129Rath suchten und darnach trachteten ihn dem Thronenahe zu haben, so zog er es doch vor, in der Einsam-keit seines Klosters, wo die Natur und das Leben gleichwenig Reize boten, in tiefen Studien und stiller Betrach-tung zu leben und nur dann öffentlich aufzutreten, wennes das Wohl der Völker erforderte.Als er aber den Rittersmann so demüthig auf denKnieen liegen sah und dessen treuherzige Gesinnungerkannte, stieg er aus seinem Schifflein und zog mitihm in die Burg, wo er von Benignen mit großerAndacht empfangen wurde. Sie hing mit Entzücken anseinen Lippen und seine Worte flossen wie Honigseim inihre empfängliche Seele.Als der Heilige sich am andern Morgen zur Abreiserüstete, äußerte sie ihrem Gemahl das heiße Verlangen,von St. Bernharden ein Stück seiner Kleidung zu be-ſitzen, daß es ihr zeitlebens ein Gegenſtand der Vereh-rung und nach ihrem Tode ein theures Kleinod derFamilie bleibe. Sie selbst hatte das Herz nicht, ihrBegehr dem Heiligen vorzulegen; aber Wilhelm trat vorihn und theilte ihm in aller Demuth den Wunsch seinerGattin mit. Da ließ der Mann Gottes sie zu sichrufen und überreichte ihr das Barret, welches er auf
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Adolph und Eberhard, die ersten Grafen von Berge : historische Erzählung aus dem zwölften Jahrhundert
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129
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