Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
386
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336 Nachträge.

und jene Falten und Vertiefungen infolge der Muskeltkätigkeitentstehen.

Zu dieser anatomischen, meist angeborenen Anlage trittnun ein in der Funktion begründeter Umstand hinzu, diegewohnheitsmässige Mimik der Verbrecher, das cynische, fort-währende bittere Lachen, welches, wie Dostoyewski be-merkt, ihrem Gesicht wie ein eigenthümlicher Stempel auf-geprägt ist, dazu die anderen rhythmischen Bewegungen derGesichtsmuskeln, die auch bei Epileptischen und Hysterischen(bei Letzteren besonders am Munde) vorkommen und zur Ver-tiefung der entsprechenden Falten beitragen.

Sikoeski hat beobachtet, dass das Lachen bei Degene-rirten wie Weinen aussieht, besonders wenn der Pyramidalisnasi sich zusammenzieht. Dummes anhaltendes Lachen, wobei,nach Piderit, besonders die levatores nasi und der zygomaticusparvus thätig sind, vertieft die in jedem Lebensalter der Ver-brecher so häufig auftretende Jochbeinfalte.

Dieser Reichthum und das frühe Erscheinen von Falten,im Verein mit dem physiologischen Verhalten, verursacht es,dass das Gesicht hei manchen Verbrechern eine so ausser-ordentliche Masse von Runzeln zeigt, als wäre es so zu sagenein Gitter. Das ist z. B. der Fall bei jener Giftmischerinaus Palermo, der sogen. Essigalten, von der oben dieRede war, und deren Büste im Museum in Palermo aufbe-wahrt wird.

Zu bemerken ist noch, dass derjenige Theil des Gesiebtes,der bei den Verbrechern und Degenerirten am meisten ver-zogen wird, die Nasen- und Mundgegend ist, die weniger dengeistigen als den materiellen Beziehungen dienen; hier befindensich die meisten Runzeln. In der gerichtsärztlichen Praxisbeobachtet man denn auch wirklich, dass die wenigeuMörder ausgenommen, deren Blick starr und deren Stirnrunzelig ist, der gewöhnliche typische Verbrecher, inUebereinstimmung mit seiner geringeren geistigen Thätigkeit,in seiner Mimik weniger von dem sinnigeren, nachdenklicherenTheil des Gesichtsausdruckes von der Stirn Gebrauchmacht.