328 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.
Orgien und die Enttäuschungen verdrossen und entmuthigtenihn dermassen, dass er einen Selbstmordversuch (im Juni 1875)machte, indem er mit gefesselten Beinen bei Spezia ins Meersprang, aus dem er aber von Matrosen wieder herausgeholt wurde.— Auf diese Lebensepoche beziehen sich die an der äusserenFläche des Unterarmes angebrachten Tättowirungen einernackten Frau und einer Schlange, der Boa distructor(für constrictor) als Erkennungszeichen einer geheimen Ge-sellschaft.
Im August desselben Jahres schoss er sich bei seinemAufenthalt in Genua, in der Via Balbi, ins rechte Ohr, dieKugel blieb jedoch im Schläfenbein stecken, wo man sie mitder Sonde noch fühlen kann und wo ein Fistelgang besteht.
In Turin angekommen und bei seinem Oheim einquartirt,brachte er diesem und seiner Frau Schnitte mit dem Rasir-messer bei, wurde für irr erklärt, von der Anklage freigesprochenund ins Irrenhaus gebracht. Nach seinem Austritt tödtete erim Streite einen Freund mit einem Messerstich, wurde zu10 Jahren Gefängniss verurtheilt und stürzte sich viele Metertief hinab, wobei er den linken Oberarm brach. Für geistes-krank erklärt, wurde er aus der Turin er Irrenanstalt in dievon Aversa übergeführt, wo er bis 1879 verblieb. Man hieltihn für geheilt und schickte ihn in die Strafanstalt von Amelia.Xach Verbüssung der Strafe kam er nach Florenz mit Empfeh-lungen an den Präfekten, der ihn in dem Asyle Montedominiunterbrachte. , Müde und in seiner Eigenliebe durch die Dis-ciplin und das einförmige Leben in der frommen Anstalt ge-kränkt, bewirkte er, dass er mit einem Geschenk von 50 Lireentlassen wurde. Durch Bekanntschaften gelang es ihm währendder drei letzten Monate des Jahres 1885 als Schreiber in einerApotheke Beschäftigung zu finden. Da er sich bescheiden undartig zu benehmen wusste, so erlangte er das Vertrauen derAerzte und verschaffte sich 60 Centigr. Morphium, die er ver-schluckte, um, Avie er sagte, sich zu tödten. Auf die Fragenach dem Grunde seines Selbstmordes antwortete er frei-nmthig: „Ich habe das Vertrauen zum Leben verloren, ichhabe nichts mehr von einer Gesellschaft zu erwarten, die