Kunst- und Gewerbebetrieb der Verbrecher. 355
der Entweichung aus der Irrenanstalt (Reggio) angefertigtwaren. ' .
3. Kunstgegenstände oder, wie Lattes sagt, Dinge,die zur Vervollständigung ihrer Toilette oder zum Zeitver-treibe dienen, fertigen die allezeit mehr oder weniger eitelnGefangenen an, w r as ihnen meist Strafe einbringt.
S. S., ein wegen Sittlichkeitsvergehen bestrafter Mensch,verfertigte sich mittelst eines Stückchen Glases, dessen Her-kunft nicht zu ermitteln war, und eines geschwärzten Papiereseinen Spiegel, den er unter dem Strohsack verbarg.
S. V. stellte aus Brotkrume eine Büste Garibaldis her,die das Beste war, was ich in dieser Beziehung kenne, sovollkommen ähnlich war die Physiognomie des Generalswiedergegeben (Lattes).
Auf der Ausstellung von Gefängnissarbeiten in Romwurde allgemein eine aus Brot wunderschon hergestellte Sfidavon Barletta bewundert.
D. G., wegen Diebstahls im Rückfall öfter bestraft,zeichnete auf Papierschnitzeln sein Bild stets mit verschiedenemAusdruck und immer dem Original ähnlich, womit er seineMitgefangenen beschenkte, die es eifersüchtig verwahrten. Ineinem einzigen Arbeitssaal wurden 6 solcher Bilder gefunden.
Ein Dieb aus Piemont verfertigte aus Brotkrume eineFlute, die einen sehr guten Ton gab.
In einem Zellengefängniss wurden 60 mit Graphit glasirteThongefässe weggenommen,. von denen einige mit geheimerZeichenschrift beschrieben, andere mit spöttischen Anspielungenauf das Wachtpersonal, andere mit obscönen Bildern bedecktwaren. Höchst elegante und durch grosse Sicherheit der Linien-führung auffallende, sehr charakteristische Zeichnungen sind imBand I. aufgeführt.
In den „Gefängniss-Palimpsesten" werde ich daraufzurückkommen.
Ein rückfälliger Dieb, der an einem Herz-Aneurysmagestorben ist, hatte merkwürdige mechanische Spiele, eineZelle mit. einem Gefangenen, einen Gerichtshof, einen Ent-haupteten aus Brot und Thon abgebildet; ein anderer, zugleich
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