches vor „GOTT, der allerhöchsten Landesobrigkeit und ihrem eigenen „Gewissen verantworten können, maßen ihnen oblieget, niemanden 47 „zu hoch oder gering anzusetzen, vor allen Dingen auch auf die„jenige, welche bei den jetzigen Zeiten durch Handel oder sonst „viel gewonnen, ihr Augenmerk zu richten, gestalt, wenn darüber „Recherches angeleget werden oder Klagen einkommen sollten, „sie darüber nachdrücklich bestrafet, und wenn ein oder anderer „zu gering angesetzet, zur Bezahlung des Tripli aus ihren eigenen „Mitteln angehalten werden sollen: dahingegen aber auch die „Versicherung ertheilet wird, daß wenn jemand ungebürlich über „sie klagen sollte, die Bestrafung zu ihrer Satisfaction nicht aus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „bleiben wird“ Endlich ist als Anhaltspunkt zu der Einschätzung eine Classification angeschlossen, welche die Höhe der Beiträge in den festgestellten sieben Classen und die näheren Verhältnisse der Beitragenden feststellt. Darnach gehören u. A: Praesidenten, Directoren, Grafen, „Zur 1. Classe, à 10 Rthlr., Barons 2c. „ „ 2. „ à 8 Rthlr., Weinwirthe, Assessores, Pro fessores, Fuselbrenner 2c. „ „ 3. „ à 6 Rthlr., Scheffen, Prediger, Maler, Tanz meister, Notarii 2c. „ „ 4. „ à 4 Rthlr., Referendarii und Auscultatores Köche, Land=Trompeter, Schweine schneider, Schornsteinfeger=Meister, Höcker und Höcker=Weiber 2c. „ à 2 Rthlr., Demoiselles, Haushälterinnen, Kutscher, Jäger, Postillons, Universitaets- und Gymnasiorum Pedellen 2c. „ „ 6. „ à 1 Rthlr., Kötter und Leibzüchter, Näherin nen, Briefträger, Schulmeister, Küster und Organisten, Bar bierer 2c. „ „ 7. „ à 30 Stüber: Tagelöhner, Handwerksburschen, Pförtner 2c. Scharfrichter und Abdecker sind vorhaupts jeder à 2 Rthlr., deren Knechte zu 1 Rthlr., anzusetzen. Juden müssen nach Proportion ihres Vermögens und Gewerbes nach denen darüber vorhandenen Tabellen contigentiret werden 2c. Ausgenommen sind nur diejenigen, welche aus Armenmitteln leben. n . . . . . . . . . . . né à l’établissement, . . . . Herougen ✓ Wachłendonk S Duisburg Wachłendonk O Herongen 5 St. Hubert Hül *Venlo ✋ Kempen Gefeld Verdingen Võ Kaldenkÿchen St. Tönis à 6 Linn . o Breijel Lande 6 Vorst Südstel Brach 23 Firchen n Ratingen Kaiserswerth S Anrath ⛪ S O Vierssen Willich Schwalmen 5 Dülken [unclear] J Hellenradh Schmalen Bruggen Born Neerserti Niod. Maasniel Casseli De N & Waldniel O Elnyt Heerdtö Roermonde Kleinenbroich 6 Bilh o Haardt Gladbach Ö Büllgen o Hannu Ob. Krüchten Glehn #Neus Rheidt Grimlinghausen & St Nicolas Damms Ewelrath Gnadenthal Schl. Dey 5 Benrath Aldenhoven Dahlen Hofrheim Beeck Odenkirchen Effeld ✓ Wickrathe Pfaffewnitz & Ophoven Kelzenberg Uderath Q Wassenberg Hemmerden Appell. Beckerath O Bedbyrdyck Huldreathe Zons Müdien ⸸ ✓ d Wevelinghoven + Erkelenz Haknerhof 0 Orken H. Leusch Olleinsberg Dormagen Elsen Grevenbroich Ramrath & Monheim Finkum — — Garzweiler St. Leonard Hackenbroich Frimersdorf ⸸ Worringen Tackerath & Königshovens Uebersichts=Karte O Neurath des Lumich O Stommeln Rammerskirdi Cen. Caster & Kriegsschauplatzes ò Frauweiler P.Titz an der ⛪ Bedburg ☞ Erft und Roer Vieb 0 im Sommer 1758 Rilheim Tülich Maassstab 1:200000 Nippes Mälheim Meilen Bergheim Müngersdorf Coeln Deutz . . . . . . . 1 . . 1 . . 1