Thränen, welche an dem matten Feuer fast zu Eis ge-froren, von denselben weg zu wischen. Endlich fuhr er fort:„Wer weiß, was dem Kaiser geschehen wäre, hätteer nicht Mittel gefunden, aus seinem Gefängnisse zu ent-rinnen und auf beschwerlicher Fahrt nach Lüttich zu kom-men, wo ihm der Bischof in Liebe zugethan war.Hier sammelte er ein neues Heer, um seinem Sohneentgegenzuziehen, aber der Tod befreite ihn dort imJahre 1106 von seinen Kämpfen und Leiden.Der Bischof gab ihm ein feierliches Begräbniß undließ ihn in einer Kirche beisetzen; aber auch im Todesollte seine Buße noch nicht vollendet sein.Weil er im Kirchenbanne gestorben, so mußte dieLeiche wieder ausgegraben werden und durfte nicht in ge-weihter Erde liegen. Der Sarg wurde mitten in derMaas auf eine Insel gestellt, und von allen seinen Un-terthanen war Niemand, der ein Gebet für ihn sprach.Ein einziger Mönch, ein Pilger, kam aus Jerusalem her-bei, wachte bei dem Sarge, betete und sang Tag undNacht für sein Seelenheil und verließ ihn niemals, bisdie Leiche endlich nach Speier gebracht wurde.Was mich betrifft, so war ich dem Kaiser getreunach Lüttich gefolgt und abermals als Speerträger unterseine Fahne getreten, aber das Unglück wollte es, daß
Druckschrift
Adolph und Eberhard, die ersten Grafen von Berge : historische Erzählung aus dem zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten