113er doch keine Zerstreuung darin, sondern fühlte sich nurin dem Beisammensein mit seinem Bruder glücklich. Eber-hard mußte ihm die Geschichte seiner Pilgerfahrten immerwieder vom Neuem erzählen, wohingegen er diesem mit-theilte, wie er seine Boten in alle Lande gesandt undihn vergeblich gesucht habe; auch theilte er ihm dieEreignisse in der Heimath alle mit und hatte von seinerGemahlin und seinen beiden Söhnen Adolph und Bruno,welch letzterer zu Beider Freude jetzt Erzbischof vonCöln war, viel zu erzählen.Verschwieg Eberhard auch einen guten Theil seinerBußübungen und that der Geißel und des härenenHemdes absichtlich keine Erwähnung, so schien demBruder doch des Frommen zu viel geschehen zu sein undimmer wieder von Neuem vergoß er Thränen über dieniedrigen Dienste, die Jener freiwillig verrichtet, und dieEntbehrungen, die er um Gotteswillen erduldet.Der Mönch aber lächelte und sprach: „Känntestdu die Süßigkeiten solcher Uebungen, du würdest deineThränen nicht unzeitig vergießen, sondern mich vielmehrglücklich preiſen, daß mich der Herr würdigte, ſeinet-willen zu entbehren. Ich hoffe mit der tiefsten Inbrunstmeines Herzens, daß auch dir der Staar gestochen wird,44wenn der Herr das Auge deines Geistes reif dazu findet.
Druckschrift
Adolph und Eberhard, die ersten Grafen von Berge : historische Erzählung aus dem zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
113
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten