Druckschrift 
Kriegsschauplatz an der Erft und Roer im Sommer 1758 : nebst einer Uebersichtskarte
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22Netze bis Posen vorgerückt und ihre leichten Truppen streiftenschon bis Glogau und Driesen. Langsam zwar in 24 Tagen12 Meilen folgte die Hauptarmee, aber sie ging stetig vorund bedrohte des Königs Verbindungslinie. Friedrich hatteihnen nur wenig Truppen entgegen zu stellen und schrieb demHerzog Ferdinand dringende Briefe, um jene 15 Escadrons zurückzu erhalten, welche ursprünglich zu dem gegen die Russen operi-renden Corps gehört hatten, da er von der Ansicht ausging, dieversprochene englische Reiterei sei bereits eingetroffen. Nur diewahrhafte Schilderung der Lage, in welcher sich die verbündeteArmee befand, konnte den König bewegen, vorläufig noch abzu-stehen von der Rücksendung dieser Schwadronen, welche unterdem Prinzen von Holstein bisheran so vortreffliche Dienstegeleistet hatten. Contades konnte also kaum einen günstigerenAugenblick wählen zur Entwickelung seiner Thätigkeit.Der allgemeine Feldzugsplan, wie derselbe vom Hofe ge-nehmigt und festgestellt war, bestand darin: durch ein Vorgehendes Prinzen Soubise in Hessen den Herzog Ferdinandindirect zum Verlassen des linken Rheinufers zu nöthigen, wäh-rend Contades durch entsprechende directe Operationen gegendie verbündete Armee an der Erft diese Nöthigung zum Rückzugenoch verstärken sollte. Auf den Vorschlag Oesterreichs wurde be-stimmt, daß die sächsischen, würtembergischen und pfäl-zischen Truppen in Lagern im Mittelpunkte des Reiches zu-sammengezogen werden sollten, da man sich nicht verhehlte, daßdie Gesinnung einiger der mit Oesterreich und Frankreich verbün-deten Reichsfürsten sehr wankelmüthig sei. Die Bemühungen derMarkgräfin von Bayreuth, der Lieblingsschwester Friedrich'shatten nämlich die vielfach im Reich, namentlich in den Reichs-städten verbreitete Begeisterung für den großen König eifrig ge-nährt und gehoben.Nachdem Contades nun seine Armee durch die herange-kommenen Verstärkungen wieder auf 50,000 Mann vollzählig gemacht, schritt er zur Ausführung seiner Pläne. Vorher aber tratnoch ein heftiger Conflikt mit der freien Reichsstadt Cöln ein, dieihren Mißmuth über das Bündniß des Kurfürsten mit den Fran-zosen, schon aus hergebrachter Opposition gegen denselben, durch-aus nicht verborgen hatte. Die französische Armee bedurfte nocheiniger Verstärkung an Artillerie und ließ den Rath von Cöln