114Nachdem sie gegenseitig ihre Herzen ausgeschüttethatten, drang Adolph in den Bruder, mit ihm nachBerge zurückzukehren und die Würde seines Standeswieder anzutreten.Eberhard aber sprach: „Freiwillig habe ich demLeben der Welt, dem Reichthum und der Macht entsagt,um in der Einsamkeit und der Entbehrung den Friedendes Herzens und die Ruhe der Seele zu finden, undjetzt, wo mich das Entbehren nicht mehr schmerzt, womir der Umgang mit Gott ein Bedürfniß geworden, jetztsollte ich mich nochmals in jenen Strudel hineinstürzen,aus welchem ich nur mit Mühe das Leben des Geistesgerettet habe? Ein solches Verlangen würde ein schlech-tes Merkzeichen deiner Bruderliebe sein. Kehre zurück,behalte Alles, was mir durch die Rechte der Geburtzugehört, regiere glücklich und sei deinen Unterthanenein so guter Vater, wie du mir ein guter Bruder bist.Ueberdies bedenke, daß ich das Ordenskleid trage unddaß mein Gelübde mir nicht erlaubt, zu thun, was denSinnen schmeichelt oder dem Willen genehm ist.Da wurde Eberhard tief betrübt und wandelte mitgesenktem Haupte im Klostergarten umher, weil er dieWahrheit jener Worte einsah und auf seinen Bruderfür immer verzichten mußte. Schon wollte er sich mit
Druckschrift
Adolph und Eberhard, die ersten Grafen von Berge : historische Erzählung aus dem zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten