Traurig verließ ich deshalb des Kaisers Fahne und mußtemit blutendem Herzen sehen, wie der eben erst wieder zuGnaden aufgenommene Verräther und Vatermörder soforthinauf nach Mainz eilte, dem Reichstage sein Bubenstückvortrug und seine fernere Pläne enthüllte.Indeß der Vater gemüthlich und frohen Muthes denRheinstrom hinauf zog und seinen Einzug in Bingen hielt,standen die Häscher bereit, nahmen ihn in dieser Stadtgefangen und warfen ihn ins Gefängniß.Nun schickte der junge Heinrich seine Abgesandten zuihm, die ihn hart anfuhren und sprachen: „Gieb unsKrone, Ring und Purpur heraus, damit wires Deinem Sohne überbringen!“ — Der er-schrockene Kaiser machte Gegenvorstellungen und suchte ihreHerzen durch rührende Bitten zu erweichen; aber sie kann-ten kein Mitleiden, sondern zogen ihm mit Gewalt denPurpur aus, rissen ihm die Krone vom Haupte und brachtenbeides nach Mainz, wo sie es dem Sohne überreichten.Der arme Vater rief aus: „Ich leide für dieSünden meiner Jugend, aber eure That istdurch meine Schuld nicht gerechtfertigt!“Hier hielt der Erzähler einen Augenblick stille undfuhr sich mit der erstarrten Hand über die Augen, die
Druckschrift
Adolph und Eberhard, die ersten Grafen von Berge : historische Erzählung aus dem zwölften Jahrhundert
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten